South Park: The Passion of the Jew

Animationsfilm – 22 min., USA 2004
Serie von Trey Parker und Matt Stone

+++ Feiertags-Special am Karfreitag +++ Bereits schon vor einigen Jahren hatte sich fernseherkaputt.blogspot.de in mehreren Beiträgen intensiver mit Gesellschaftskritik in der Animationsserie South Park befasst und sich dabei auch dem Thema Antisemitismus zugewandt. Die hier verlinkte Episode 3 der 8. Staffel beschäftigt sich mit Mel Gibsons ( 1 | 2 | 3 ) seinerzeit äußerst kontroversen wie erfolgreichen Film „Die Passion Christi“. Der im Stil eines Snuff-Movies gehaltene Film mobilisierte nicht nur Anhänger des christlichen Fundamentalismus zu gemeinsamen Kinobesuchen, sondern auch weit darüber hinaus. Und wie in einem Artikel von Max Brym dargestellt, war dabei anscheinend die Kinofassung in Darstellung der Juden noch um einiges milder als die der Anti Defamation League vorab zugespielte Rohfassung.


© South Park Digital Studios LLC

Stalins letzte Säuberungen

Dokumentation – 45/80 min., D/F 2009
Ein Film von Philippe Saada

Am 13. Januar 1953 verkündete die Prawda die Aufdeckung eines ungeheuerlichen Komplotts: Neun bekannte sowjetische Ärzte, sechs davon Juden, sollten die Ermordung der Kremlführung geplant haben. Dies war der Auftakt zu einer landesweiten antisemitischen Pressekampagne, die sich nahtlos in die Kontinuitäten eines Sowjetantisemitismus einfügte. Die angeblichen „zionistischen Verschwörer“ wurden festgenommen, brutal verhört, tausende Juden und Jüdinnen entlassen. Wohin Stalins antisemitische Politik schlussendlich steuerte, ist umstritten: Sollten die sowjetischen Juden ermordet oder „nur“ nach Sibirien deportiert werden? Mit dem Tode Stalins am 5. März 1953 endete die unmittelbare Gefahr für Juden in der Sowjetunion, der Antisemitismus bestand fort. Die Beschäftigung mit linkem Antisemitismus heute muss seine historischen Wurzeln im Osten Europas der Nachkriegszeit in den Blick nehmen. L‘chaim, comrade Stalin!

Die Partei hat immer recht: Die Wahrheit über eine „internationale
jüdisch-zionistische Organisation“ und „Gift verabreichende Ärzte“
| © ZDF/ ROCHE Productions 2009

Liza ruft ! ליזאַ רופט

Dokumentation – 113 min., D 2015
Ein Film von Christian Carlsen und Philipp Jansen

Denn du kannst nicht einerseits sagen, dass die Überlebenden Kriminelle seien, und andererseits mit deinen Krokodilstränen kommen, um die Diplomaten und die ausländischen Medien zu beeindrucken.“

(Dovid Katz)

„Fania Yocheles-Brantsovskaya war 19 Jahre alt, als die Wehrmacht am 24. Juni 1941 in ihre Heimatstadt Vilnius einfiel, die bis dahin als „Jerusalem Litauens“ galt. Fania wurde mit ihrer Familie ins Ghetto getrieben, musste Zwangsarbeit leisten und wurde Zeugin der „Aktionen“, in deren Folge die Deutschen und ihre litauischen Kollaborateure 70 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder im nahen Ponar erschossen. Sich der deutschen Vernichtungspläne bewusst, schloss sich Fania der jüdischen Widerstandsgruppe Fareinikte Partisaner Organisatzije (FPO) an. „Liza ruft!“ wurde die Losung für ihren Kampf. Kurz bevor die Deutschen das Ghetto liquidierten, entkamen die FPO-Mitglieder und schlossen sich der sowjetischen Partisan_innenbewegung in den nahen Wäldern an. Fania führte Sabotagemissionen aus und beteiligte sich an der Befreiung von Vilnius durch die Rote Armee. Obwohl die Deutschen mithilfe ihrer litauischen Handlanger ihre gesamte Familie ermordet hatten, blieb Fania in ihrer Heimat und beteiligte sich an deren Wiederaufbau unter kommunistischer Führung. Nach dem Tod ihres Ehemanns, den sie im Kampf kennengelernt hatte, und dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden ihr die Erinnerung an den Holocaust und die Würdigung des jüdischen Widerstands zur Lebensaufgabe. Brachte ihr das im Ausland Anerkennung, wurde sie in ihrer Heimat zur Zielscheibe von nationalistischen und antisemitischen Gruppierungen. Nachdem lokale Medien die Memoiren ihrer Freundin Rachel Margolis ausgeschlachtet hatten, die Fanias Teilnahme an der Zerstörung Kaniūkais erwähnen, ein Dorf, das die sowjetischen Partisan_innen bekämpft hatte, ließ die Staatsanwaltschaft die damals 86jährige Fania wegen der mutmaßlichen Beteiligung an Kriegsverbrechen vernehmen. Erst auf internationalen Druck wurden die Ermittlungen auf Eis gelegt. Daraufhin begann die litauische Politik, Fanias Potential als Aushängeschild zu entdecken und sie zu vereinnahmen. Fanias Engagement ist seither eine Gratwanderung: einerseits drohen die Entpolitisierung ihrer Gedenkarbeit und eine Entfremdung von ihren Weggefährt_innen, anderseits läuft sie ständig Gefahr, neue antisemitische Angriffe und eine Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens zu provozieren.“ (Aus dem Presseheft zum Film „Liza ruft!)

© Kassiber Films

Dibbuk – Eine Hochzeit in Polen

Spielfilm – 94 min., PL/ISR 2015
Ein Film von Marcin Wrona

Vor kurzem ist es zwischen Israel und Polen zu einem Eklat gekommen. Der Auslöser ist ein polnisches Gesetz, das es nicht nur unter Strafe stellt, von „polnischen Todeslagern“ zu sprechen, sondern auch – und hier wird es ja erst brisant – der „polnischen Nation oder dem polnischen Staat“ eine Mitveranwortung an den Verbrechen der Deutschen zuzusprechen. In Zukunft könnte also strafrechtlich belangt werden, wer über diejenigen Polen spricht, die zwischen 1939 und 1945 ihre jüdischen Nachbarn an die Deutschen verraten oder gleich in eine Scheune gesperrt und verbrannt haben. Währenddessen legte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki in München einen Kranz für eine extrem-rechte polnische Partisaneneinheit, die mit den Deutschen kollaboriert hatte, nieder und spricht gar von jüdischen Tätern.

Dass Marcin Wrona für seinen Film öffentliche Filmförderung bekommen hat, zeigt, dass die Rechte in Polen (zumindest vor zwei Jahren noch) nicht die komplette Deutungsmacht über Polens jüngere Geschichte hat(te). Denn Wronas Film zeichnet ein düsteres Bild der polnischen Dorfgemeinschaft, die sich auf der Hochzeit von Piotr und Żaneta eingefunden hat. Von der dunklen Geschichte des Hauses (nebst Scheune), das die beiden von Żanetas Vater geschenkt bekommen haben, will sie nichts wissen, die brüchige Stimme des alten jüdischen Dorflehrers bleibt ungehört. Dass Piotr sich während der Hochzeit immer merkwürdiger verhält, lässt sich jedoch kaum verbergen: Ein Dibbuk, ein jüdischer Totengeist, hat von ihm Besitz ergriffen.

Das 1920 uraufgeführte Theaterstück „Der Dibbuk“ von Salomon An-Ski wurde 1937 von Michał Waszyński verfilmt und gilt nicht nur als Klassiker der jiddischen Literatur, sondern auch als das Schlüsselwerk jüdischer Kultur des vergangenen Jahrhunderts. Kann der Film von 1937 noch als Parabel über die nicht vorhandene jüdische Zukunft in Polen verstanden werden, ist Wronas Film eine über den polnischen Umgang mit dem Holocaust. Nach „Pokłosie“ (2012) und „Ida“ (2013) der dritte polnische Film, der sich diesem Thema in jüngerer Zeit angenommen hat.

Warum das Thema nicht erst seit dem Regierungsantritt der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in weiten Kreisen der polnischen Gesellschaft so viel Ablehnung erfährt, hat auch mit einem jahrhundertelang kultivierten Selbstverständnis der polnischen Nation als Opfer fremder Mächte zu tun. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahren modifiziert. Es wird nun die gemeinsame Opferschaft von Polen und Juden betont und ein besonderes Augenmerk auf diejenigen Polen gelegt, die ihren jüdischen Nachbarn halfen – ein hierzulande ja auch sehr beliebtes Thema.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen hat „Dibbuk“ jedoch kaum negative Reaktionen in Polen selbst hervorgerufen, was vermutlich auch an den Umständen seines Erscheinens lag: Marcin Wrona hat sich am 19. September 2015 während eines Filmfestivals in Gdynia, auf dem der Film seine polnische Premiere feierte, in seinem Hotelzimmer erhängt.

© Telewizja Polska 2015

Bubis – das letzte Gespräch

Dokumentation – 45 min., D 2017
Ein Film von Johanna Behre und Andreas Morell

Im öffentlichen Bewußtsein ist die Verantwortung für Auschwitz nicht verankert. Jeder in Deutschland fühlt sich verantwortlich für Schiller, für Goethe und für Beethoven, aber keiner für Himmler.“

(Ignatz Bubis)

TV-Dokumentation, basierend auf einem Interview, das Ignatz Bubis, damaliger Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, kurz vor seinem Tod im Sommer 1999 dem Wochenmagazin Stern gegeben hatte. Kennzeichnend für dieses Interview war vor allem die tiefe Enttäuschung über die deutsche Wirklichkeit nach der Wiedervereinigung, zu der Ignatz Bubis, allen antisemitischen Anfeindungen zum Trotz, als einer der Wenigen immer wieder deutlich wahrnehmbar Stellung bezog: Zum nationalistischen Furor, der sich in rassistischen Gewaltwellen Bahn brach, der geistigen Brandstiftung aus Teilen der Eliten, dem politischen Zurückweichen vor dem deutschen Mob und den unsäglichen Schlussstrichdebatten um die „Dauerrepräsentation unserer Schande“ und die „Moralkeule Auschwitz“. Dabei lag Bubis‘ Tragik als Überlebender der Shoah vor allem im Insistieren auf Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, die sich von ihm wahlweise als „reichem jüdischen Spekulanten“ oder „als Israeli, als Ausländer, als Fremder, als Gast“ mehrheitlich belästigt fühlte.
Hermann L. Gremliza, mit dem Bubis im Jahr 1999 ebenfalls ein letztes Gespräch für das Monatsmagazin konkret führte, spitzte Bubis‘ Wirken in einem Nachruf folgendermaßen zu: „Immer wieder hat Bubis Alarm geschlagen, immer wieder hat er, uns zur Enttäuschung und zum Ärger, eine halbe Entwarnung hinterhergeschickt und die Zahl der deutschen Antisemiten auf ein den Landsleuten, ihren Leitartiklern und ihren Politikern genehmeres Maß heruntergerechnet. Mit zehn oder zwanzig Prozent potentieller Mörder, das wußte er, können die gut leben.“. Kurz vor Lebensende wich aber auch bei Ignatz Bubis die Hoffnung einer müden wie quälenden Einsicht. Sein viel zitiertes Fazit „Ich habe (fast) nichts erreicht.“ wie auch Gremlizas Zuschreibung, womit die gut leben könnten, bestätigt sich bis in die Gegenwart. Dementsprechend ist Bubis‘ Entscheidung, sich nicht in Deutschland, sondern in Israel begraben zu lassen, konsequent. Eine würdige Geste an eine durch und durch verkommene Gesellschaft.

Regressiver Antikapitalismus meets Täter-Opfer-Umkehr: Deutsche
Linke demonstrieren für Fassbinders Der Müll, die Stadt und der Tod
| © AVEpublishing, HR, NDR, RBB 2017

Der Letzte der Ungerechten

Dokumentation – 218 min., F 2013
Ein Film von Claude Lanzmann

Im Rahmen seines Filmes „Shoah“ (1985) führte Claude Lanzmann 1975 ein langes Interview mit Benjamin Murmelstein, dem überlebenden, letzten sog. „Judenältesten“ des Ghetto Theresienstadt. Letztendlich entschied er sich aber dagegen, das Material in „Shoah“ zu verwenden, denn, so Lanzmann in einem Interview, „Shoah“ sei „ein Film in Erzählform, der allgemeine Ton ist von einer schrecklichen Tragik. Wenn man Benjamin Murmelstein zuhört, merkt man, dass das nicht zu ihm passt. Er ist von einem anderen Schlag.“ In ihrem „Bericht von der Banalität des Bösen“ über den Eichmann-Prozess bezeichnete Hannah Arendt Leute wie Murmelstein als „Verräter“, einem Urteil, dem Gershom Scholem entschieden widersprach. In einem Punkt war er jedoch mit Arendt einig: „Gewiss, […] Murmelstein in Theresienstadt hätte […] verdient, von den Juden gehängt zu werden.“ Hätte man Murmelstein vor Gericht in Jerusalem als Zeugen geladen, so hätte dieser davon berichten können, dass Eichmann, den Arendt als „Hanswurst“ bezeichnete, während des Novemberpogroms selbst zur Tat geschritten ist. Lanzmanns Film ist so wichtig, weil er diesem und anderen Fehlurteilen widerspricht. Gleichwohl ist es von einer besonderen Tragik, dass Murmelstein, der 120.000 österreichischen Juden zur Ausreise verholfen hat, seine Rehabilitation nicht mehr erleben durfte. Er starb 1989 ohne je einen Fuß nach Israel gesetzt zu haben, obwohl das seinem Wunsch entsprochen hätte. Lanzmanns Film ist eine späte, aber würdige Rehabilitation dieser beeindruckenden Person.

+ Der Film ist noch bis 22.03.2018 auf der arte-Mediathek abrufbar. +

© Synecdoche, Le Pacte, DOR Film, Les Films Alephe, France 3
Cinéma



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