Ein ganz normaler Arzt

Dokumentation – 45 min., A 2006
Film von Andreas Nowak

Wie viele Mörder an Kranken und behinderten Menschen während des Nationalsozialismus hatte der vormalige Stationsarzt der Wiener Klinik „Am Spiegelgrund“ Heinrich Gross ein langes Leben und eine ungebrochene Karriere. Erst spät und widerwillig kam es zu juristischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit einigen unmittelbaren Tätern der sogenannten Euthanasie. Zwar gab es kaum Verurteilungen, dafür waren Entsetzen und Empörung die langanhaltende Folge. Soweit folgt der Film dem allgemein gültigen Narrativ vom moralisch degenerierten Einzeltäter, der unter größter Geheimhaltung mit einer Clique gleichgesinnter Nazi-Ärzte tödliche Wissenschaft betrieb. Gleichzeitig bleibt das Thema bis heute weiterhin vernebelt und mit einem Tabu behaftet: Dass der hunderttausendfache Mord einen breiten gesellschaftlichen Konsens voraussetzte, bei dem nicht nur die Partei, Wissenschaftler, Mediziner, Pflegekräfte und Kirchen mitwirkten, sondern auch oft auf die Bedürfnisse der Angehörigen der Opfer eingegangen worden ist.

Das Lebenswerk des Heinrich Gross: Sorgfältig präparierte
Organe von Euthanasieopfern | © ORF


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