Archiv für Juli 2015

Der Gottesstaat und die Bombe

Dokumentation – 30 min., D 2009
Film von Peter Mezger und Natalie Durst

Dokumentation zum iranischen Atomprogramm, in der zwar der angeblich rein zivile Charakter angezweifelt, die Motivlage des Regimes aber nicht genauer untersucht wird. Der aggressive Antisemitismus, die Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel und das Appeasement des Westens bleiben vollkommen ausgespart. Aber selbst ein nur in seiner Anlage kritischer TV-Beitrag wie dieser scheint 2015, dem Jahr des sogenannten Atom-Deal, nicht mehr denkbar. Die Charme-Offensive des iranischen Präsidenten Rohani, (der im Film noch als Verhandlungsführer auftritt), scheint alle moralischen Bedenken beiseite gedrängt zu haben. Letztendlich aber bedeutet die Rückkehr des islamistischen Mörder-Regimes in die Weltgemeinschaft vor allem eine klassische Win-Win-Situation, heißt: ein großes Geschäft. Und dabei wollen nach dem Fall der Sanktionen anscheinend auch oder gerade die Deutschen nicht zu spät gekommen sein.

Mittelstreckenrakete Shahab 3 auf einer Militärparade | © BR

„The secret jewish cause for worldwide racism“

Passend zum Schwerpunkt der Jungle World (Nr.26/2015) ein Clip des World Jewish Congress, in dem es um das Verhältnis zwischen Israel und den Vereinten Nationen, und der mittlerweile dritten Ausgabe der berüchtigten Durban-Konferenz im September diesen Jahres in NYC geht.

Terroranschläge gegen Jüdische Gemeinde in Buenos Aires

auslandsjournal extra 29.01.2010

Flotilla Choir presents: We Con the World

Die Grauen Wölfe – Türkische Faschisten in Deutschland

Zusammenschnitt vom 02.06.2015

Shoah

Dokumentation – 566 min., F 1985 (dt.UT)
Ein Film von Claude Lanzmann

Die wohl eindrücklichste Dokumentation über die Vernichtung des europäischen Judentums durch die Deutschen. Lanzmann und sein Team suchen die Orte der Vernichtung auf und interviewen vor allem die Überlebenden, aber auch Zeugen und Täter. Dabei wird auf hastige Schnittfolgen, Off-Kommentare und Musik ebenso verzichtet wie auf den Einsatz von historischem Bildmaterial. Sowohl die „Überlänge“ als auch der Inhalt sorgten nicht nur in deutschen Sendeanstalten für programmpolitische Diskussionen: wegen des kompromittierenden Dokumentierens des polnischen Antisemitismus setzte die damalige polnische Regierung harte Verbots- und Zensurmaßnahmen durch. Die Rolle des Einleitenden übernimmt an dieser Stelle Christoph Hesse mit seinem kurzen Vortrag »Einen ewigen Namen will ich ihnen geben…« Claude Lanzmanns Film ‚Shoah‘.

Spur des Fremden

Spielfilm – 91 min., USA 1946
Buch/Regie: George Trivas, John Huston/Orson Welles

Nachkriegsfilm über das Abtauchen und die Entlarvung eines deutschen Nazi-Kriegsverbrechers in einer US-amerikanischen Kleinstadt. Die Überführung des Verdächtigen anhand seines Antisemitismus (immerhin!) stellt dabei den eigentlichen Höhepunkt des Films dar. Filmhistorisch interessant ist der Streifen nicht nur, weil erstmals authentische Aufnahmen aus Konzentrationslagern in einem Spielfilm gezeigt wurden, sondern weil er damit auch als frühes Beispiel für die kulturindustrielle Vereinnahmung der Shoah gelten könnte. Hier zugunsten einer spannungsgeladenen Kriminalgeschichte. Noch dazu fuhr der Regisseur Orson Welles mit diesem Film seinen größten kommerziellen Erfolg ein.

„Mein Charles ist kein Nazi!“: Die frisch vermählte Mrs. Rankin
sieht Filmaufnahmen aus deutschen KZs | © International Pictures

Der Herr Karl

Fernsehfilm – 57 min., A 1961
Film von Karl Merz und Helmut Qualtinger

Kabarettistische Darstellung eines österreichischen Kleinbürgers nach dem Krieg. Der knapp einstündige Monolog demaskiert das „unpolitische“ Mitläufertum im Nationalsozialismus als Mittäterschaft sowie das Opfertum der Österreicher als postnazistische Selbstgefälligkeit. Als passende musikalische Begleitung empfehlen wir Georg Kreisler’s Weg zur Arbeit. Für einen schnellen Überblick zur „Aufarbeitung der Vergangenheit“ in Österreich bietet sich weiterhin ein Vortrag von Walter Manoschek an.

„Schaun’s, eigentlich schön unser Österreich“: Redselig, feist und
selbstgerecht wie der Herr Karl | © ORF