Archiv für Dezember 2015

Israel in den Medien

Kurze, 18-minütige Dokumentation zur Tagung „Israel in den Medien“ vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs 2008/09. Interviewpartner sind u.a. Esther Shapira („Das Kind, der Tod und die Wahrheit“) und Ulrich W. Sahm ( neben n.tv und diversen Zeitungen u.a. Autor für „honestly concerned“ und „Audiatur.online“). Der abschließenden Empfehlung, sich umfassender zu informieren, kommen wir gern mit Verweis auf „Lizas Welt“ nach. Als Einstimmung darf auch ein Artikel des ehemaligen AP-Journalisten Matti Friedman gelesen werden.

Der gewöhnliche Faschismus

Dokumentarfilm – 123 min., SU 1965
Ein Film von Michail Romm

Das war die Bedingung, unter der ich diesen Film machen durfte… Dass das Wort „Jude“ in diesem Film nicht fällt.“ (Michail Romm)

So soll sich der Regisseur nach einer Filmvorführung 1966 in West-Berlin privat geäußert haben, nachdem ein Zuschauer in der anschließenden Diskussion darauf hinwies, dass der tragende Kommentar im Film die Darstellung der Shoah fast vollkommen übergangen und entstellt hätte. Bilder von den Massenexekutionen in Liepaja und L‘vov, den Deportationen und den Vernichtungslagern Majdanek und Auschwitz hatte Romm zwar ausführlich gezeigt, die Hauptopfer und Motivation dieser nationalsozialistischen Verbrechen jedoch nahezu vollständig verschwiegen. Teilweise könnte man aber auch von vorsätzlicher Bildmanipulation sprechen. Mit der Darstellung faschistischer Alltagskultur, den Massenveranstaltungen, sowie der Kunst und Kultur des „Dritten Reichs“ dem Äußerlichen verhaftet, bot der Film zugleich auch eine antitotalitäre Tendenz. So wurde der Film nach seinem einmaligen internationalen Erfolg auch mit einem de facto-Verbot belegt und schon 1967 wieder aus dem Verleih genommen. Der Film könne, so eine Aktennotiz des Leiters der Hauptverwaltung Film im DDR-Ministerium für Kultur aus dem Jahr 1977, aufgrund der „subjektiven Betrachtung und nicht genügend tiefen Darstellung der gesellschaftlichen Ursachen des Faschismus … vom Zuschauer fehlinterpretiert werden (vor allem in Hinblick auf äußerlich ähnliche Veranstaltungen auch unter sozialistischen Verhältnissen).“ In einer Kritik an der fehlenden Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus lag diese Verfahrensweise wohl nicht begründet.
Diese kurze Einführung wurde angeregt durch einen Text von Lilia Antipow aus „Glückssuchende? Conditio Judaica im sowjetischen Film“.

Zum gewöhnlichen Faschisten degradiert: Deutscher Wehrmachts-
offizier ohne Hakenkreuz | © Mosfilm

Auschwitz – Bilder aus der Hölle

Dokumentation – 52 min., D 2012
Buch/Regie: Erik Nelson

„Wenn man in einer Ausstellung, in einem Buch oder in einem Film Bilder zum Thema findet, so kommen sie fast immer aus dieser Sammlung.“, sagt Dr. David Silberklang, Cheflektor von Yad Vashem Publications, über das „Jacob-Album“. Die Sammlung von 193 Fotografien dokumentiert die Ankunft ungarischer Juden am 26. und 27. Mai 1944 im Vernichtungslager Auschwitz. Es sind die einzigen Fotografien, die den Selektionsprozess an der Rampe, die Registrierung und „Entlausung“ der Arbeitsfähigen, die Aufräumungskommandos des Effektenlagers „Kanada“, und auch den Weg in die Gaskammern von Auschwitz-Birkenau zeigen. Die Dokumentation „Auschwitz – Bilder aus der Hölle“, die die wichtigsten Fotografien zu Auschwitz präsentiert, zeigt zudem jene vier Bilder, die ein Häftling des Sonderkommandos im September 1944 vor und nach einer Vergasung heimlich aufgenommen hatte. ( Nach einer Ausstellung der Bilder im Jahr 2007 folgte eine heftige Debatte um deren Publizität.) Um einiges verstörender und erhellend zugleich dürfte jedoch jenes Auschwitz-Album gewesen sein, dass erst im Jahr 2006 dem United States Holocaust Memorial Museum in Washington anonym überlassen worden ist: Das sogenannte „Höcker-Album“ mit seinen Bildern vom Lagerpersonal in Auschwitz gewährt einen recht guten Einblick in die Seele der Täter. Es waren allem Anschein nach, wer hätte das gedacht, keine „Barbaren“, sondern ganz normale, gesellige, lebenslustige Menschen. Wir würden da aber doch gern einschränken: Vor allem waren es ganz gewöhnliche deutsche Menschen, die sich zu dieser fröhlichen Tatgemeinschaft zusammenfanden.

Im Frühtau zu Berge: Heiterer Betriebsausflug des KZ-Personals
von Auschwitz im Jahr 1944 | © US Holocaust Memorial Museum

Die Kommissarin

Spielfilm – 104 min., SU 1967/1987
Ein Film von Aleksander Askol‘dov

In der Sowjetunion einen anspruchsvollen und vielschichtigen Revolutionsfilm ohne jedes Pathos zu produzieren und darin das Schicksal der jüdischen Bevölkerung während des Russischen Bürgerkrieges (1917 – 1922) herauszuheben, ja nebenbei noch die Shoah zu thematisieren, das war in der Breschnew-Ära ein unmögliches Unterfangen. Insbesondere für einen Film, der einen Roman des in Ungnade gefallenen Schriftstellers Wassili Grossman zur Grundlage nahm. Als „antisowjetisch“ verboten, wurde „Die Kommissarin“ erst 1987 auf den Moskauer Filmfestspielen uraufgeführt, alsbald auf internationalen Filmfestivals ausgezeichnet und weiterhin durch TV-Ausstrahlungen einem breiten Publikum bekannt.

Harlan – Im Schatten von Jud Süß

Dokumentation – 100 min., D 2008
Ein Film von Felix Moeller

Er ist garantiert kein Antisemit gewesen. Und er ist garantiert kein Nazi gewesen. Auf gar keinen Fall! Er hat sowas von abfällig über Nazis gesprochen. Das kann gar nicht sein.“ ( Caspar Harlan)

„Er hatte lauter jüdische Freunde. Die haben ihn geliebt und waren immer mit ihm zusammen. Und unser Arzt war jüdisch und ringsum waren lauter jüdische Leute.“ (Maria Körber)

„Film wird ja immer missbraucht als Propaganda. Heute, die ganzen Kriegsspiele und die Kriegsfilme, die werden gesponsort vom amerikanischen Militär. Die finanzieren und produzieren Kriegsfilme und so requirieren sie sich die Leute. Hat sich nicht viel geändert.“ (Kristian Harlan)

Die kleine Auswahl von Zitaten, die Felix Moeller in seinem Familienportrait „Harlan – Im Schatten von Jud Süß“ von Nachkommen des wohl erfolgreichsten NS-Regisseurs einfängt, steht beispielhaft für den Umgang der Deutschen mit ihrem nationalsozialistischen Familienerbe. Schlechtestenfalls naiv, karrieristisch oder verantwortungslos soll der „Künstler“ Veit Harlan ( nebst seiner Ehefrau Kristina Söderbaum) dem familiären Gesamturteil folgend gewesen sein. Gerichtsverfahren und öffentliche Kontroversen hatte er schon in der Nachkriegszeit relativ schadlos überstanden. Selbst Veit Harlans „enfant terrible“ Thomas Harlan, der „Jud Süß“ immerhin als „Mordinstrument“ bezeichnete, konnte sich seinen Vater nur als „Nicht-Antisemiten“ denken. Und bis in die 3. Generation spürt man die Aversion gegen das Offenbare und Naheliegende: Dass der Schauspielführer Veit Harlan mit seinen von nationalsozialistischer Ideologie tief durchdrungenen Filmen eben doch – und bis der Vorhang fiel – ein fanatischer Überzeugungstäter im Dienste der deutschen Volksgemeinschaft gewesen sein könnte.

Iran vs. Deutschland (2004) – Ein Freundschaftsspiel

In der Eröffnungszeremonie beim Länderspiel Iran -Deutschland zeigt sich, worin bei vielen Iranern die innige Verbundenheit zum deutschen Volk begründet liegt.

© ZDF | Deutschland zu Gast bei Freunden

Die Berlinale und die europäisch-iranische Kulturpolitik

Dokumentation eines 2009 gehaltenen Vortrags von Tobias Ebbrecht-Hartmann zum unkritischen Umgang der Berlinale mit iranischen Filmproduktionen. Ein weiterer Vortrag von Kia Kiarostami beschäftigt sich mit den Produktionsbedingungen für Filme im Iran und den Protesten während der Berlinale 2009. Das aktuelle Programm der Berlinale findet sich hier.

Die Gezeichneten

Stummfilm – 95 min., D 1922
Ein Film von Carl Theodor Dreyer

Wer verschiedene Versionen von Sergei M. Eisensteins Revolutionsklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“ (1925) kennt, dem dürfte vielleicht die seltsame Leerstelle im 3. Akt aufgefallen sein, die die sowjetische Zensur in einer späteren Fassung des Films hinterlassen hat: Eisensteins Anspielung auf den Antisemitismus und die Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung um das Revolutionsjahr 1905. Der 1922 in Berlin entstandene Stummfilm „Die Gezeichneten“ greift dagegen das Thema ganz unmittelbar auf: In Abwehr der revolutionären Erhebungen steigerte das zaristische Regime Nikolaus II. mittels seines Geheimdienstes Ochrana den traditionellen Judenhass der kaisertreuen, christlich-orthodoxen Mehrheit zum tausendfachen Judenmord. Wie in der Schlusssequenz mit der Rettung der Hauptfigur Hanne-Liebe dargestellt, entflohen in der Folge russische Juden massenhaft dem Terror im sogenannten Ansiedlungsrayon. Sie emigrierten meist in westliche Staaten oder als Olim in die osmanische Provinz Palästina. Ob der Film zeitnah in sowjetischen Kinos gezeigt wurde, ist uns nicht bekannt – die russischsprachige Fassung allerdings wurde erst 1960 in sowjetischen Archiven unter dem treffenden Titel „Погром“ wiederentdeckt. Im Jahr 2006 wurden „Die Gezeichneten“ vom Dänischen Filminstitut rekonstruiert. Weitere Informationen anlässlich der TV-Erstausstrahung 2009 gibt es hier zu lesen.

Mit Gruß an den Zaren und dem Segen der Kirche geht der Mob
zum Pogrom über | © Primus Film GmbH