Stalin hat uns das Herz gebrochen

Dokumentation – 53 min., D 2000
Ein Film von Eduard Erne und Minka Pradelski

Deutschland 1945: Das Land zerstört, befreit. Im Exil verstreut in der ganzen Welt von Mexiko bis Palästina warten Sozialdemokraten und Kommunisten, die vor Hitler geflohen waren, auf die Rückkehr – um einen Traum zu verwirklichen: ein besseres, ein friedliches, ein demokratisches, ein sozialistisches Deutschland.“

Nun, dieser Prolog ist geeignet, einem, noch bevor der Film richtig begonnen hat, die Laune zu verderben. Andererseits steht er symptomatisch für das geistige Unvermögen vieler Linker, auf das Wesen des Staates zu reflektieren – damals wie heute. Der Prolog ist also insofern wahr, als dass er dem Selbstverständnis der im Film Porträtierten entspricht. Das Misstrauen, was den Kommunisten, die die Nazibarbarei in der westlichen Emigration überlebt hatten und nach dem Krieg nach Deutschland zurückgekehrt sind, entgegenschlug, war für viele ein Schock; aus heutiger Perspektive gleichwohl nur ein Vorzeichen noch Schlimmerem: einer antisemitischen Säuberungswelle in den Kommunistischen Parteien Osteuropas. Im Film geht es zuvorderst um den nach dem bewährten Muster der Moskauer Prozesse in Ungarn abgehaltenen Rajk-Prozess und in der Folge um die Säuberung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) von zumeist missliebigen Exilanten, die auch schon mal als „Feinde des Deutschen Volkes“ bezeichnet wurden – nun zum zweiten Mal nach dem NS. Während des Slańsky-Prozesses in der Tschechoslowakei wurde der Antisemitismus noch deutlicher. Seine semantische Verschleierung als „Antizionismus“ ist von ungebrochener Aktualität. In der Folge stieg der Druck auf jüdische Parteimitglieder auch in der SED. Stalins Tod kam einem Schauprozess in der DDR jedoch zuvor; eine vollständige Rehabilitierung der von den stalinistischen Verfolgungen Betroffenen gab es dennoch bis zum Ende der DDR nicht, wofür sicherlich auch der nunmehr latente Antisemitismus verantwortlich war.
Wir danken dem AK „Stalin hat uns das Herz gebrochen“ der NFJ Berlin für den Vortrag zum Film, erinnern mit Bini Adamczak an das Schicksal der in die Sowjetunion emigrierten Kommunisten und schließen mit einem ohne jeden Zweifel berechtigten: Nie wieder Deutschland!

© NDR


2 Antworten auf „Stalin hat uns das Herz gebrochen“


  1. 1 yoni 16. Januar 2016 um 18:12 Uhr

    …und einem ebenso berechtigten „Nie wieder Stalin!“. Denn: „Nein, nein, das ist nicht der Kommunismus!“ gewesen.

  2. 2 Administrator 30. Juni 2016 um 19:51 Uhr

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