Harlan – Im Schatten von Jud Süß

Dokumentation – 100 min., D 2008
Ein Film von Felix Moeller

Er ist garantiert kein Antisemit gewesen. Und er ist garantiert kein Nazi gewesen. Auf gar keinen Fall! Er hat sowas von abfällig über Nazis gesprochen. Das kann gar nicht sein.“ ( Caspar Harlan)

„Er hatte lauter jüdische Freunde. Die haben ihn geliebt und waren immer mit ihm zusammen. Und unser Arzt war jüdisch und ringsum waren lauter jüdische Leute.“ (Maria Körber)

„Film wird ja immer missbraucht als Propaganda. Heute, die ganzen Kriegsspiele und die Kriegsfilme, die werden gesponsort vom amerikanischen Militär. Die finanzieren und produzieren Kriegsfilme und so requirieren sie sich die Leute. Hat sich nicht viel geändert.“ (Kristian Harlan)

Die kleine Auswahl von Zitaten, die Felix Moeller in seinem Familienportrait „Harlan – Im Schatten von Jud Süß“ von Nachkommen des wohl erfolgreichsten NS-Regisseurs einfängt, steht beispielhaft für den Umgang der Deutschen mit ihrem nationalsozialistischen Familienerbe. Schlechtestenfalls naiv, karrieristisch oder verantwortungslos soll der „Künstler“ Veit Harlan ( nebst seiner Ehefrau Kristina Söderbaum) dem familiären Gesamturteil folgend gewesen sein. Gerichtsverfahren und öffentliche Kontroversen hatte er schon in der Nachkriegszeit relativ schadlos überstanden. Selbst Veit Harlans „enfant terrible“ Thomas Harlan, der „Jud Süß“ immerhin als „Mordinstrument“ bezeichnete, konnte sich seinen Vater nur als „Nicht-Antisemiten“ denken. Und bis in die 3. Generation spürt man die Aversion gegen das Offenbare und Naheliegende: Dass der Schauspielführer Veit Harlan mit seinen von nationalsozialistischer Ideologie tief durchdrungenen Filmen eben doch – und bis der Vorhang fiel – ein fanatischer Überzeugungstäter im Dienste der deutschen Volksgemeinschaft gewesen sein könnte.


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