Der gewöhnliche Faschismus

Dokumentarfilm – 123 min., SU 1965
Ein Film von Michail Romm

Das war die Bedingung, unter der ich diesen Film machen durfte… Dass das Wort „Jude“ in diesem Film nicht fällt.“ (Michail Romm)

So soll sich der Regisseur nach einer Filmvorführung 1966 in West-Berlin privat geäußert haben, nachdem ein Zuschauer in der anschließenden Diskussion darauf hinwies, dass der tragende Kommentar im Film die Darstellung der Shoah fast vollkommen übergangen und entstellt hätte. Bilder von den Massenexekutionen in Liepaja und L‘vov, den Deportationen und den Vernichtungslagern Majdanek und Auschwitz hatte Romm zwar ausführlich gezeigt, die Hauptopfer und Motivation dieser nationalsozialistischen Verbrechen jedoch nahezu vollständig verschwiegen. Teilweise könnte man aber auch von vorsätzlicher Bildmanipulation sprechen. Mit der Darstellung faschistischer Alltagskultur, den Massenveranstaltungen, sowie der Kunst und Kultur des „Dritten Reichs“ dem Äußerlichen verhaftet, bot der Film zugleich auch eine antitotalitäre Tendenz. So wurde der Film nach seinem einmaligen internationalen Erfolg auch mit einem de facto-Verbot belegt und schon 1967 wieder aus dem Verleih genommen. Der Film könne, so eine Aktennotiz des Leiters der Hauptverwaltung Film im DDR-Ministerium für Kultur aus dem Jahr 1977, aufgrund der „subjektiven Betrachtung und nicht genügend tiefen Darstellung der gesellschaftlichen Ursachen des Faschismus … vom Zuschauer fehlinterpretiert werden (vor allem in Hinblick auf äußerlich ähnliche Veranstaltungen auch unter sozialistischen Verhältnissen).“ In einer Kritik an der fehlenden Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus lag diese Verfahrensweise wohl nicht begründet.
Diese kurze Einführung wurde angeregt durch einen Text von Lilia Antipow aus „Glückssuchende? Conditio Judaica im sowjetischen Film“.

Zum gewöhnlichen Faschisten degradiert: Deutscher Wehrmachts-
offizier ohne Hakenkreuz | © Mosfilm


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