Archiv für Dezember 2015

Stalin hat uns das Herz gebrochen

Dokumentation – 53 min., D 2000
Ein Film von Eduard Erne und Minka Pradelski

Deutschland 1945: Das Land zerstört, befreit. Im Exil verstreut in der ganzen Welt von Mexiko bis Palästina warten Sozialdemokraten und Kommunisten, die vor Hitler geflohen waren, auf die Rückkehr – um einen Traum zu verwirklichen: ein besseres, ein friedliches, ein demokratisches, ein sozialistisches Deutschland.“

Nun, dieser Prolog ist geeignet, einem, noch bevor der Film richtig begonnen hat, die Laune zu verderben. Andererseits steht er symptomatisch für das geistige Unvermögen vieler Linker, auf das Wesen des Staates zu reflektieren – damals wie heute. Der Prolog ist also insofern wahr, als dass er dem Selbstverständnis der im Film Porträtierten entspricht. Das Misstrauen, was den Kommunisten, die die Nazibarbarei in der westlichen Emigration überlebt hatten und nach dem Krieg nach Deutschland zurückgekehrt sind, entgegenschlug, war für viele ein Schock; aus heutiger Perspektive gleichwohl nur ein Vorzeichen noch Schlimmerem: einer antisemitischen Säuberungswelle in den Kommunistischen Parteien Osteuropas. Im Film geht es zuvorderst um den nach dem bewährten Muster der Moskauer Prozesse in Ungarn abgehaltenen Rajk-Prozess und in der Folge um die Säuberung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) von zumeist missliebigen Exilanten, die auch schon mal als „Feinde des Deutschen Volkes“ bezeichnet wurden – nun zum zweiten Mal nach dem NS. Während des Slańsky-Prozesses in der Tschechoslowakei wurde der Antisemitismus noch deutlicher. Seine semantische Verschleierung als „Antizionismus“ ist von ungebrochener Aktualität. In der Folge stieg der Druck auf jüdische Parteimitglieder auch in der SED. Stalins Tod kam einem Schauprozess in der DDR jedoch zuvor; eine vollständige Rehabilitierung der von den stalinistischen Verfolgungen Betroffenen gab es dennoch bis zum Ende der DDR nicht, wofür sicherlich auch der nunmehr latente Antisemitismus verantwortlich war.
Wir danken dem AK „Stalin hat uns das Herz gebrochen“ der NFJ Berlin für den Vortrag zum Film, erinnern mit Bini Adamczak an das Schicksal der in die Sowjetunion emigrierten Kommunisten und schließen mit einem ohne jeden Zweifel berechtigten: Nie wieder Deutschland!

© NDR

Der Mann hinter Adenauer – Hans Maria Globke

Dokumentation – 44 min., D 2008
Ein Film von Jürgen Bevers und Bernhard Pfletschinger

Ein deutsche Karriere: Hans Maria Globke – Katholik, Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, die „graue Eminenz“ Adenauers. Margarete Mitscherlich charaktisiert ihn im Film (und in dem zusammen mit ihrem Ehemann verfassten Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ [1967]) als „ein[en] für jedes System taugliche[n] Mensch[en].“ Man muss hier hinzufügen: Solange es nur gegen den gottlosen Kommunismus (oder: „Jüdischen Bolschewismus“) ging. Der Film thematisiert dann auch die Verquickung von Antikommunismus, Antisemitismus und Katholizismus, die den nahtlosen Übergang vieler Nazis in die junge Bundesrepublik unter Adenauer erleichterte. Als „Spinne im Netz“ wird der „äußerst effiziente Kollaborateur“ Globke im Film zudem charaktisiert: Alles ging über seinen Schreibtisch, nichts ging ohne ihn. So war er maßgeblich für den Kontakt zur Organisation Gehlen zuständig, vormals „Abteilung Fremde Heere Ost“, die dann im BND aufging. Das gemeinsame Feindbild Kommunismus ließ das Misstrauen der US-Administration gegenüber Globke und gegenüber einem neuem deutschem Geheimdienst zunehmend in den Hintergrund treten, Adenauer konnte sich in der Causa Globke durchsetzen. „Causa“ – so auch Globkes Deckname bei der CIA – war ebenso Thema im Vorfeld des Eichmann-Prozesses, wovon der ebenfalls im Film zu Wort kommende Reinhard M. Strecker zu berichten weiß.

Schrieb Globke den ersten Kommentar und die Ausführungsver-
ordnungen für: Die Nürnberger Rassegesetze | © Bernhard Pflet-
schinger Filmproduktion Köln, Arte und WDR