[Wie erinnern?] Kein Friede den Frevlern

Dokumentation – 40 Min., D 2011
Ein Film von Mikko Linnemann

Irgendwo in mir war immer noch der unverwüstliche Glaube, dass bei der Abrechnung, wenn die Frevler zu Kreuze kriechen und um Gnade betteln würden, diese Beobachtungen mit in die Waagschale geworfen werden könnten.“

Diese Hoffnung Leon Szalets, die er kurze Zeit, nachdem er seinem beschlossenen Tod im KZ Sachsenhausen entronnen war, formulierte, ist im Wesentlichen uneingelöst geblieben. Die Sprache, in der er seinen noch frischen Erinnerungen Gestalt verleiht, ist dicht. Wie dem Geschilderten erinnern? Mikko Linnemann entschloss sich den Ort des Geschehens, 70 Jahre nachdem Leon Szalet und all die anderen dort mit einer Bestialität gequält wurden, die sich der sprachlichen Vermittlung entzieht, aufzusuchen und zu filmen. Zu filmen und das Gefilmte mit den Schilderungen Szalets zu unterlegen. Wir sehen eine friedliche, sommerliche Kleinstadt im Norden Berlins, ungetrübt von der Vergangenheit: frisch renovierte Fassaden, tadelloser Asphalt. Tadellos auch der „authentische Ort“ der KZ-Gedenkstätte, Maler am Werk, Rekonstruktionen. Das „schönste KZ Deutschlands“ (so der Architekt) hat schon damals nicht mit Ordnung und Fehlerlosigkeit gespart: Blumenbeete soweit das Auge reichte, eine damals wie heute idyllische und ordentliche SS-Siedlung nebenan. Beim Filmen des nach wie vor von der Bauindustrie genutzten Klinkerwerks, fährt ein weißes Boot, mit tadellosen, in hellem Lichte scheinenden Menschen durch das Bild. Deutschland, 70 Jahre danach.

Sachsenhausen
© Gegenfeuer Produktionen


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