Archiv für März 2016

Menschenrechte, ein ewiger Kampf

Dokumentation – 53 min., F 2009
Ein Film von Caroline Fourest und Flammetta Venner

Doc en stock-Produktion zur Entstehung, Zusammensetzung und Arbeitsweise des UN-Menschenrechtsrates (UNHRC) unmittelbar vor der Neuauflage der berüchtigten Durban-Konferenz in Genf. Wenn auch sehr vorsichtig und zuweilen nebulös verstehen es die Filmemacherinnen ihrer kritischen Betrachtung eines Gremiums, das in seiner Mehrheit der Durchsetzung von Menschenrechten, Demokratie und Säkularismus feindlich gegenübersteht, einen treffenden Rahmen zu geben: Das die meisten Teilnehmerstaaten einigende Moment der obsessiven Beschäftigung mit vermeintlichen Menschenrechtsverletzungen durch Israel. Anschaulich brächte dies auch ein kleiner Clip des World Jewish Congress zum Ausdruck. Wobei sich diese Fokussierung bis heute noch deutlich verschärft hat. Letztlich müssten beim konstatierten Elend der Vereinten Nationen das hilflos wirkende Plädoyer des Films zur Diskussion gestellt und eher deutlichere Formen von Gegenwehr entwickelt werden.

Müssten doch zufrieden sein: „Heiliger Stuhl“ und „Staat Palästina“
mit Beobachterstatus in Genf | © Doc en stock, Arte France

Kampfplatz Kino

Ausgehend von den Ereignissen am 04.03.2016 um das Berliner Kino Moviemento, als es parallel zu einer Filmvorführung im Rahmen der Israeli Apartheid Week erwartbar zu antisemitischen Anfeindungen gekommen war, möchten wir hier nur in gewohnter Kürze auf den sehr lesenswerten Beitrag „Kampfplatz Kino – Filme als Gegenstand politischer Gewalt in der Bundesrepublik“ von Tobias Ebbrecht-Hartmann hinweisen. Unter anderem greift der Autor darin die „antizionistischen“ Aktionen der Revolutionären Zellen gegen den Film „Victory at Entebbe“ sowie die des Internationalen Zentrums B5 gegen den Film „Warum Israel“ auf. Zur Illustration und Einstimmung auf den Text lag natürlich die folgende Szene nahe…

Geh und Sieh

Spielfilm – 146 min., SU 1985
Buch/Regie: Ales Adamowitch, Elem Klimow

Spielfilm zum deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Der Film setzt den Akzent auf die albtraumhafte Bebilderung des Terrors und der Gräuel, die deutsche Mordkommandos hunderttausendfach an der Zivilbevölkerung Weissrusslands verübten. Auf sprachlicher Ebene dagegen bleibt der Film sehr zurückhaltend, ebenso in seiner Analyse des Nationalsozialismus als rassistisches und antisemitisches Programm. Die Flugzettelszene, in der die deutsche Feindbestimmung („Juden-Bolschewisten“) ausgedrückt wird, dürfte wohl auch noch im Jahr 1985 haarscharf an sowjetischen Zensurmaßnahmen vorbeigegangen sein. Passend zum Thema ist auch eine jüngere Dokumentation über den damaligen Generalkommissar für Weißruthenien Wilhelm Kube bzw. die Einbindung der Zivilverwaltungen der besetzten Gebiete in den Holocaust.

[Wie erinnern?] Die Erde von Treblinka

Dokumentation – 23 Min., D 2013
Ein Film von Mikko Linnemann

Die Kamera ist auf den Boden gerichtet, man sieht Beine und Schuhe, die sich auf einer gepflasterten Straße fortbewegen: so beginnt der zweite Film aus der Reihe Wie erinnern? : Die Erde von Treblinka. Als nächstes bleibt die Kamera jeweils einige Sekunden auf einigen der Granitblöcken hängen, die um das zentrale Monument des Mahnmals in Treblinka herum angeordnet sind. Sie tragen die Namen der Herkunftsorte der Menschen, die von den Deutschen an diesem Ort ermordet worden sind: Unbekannte polnische Namen, kleine jüdische Schtetl, in der Erinnerung an den Holocaust kaum präsent. Unterbrochen werden die Schwarz-Weiß-Aufnahmen immer wieder durch eingeblendete Zitate von Wassili Grossman; Schilderungen dessen, was der sowjetische Kriegsberichterstatter Grossman im September 1944 in Treblinka zu Gesicht bekam. Aus seinem Bericht „Die Hölle von Treblinka“ wurde bei den Nürnberger Prozessen zitiert. Weitere Zeugnisse, die Grossman und die anderen Mitglieder des Jüdischen Antifaschistischen Komitees über die Shoah gesammelt hatten, konnten später in der Sowjetunion nicht erscheinen. Zur tragischen Geschichte des JAFK empfehlen wir das Rotbuch von Arno Lustiger. Von jedem Vergleich des sowjetischen Antisemitismus mit dem deutschen Vernichtungsantisemitismus, der in ein Treblinka mündete, nimmt er dort in aller Entschiedenheit Abstand.

Treblinka
© Gegenfeuer Produktionen