Archiv für April 2016

Un vie de lutte – Der Kampf geht weiter

Dokumentation – 31 min., D 2015
Ein Film der North-East Antifa

+++ Da hier über den „alternativen“ Anzeigenteil von blogsport.de gerade eine Spendenkampagne der NEA für ein weiteres Filmprojekt läuft, setzen wir gern unseren, nun etwas überarbeiteten Beitrag wieder nach oben – und ergänzen um einen Artikel von Alex Feuerherdt, der einen aktuellen Vorfall während der ‚Nuit debout‘-Demonstration am 17.04.2016 aufgreift. +++

Kurze Dokumentation zum Mord an dem Antifaschisten Clément Méric, zum Rechtsruck in Frankreich, der seine Manifestation vor allem in der Bewegung gegen die ‚marriage pour tous‘ und dem Erstarken des Front National erfahren hat sowie zu aktuellen antifaschistischen Kämpfen und Projekten in Paris. Der Film beschreibt in einem kurzen Überblick die politische Entwicklung der letzten Jahre und den Zustand der antifaschistischen Bewegung aus Sicht von AFA Paris-Banlieue, des Quartiers Libres, des Journalisten Bernhard Schmid und anderen. Interviewpartner wie Filmemacher legen hier allerdings selbst ungewollt einige ihrer Widersprüche offen, wobei die Ästhetisierung männlicher Domänen (Fussball, Demonstrationen, HipHop) anscheinend mit dem Gendern der Untertitel ebenso gut zusammengeht wie eine pauschale und ausschließliche „Kritik“ des Antisemitismus der Rechten mit den eigenen Solidaritätsbekundungen für das antisemitische Projekt „Palästinensischer Befreiungskampf“. Worin sich das konkrete Engagement gegen Antisemitismus ausdrückt, verrät der Film nicht. Dabei ist dies gerade im Fall von Quartiers Libres doch sehr offensichtlich. Aber auch auf der Internetseite der North-East Antifa wird, bei aller Rhetorik, klar, wer und was für sie im Nahost-Konflikt das eigentliche Problem darstellt.

Wollen keine U-Bahn bauen: Antifa-Hooligans und palästinasolida-
rische `Recht auf Heimat`-Bewegte feiern ihren Verein MFC 1871
| © NEA

Der Prozess von Budapest

Dokumentation – 94 min., HU 2013
Ein Film von Eszter Hajdú

Ganz ehrlich? Er hasste die Zigeuner nicht mehr als jeder andere auch.“ ( anonyme Zeugin)

Bereits im Jahr 2012 erweckte Bence Fliegaufs Spielfilm „Just the Wind“ auf beeindruckende Weise internationale Aufmerksamkeit für die 2008 bis 2009 verübte Mordserie an ungarischen Roma sowie deren prekäre Lebenssituation. Der hier vorliegende Dokumentarfilm zum über 2-jährigen Prozess gegen ungarische Neonazis, die diese Morde verübt haben, steht dem nicht nach. Das Beeindruckende dieses Films liegt nicht nur darin, dass es hier im nüchternen Stil des Dokumentarischen gelingt, nur anhand der Aussagen der Prozessbeteiligten und ohne Konsultation kritischer Beobachter der Situation in Ungarn, die erschreckende Dimension des Antiziganismus der Mehrheitsgesellschaft deutlich herauszuarbeiten. In der klaustrophobischen Szenerie des Gerichtsaals verdichtet sich die Bedrohung der Roma auf das Äußerste. Weiterführendes ist dem Mitschnitt der Veranstaltung „Inside NSU“ zu entnehmen, wo nach der Filmvorführung auch die Regisseurin Eszter Hajdú sowie die Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky ausführlicher zu Wort gekommen sind. Die darin angekündigte Veröffentlichung von Magdalena Marsovszky mit dem Titel „Verfolger und Verfolgte – Antiziganismus in Ungarn“ sei an dieser Stelle als Überblicksdarstellung ausdrücklich empfohlen.

© Miradouro Media, rbb, Perfekt Shot Films

Der „Rebell“ – Neonazi, Terrorist, Aussteiger

Dokumentation – 90 min., D 2005
Ein Film von Jan Peter

Also deutschnational, diesen guten deutschen Grundzug, den hat er gezeigt und da war ich nicht abgeneigt, wenn er den durchsetzt und umsetzt.“ (Eberhard Böttcher – Oberstleutnant a.D. der DDR-Staatssicherheit)

Das Lob galt dem ehemaligen Rechtsterroristen Odfried Hepp, der seit 1982 als Mitglied der „Hepp-Kexel-Gruppe“ wegen einer Anschlagsserie auf US-Soldaten in der BRD zur Fahndung ausgeschrieben war und daraufhin in der DDR Unterschlupf gefunden hatte. Das MfS nahm sich seiner Person und Informationen an, stattete ihn mit einem bundesrepublikanischen Reisepass aus, mit dem er dann im Nahen Osten zur palästinensischen Terrororganisation PLF stieß, für die er in Europa Strukturen aufbauen sollte. Auf die sich anknüpfende Frage nach den Motiven der Zusammenarbeit zwischen MfS und Hepp geben die Berichte der Interviewten nur vage Auskunft; zufriedenstellend geklärt wird sie nicht. Auch weil sich der Filmemacher der banalen Suche nach dem verborgenen „Mensch“ hinter dem Neonazi hingibt und ihn und die weiteren Akteure einfach erzählen lässt, ohne aktiv nachzuhaken. Dabei leidet der ganze Film an einer erstaunlichen Begriffsarmut. Samuel Salzborns jüngst erschienene Studie „Die Stasi und der westdeutsche Rechtsterrorismus. Drei Fallstudien“ benennt die ideologischen Schnittmengen zwischen der „antifaschistischen“ DDR und Odfried Hepp dagegen sehr direkt und kommt zu dem Schluss: „Das MfS empfand offensichtlich nicht den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus als zentral, sondern in Fällen, die opportun erschienen und bei denen man aufgrund des eigenen Antisemitismus und des eigenen Antiamerikanismus hohe weltanschauliche Übereinstimmungen zu den westdeutschen Nazi-Terroristen ausmachte, wurde sogar über Jahre hinweg der Rechtsterrorismus aktiv unterstützt.“ Und Hepp wiederum war darüber hinaus von den Menschen der DDR begeistert und fasziniert von der Gesellschaft, die seiner Vorstellung von Volksgemeinschaft recht nahe kam. Von einer Nähe, die der Aussteiger Hepp seinen Opfern gegenüber entwickelt haben könnte, ist im Film dagegen deutlich weniger zu spüren.

Der „Rebell“ Hepp setzt sich in Szene | © Arte, SWR, Le Vision

Schwarzfahrer

Kurzfilm – 10 min., D 1992
Film von Pepe Danquart

Engagierter wie naiver Kurzfilm zu Alltagsrassismus und „schweigender Mehrheit“ in Deutschland. Als verstünden sich solch arg polternde Rassistinnen nicht instinktiv als Verkünderinnen der Volksmeinung, wird hier den Mitreisenden so etwas wie eine, wenn auch bedrohlich wirkende Gleichgültigkeit, ein Nichtverhalten oder Mangel an „Zivilcourage“ unterstellt. Nichts zu spüren vom passiven Konsens – Rassismus wird hier als Altnazimarotte verharmlost. Schon der humorige Plot des Films hätte angesichts des im Jahr zuvor getöteten ehemaligen DDR-Vertragsarbeiters Jorge Gomondai in einer Dresdner Straßenbahn einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen müssen. In der Rückschau auf mehr als 25 Jahre Mord und Totschlag jedenfalls allemal. Und auch wenn man dem Film die rebellische Geste zugutehalten kann: Wie später die Lichterketten appelliert „Schwarzfahrer“ ohne Argument vor allem an das schlechte Gewissen der besseren Deutschen. 1994 wurde er in der Kategorie Kurzfilm mit einem Oscar ausgezeichnet. Und darauf darf man dann doch wirklich mal stolz sein, hm?

Der Rassismus als Altnazimarotte in Schwarzweiß | © Trans-Film

Malmö – Kein Hafen der Hoffnung

Wie aus einem aktuellen Interview Karl Pfeifers mit dem Historiker Günther Jikeli für die Jungle World hervorgeht, scheint sich die Jüdische Gemeinde in Malmö in wenigen Jahren aufzulösen. Denn die schwedische Stadt, die für Überlebende der Shoah ( ohne sich über die zweifelhafte Neutralität Schwedens gegenüber dem NS hinwegtäuschen zu wollen), einmal als Hafen der Hoffnung galt, hat seit Jahren ein massives Problem mit dem Antisemitismus. Wer das nicht wahrhaben will, darf sich gern einem Selbsttest unterziehen, dabei jedoch den grassierenden Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Phänomen Schwedens nicht aus den Augen verlieren. Befeuert wurde diese Entwicklung auch durch eine Außenpolitik, die in ihrer antiisraelischen Ausrichtung in der EU eine Vorreiterrolle einzunehmen versucht. Der Beitrag war Teil des ARD-europamagazins vom 28.03.2010.

ORF betreibt Propaganda gegen Israel

Reportage – 30 min., A 2016
Regie: Bernhard Kriwanek/ Christian Rathner

Anfang des Jahres 2016 trumpfte der österreichische TV-Sender ORF durch einen 30-minütigen Beitrag aus der Reihe „Orientierung“ mit einem antiisraelischen Meisterstück auf. Dabei lässt die unter dem Titel „Palästina – Hoffnung trotz allem“ ausgestrahlte Sendung, wiewohl sie im Trend liegt, an diffamierender Einseitigkeit gegenüber Israel so wenig zu wünschen übrig, dass sich Florian Markl und Alexander Gruber dankenswerterweise sehr intensiv mit dieser Reportage auseinandergesetzt und zeitnah auf mena-watch ein 12-seitiges Dossier veröffentlicht haben.

Die Mauer als Sakrileg: IDF-“Soldaten sind Mörder!“ im heiligen
Land des ORF – Nur „wer frei von Sünde ist, …“ | © ORF