Der „Rebell“ – Neonazi, Terrorist, Aussteiger

Dokumentation – 90 min., D 2005
Ein Film von Jan Peter

Also deutschnational, diesen guten deutschen Grundzug, den hat er gezeigt und da war ich nicht abgeneigt, wenn er den durchsetzt und umsetzt.“ (Eberhard Böttcher – Oberstleutnant a.D. der DDR-Staatssicherheit)

Das Lob galt dem ehemaligen Rechtsterroristen Odfried Hepp, der seit 1982 als Mitglied der „Hepp-Kexel-Gruppe“ wegen einer Anschlagsserie auf US-Soldaten in der BRD zur Fahndung ausgeschrieben war und daraufhin in der DDR Unterschlupf gefunden hatte. Das MfS nahm sich seiner Person und Informationen an, stattete ihn mit einem bundesrepublikanischen Reisepass aus, mit dem er dann im Nahen Osten zur palästinensischen Terrororganisation PLF stieß, für die er in Europa Strukturen aufbauen sollte. Auf die sich anknüpfende Frage nach den Motiven der Zusammenarbeit zwischen MfS und Hepp geben die Berichte der Interviewten nur vage Auskunft; zufriedenstellend geklärt wird sie nicht. Auch weil sich der Filmemacher der banalen Suche nach dem verborgenen „Mensch“ hinter dem Neonazi hingibt und ihn und die weiteren Akteure einfach erzählen lässt, ohne aktiv nachzuhaken. Dabei leidet der ganze Film an einer erstaunlichen Begriffsarmut. Samuel Salzborns jüngst erschienene Studie „Die Stasi und der westdeutsche Rechtsterrorismus. Drei Fallstudien“ benennt die ideologischen Schnittmengen zwischen der „antifaschistischen“ DDR und Odfried Hepp dagegen sehr direkt und kommt zu dem Schluss: „Das MfS empfand offensichtlich nicht den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus als zentral, sondern in Fällen, die opportun erschienen und bei denen man aufgrund des eigenen Antisemitismus und des eigenen Antiamerikanismus hohe weltanschauliche Übereinstimmungen zu den westdeutschen Nazi-Terroristen ausmachte, wurde sogar über Jahre hinweg der Rechtsterrorismus aktiv unterstützt.“ Und Hepp wiederum war darüber hinaus von den Menschen der DDR begeistert und fasziniert von der Gesellschaft, die seiner Vorstellung von Volksgemeinschaft recht nahe kam. Von einer Nähe, die der Aussteiger Hepp seinen Opfern gegenüber entwickelt haben könnte, ist im Film dagegen deutlich weniger zu spüren.

Der „Rebell“ Hepp setzt sich in Szene | © Arte, SWR, Le Vision


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