Archiv für Juni 2016

„Inspiring adress by Pres. Abbas“

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas wärmt vor dem Europäischen Parlament am 23. Juni 2016 den antisemitischen Evergreen „Juden vergiften Brunnen“ auf und… kriegt dafür Standing Ovations. Mittlerweile ist er etwas zurückgerudert – es gab doch Gegenwind – auch wenn man davon hierzulande nichts mitbekommen hat. Parlamentspräsident Martin Schulz findet die Rede bis heute „inspiring“. Man darf auf seine nächste Rede vor der Knesset gespannt sein. Zu weiteren Lektüre sei ihm die Abschlussarbeit von Dr. Abbas empfohlen. Sie trägt den Titel: „Die andere Seite: Die geheimen Verbindungen zwischen Nazismus und Zionismus”

Nachtrag: Am 29.6. wurde ein dreizehnjähriges jüdisches Mädchen im Schlaf erstochen. Reaktion der Hamas? Geschenkt. Reaktion der Fatah, deren Vorsitzender „inspiring“ Abbas ist? Umgehende Erklärung des Mörders zum Shadid, zum Märtyrer.

Munich ’72 and Beyond

Dokumentation – USA 2016
Ein Film von Steve Ungerleider, u.a.

Seinen Namen trägt ein Putsch,
eine Räterepublik,
ein Blutbad und ein Schandvertrag
der Weltpolitik.“ (Munich – Die Goldenen Zitronen)

Mit dem Olympia-Attentat von 1972 haben sich in der Vergangenheit schon einige Filme beschäftigt, wobei die oscargekrönte Dokumentation „One Day in September“ sowie Steven Spielbergs kontroverser Politthriller „München“ am bekanntesten sein dürften. Wie den Vorankündigungen zum 2016 anlaufenden Film zu entnehmen ist, wird in „Munich ’72 and Beyond“ auf das Massaker und den Tatverlauf eine neue Perspektive eröffnet: die der Opfer und Hinterbliebenden, ihr Kampf um Erinnerung sowie die Brutalität der Geiselnehmer. Der durchaus wichtige Kampf um Erinnerung, der letztendlich auch in die Errichtung einer Gedenkstätte münden wird, trifft sich dabei aber leider zu gut mit der deutschen Manie, die liebgewonnenen toten Juden aus- oder ihnen gar noch nachzustellen. Dem lebenden Juden, oder was man in München wie anderswo dafür hält, begegnet man dagegen weiterhin mit erhobenem Zeigefinger fast einhellig feindlich. Und das am Gedenk-Projekt beteiligte IOC, welches 1995 bedenkenlos „Palästina“ als Mitglied aufnahm, hält gegenüber Israel seit Jahrzehnten an ihrem Credo „The Games must go on!“ fest: Eine offizielle Gedenkminute zur Eröffnungsfeier, wie von Israel und den Hinterbliebenden gefordert, wird es auch in Rio 2016 nicht geben. Das wäre ja auch ein Affront gegen arabische und muslimische Mitgliedsstaaten. Für den Präsidenten des Palästinensischen Olympischen Komitees Jibril Rajoub, der sich weniger der olympischen Idee als vielmehr dem „Volkssport Judenmord“ verpflichtet fühlt, wäre die Schweigeminute schlicht „rassistisch“. In der Logik eines Antisemiten ist das verständlich. Aber dass auch das im Film zur Sprache kommen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Nachtrag: Ob die gern in der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“ weilende „Goldene Zitrone“ Schorsch Kamerun ihre geistige Blockade aufgegeben oder sich auch der Bewertung Jibril Rajoubs angeschlossen hat, ist uns nicht bekannt… Aber für den Kauf einer Eintrittskarte wirds ja wohl noch reichen!

Hydra (Tatort 931)

Spielfilm – 90 min., D 2015
Buch/Regie: Jürgen Werner/Nicole Weegmann

Ja, wer ist hier gegen den Globalisierungswahn, hm? Wer findet es scheiße, wie Brüssel uns reglementiert, z.B.? Oder dass überall die kleinen Läden kaputtgehen, weil sich die globalen Ketten breitmachen? Oder dass es kaum noch bezahlbaren Wohnraum gibt? Wer ist für mehr Kitas, für mehr Schulen, hm? Ja wir sind alles kleine Nazis!“ (Kommissar Faber )

Dass sich ein Spiegel Online-Kulturredakteur daran stört, dass im vorliegenden Tatort-Krimi nicht eindeutig „die Bösen“ benannt werden, ist zwar auf dem Niveau von FSK 0, wird aber als Abwehrreaktion auf die Zuweisung im obigen Zitat leicht nachvollziehbar. Und dass es in einem Tatort, der sich mit Nazis beschäftigt, auch nicht immer so holzschnittartig und dumpfbackig zugehen muss, wie bei dem von jenem Redakteur gerühmten Titel „Odins Rache“, zeigt diese Folge aus dem letzten Jahr:
Der Tatort ist ein erloschener deutscher Hochofen der absteigenden Industriemetropole Dortmund. Wahrscheinlich gibt es hier dank globalisiertem Finanzkapital keinen guten, harten Kruppstahl mehr – neben wenigen „Aufrechten“ nur noch Arbeitslose und ’ne deutsche Leiche. Der Mordverdacht fällt bei Nazis wie auch bei den Ermittlern sofort auf „die Jüdin“. Denn, wie unserer pimpfiger Kommissar Kossik feststellt: „… sie hat ein Motiv, ein viel zu schwaches Alibi und die Fähigkeiten [als ehemalige Wehrpflichtige der IDF in Gaza!], einen derartigen Mord durchzuziehen. Aber als Jude, ja, ‚tschuldigung, Person jüdischen Glaubens, da hat man hierzulande so etwas wie einen diplomatischen Status. Da kannst du koksen, Zwangsprostituierte vögeln und bist in den Talkshows der Nation immer noch die moralische Instanz.“ Unser kommissarischer Nachwuchsantisemit wird aber ausgebremst, die Ermittlungen gehen bald in Richtung Nazimilieu. Eigentlich ist er auch nur angepisst, weil Kommissarin „Ex“ ihm kein Kind schenken wollte. Und bald wird er unter Druck gesetzt, weil sich seine eigene Sippschaft für die Nachbarschaft national-sozial engagiert. Fiese Sache, aber da ist man doch nicht gleich ein Nazi. Er will ja kein Mutterkreuz fürs geliebte Weib und findet noch nicht einmal „die Autobahn“ gut! Angepisst sind daneben auch andere Kommissare: Anstatt sich anspucken zu lassen und Steuergelder für therapiebedürftige „Ausländer“ zu opfern, würden sie ihre Fälle am liebsten gleich wie KKK-Pyromanen durch Einsatz eines „Flammenwerfers“ lösen. Und schließlich tappelt auf diesem ganzen nationalsozialistischen Untergrund im Präsidium auch noch eine „Ratte“ herum… Der ganz normale deutsche Wahnsinn eben! Unter passendem Titel!

Weg mit dem diplomatischen Status!: „Die Jüdin“ hat ein Motiv
und die Fähigkeit, einen derartigen Mord durchzuziehen | © ARD

Soon again: Innerer Reichsparteitag

Das kann doch nicht wahr sein. Hat’s so etwas wirklich gegeben, Trainer?“ (Mario Basler in Yad Vashem)

So unwissend wie damals Nationalspieler Mario Basler tat, als er dies 1997 nach dem Besuch der Nationalmannschaft in Yad Vashem seinen Trainer Bertie Voigts fragte, sind die Deutschen natürlich nie gewesen. Im Gegenteil erinnern sie sich bis heute sehr gern an historische Begegnungen ihrer Auswahl, wissen erlösende Tore als „inneren Reichsparteitag“ zu feiern ( oder lassen sich feiern!) und lernen recht bald nach Titelgewinn wieder ihren aufrechten Gang ergo die rassistische Sau rauszulassen. Gegenüber regelmäßigen „Sieg“-Rufen sowie deutsch-nationalem Hirnschiss kann man nicht mal mehr mit passenden Gesten kontern – zumal die legendäre Attacke Rijkaards gegen das Schwarz-Rot-Goldlöckchen Rudi Völler im Jahr 1990 auch anders intendiert war als man es sich gewünscht hätte. Nein, gegen tiefbraunen Dreck helfen weder Spucke noch Klopapier! Und auch kein Vorrundenaus! Einzig Aufklärung hilft, vielleicht mit etwas mehr Abstand, wenn nötig gern auch „ultra violent“! Wie auch immer…

Das Mädchen Marion – Preis der Nationen

Spielfilm – 88 min., BRD 1956
Film von Felix Lützgendorf und Wolfgang Schleif

Carl Raddatz, Winnie Markus und Brigitte Grothum spielen die Hauptrollen in diesem gefühlvollen Melodram aus dem Jahr 1956.“ ( 3Sat-Filmbesprechung von 2010)

Was kommt heraus, wenn der Cutter des antisemitischen Hetzfilms „Jud Süß“ sowie des Durchhaltefilms „Kolberg“ mit einem ehemaligen Kriegsberichterstatter der Leibstandarte SS Adolf Hitler zusammentrifft und im Nachkriegsdeutschland einen Film dreht? Ein echter deutscher Rassefilm! Und wenn dieser Film dann vielleicht noch auf dem „Mitteldeutschen Rundfunk“ ausgestrahlt wird, kann man vermuten, worum es gehen wird. Denn da, wo es rechts der Mitte nichts mehr gibt, muss folglich irgendetwas fehlen: Nämlich die durch „Flucht und Vertreibung“ verlorengegangenen Ostgebiete.
Hier lag einst auch das kleine ostpreußische Edelgestüt Trakehnen, angestammter Boden einer ganz besonders warmblütigen deutschen Rasse ( wie auch Schoß eines berühmten Sohnes). Die Blutslinie unseres Leithengstes „Prusso“ lässt sich gar direkt auf Wotan zurückverfolgen. Dass er auf dem strapaziösen Treck gen Westen nicht endgültig schlapp macht, liegt an seinem robusten Rassecharakter, denn so ein urdeutsches Zuchtvieh „steht immer wieder auf“. Und wenn es gegen eine Übermacht „nichts mehr zu gewinnen“ gibt, wird zunächst zwar „nicht nur die Heimat, sondern auch das Recht auf die Heimat“ hintangestellt. Aber mit Hilfe des einfachen Volkes und Rückbesinnung auf zünftiges deutsches Hand- und Bauernwerk gelingt auch andernorts ein Neuanfang. Nur gegen die lüsternen Nachstellungen sowie Enteignungen durch nachsetzende Schieber- und Schacherbanden muss deutsches Veterinärwesen das Recht doch noch einmal selbst in die Hand nehmen. Dabei reicht die reine Tierliebe vom Wunsch nach Todesstrafe bis zu „Blondie“. Und während die verwitwete, heimatlose Gutsherrin sich unablässig um den Wiederaufbau bemüht, treibt der zukünftige Gatte die Wiederherstellung der deutschen Haus- und Geschlechterordnung weiter voran. Von da an ist es mit ein wenig „Zuckerbrot und Peitsche“ für unsere rassige deutsche Jugend nur noch ein kurzer Ritt zur nationalen Wiedergeburt: Sie gewinnt den „Preis der Nationen“. Und dabei hat man den „Spanischen Reiter“ wie Franco-Faschisten („… gleiche Fehler, gleiche Zeit!“) ebenso schön stehen lassen wie schon zwei Jahre zuvor die Ungarn beim „Wunder von Bern“.
Und weil uns die Deutschen hier bis heute immer wieder was vom Pferd erzählen, stimmen wir mit der abschließenden Frage auch gleich wieder das alte Lied an: Wo blieb eigentlich die ultimative antideutsche Rosskur?

Nachtrag: Weitere Heimatfilme mit echt deutschem Stallgeruch sind dem Text „Die große Zerstreuung: Heimat-TV im deutschen Geschichtsfernsehen“ von Tobias Ebbrecht-Hartmann zu entnehmen.

Ruhig Brauner, ruhig!: „Das is ’ne starke Rasse. Die stehen immer
wieder auf!“ | © Schorscht Filmverleih GmbH