Munich ’72 and Beyond

Dokumentation – USA 2016
Ein Film von Steve Ungerleider, u.a.

Seinen Namen trägt ein Putsch,
eine Räterepublik,
ein Blutbad und ein Schandvertrag
der Weltpolitik.“ (Munich – Die Goldenen Zitronen)

Mit dem Olympia-Attentat von 1972 haben sich in der Vergangenheit schon einige Filme beschäftigt, wobei die oscargekrönte Dokumentation „One Day in September“ sowie Steven Spielbergs kontroverser Politthriller „München“ am bekanntesten sein dürften. Wie den Vorankündigungen zum 2016 anlaufenden Film zu entnehmen ist, wird in „Munich ’72 and Beyond“ auf das Massaker und den Tatverlauf eine neue Perspektive eröffnet: die der Opfer und Hinterbliebenden, ihr Kampf um Erinnerung sowie die Brutalität der Geiselnehmer. Der durchaus wichtige Kampf um Erinnerung, der letztendlich auch in die Errichtung einer Gedenkstätte münden wird, trifft sich dabei aber leider zu gut mit der deutschen Manie, die liebgewonnenen toten Juden aus- oder ihnen gar noch nachzustellen. Dem lebenden Juden, oder was man in München wie anderswo dafür hält, begegnet man dagegen weiterhin mit erhobenem Zeigefinger fast einhellig feindlich. Und das am Gedenk-Projekt beteiligte IOC, welches 1995 bedenkenlos „Palästina“ als Mitglied aufnahm, hält gegenüber Israel seit Jahrzehnten an ihrem Credo „The Games must go on!“ fest: Eine offizielle Gedenkminute zur Eröffnungsfeier, wie von Israel und den Hinterbliebenden gefordert, wird es auch in Rio 2016 nicht geben. Das wäre ja auch ein Affront gegen arabische und muslimische Mitgliedsstaaten. Für den Präsidenten des Palästinensischen Olympischen Komitees Jibril Rajoub, der sich weniger der olympischen Idee als vielmehr dem „Volkssport Judenmord“ verpflichtet fühlt, wäre die Schweigeminute schlicht „rassistisch“. In der Logik eines Antisemiten ist das verständlich. Aber dass auch das im Film zur Sprache kommen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Nachtrag: Ob die gern in der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“ weilende „Goldene Zitrone“ Schorsch Kamerun ihre geistige Blockade aufgegeben oder sich auch der Bewertung Jibril Rajoubs angeschlossen hat, ist uns nicht bekannt… Aber für den Kauf einer Eintrittskarte wirds ja wohl noch reichen!


1 Antwort auf „Munich ’72 and Beyond“


  1. 1 yoni 20. Juni 2016 um 12:56 Uhr

    Drei Randbemerkungen dazu:

    1. Wie es kommt, dass in den lyrics zu „Munich“ anscheinend mehr Geschichtsbewußtsein steckt als in Schorsch Kamerun? Für die Antwort gibt es ein geflügeltes Wort: „Immer diese Widersprüche“! Da erklärt er auch seinen Filmriss und irgendetwas von „zwei Schuldmaschinen“. Ebenfalls bemerkenswert ist auch die (Bild-)Sprache von „Der Investor“

    2. Es sieht so aus, als würde die zukünftige Gedenkstätte auch an den getöteten Polizisten erinnern. Ob hier einem deutschen Polizisten oder einem dem antisemitischen Wahn ebenfalls zum Opfer gefallenen Menschen gedacht wird, bleibt erst einmal offen. Womit wir beim Stichwort „Deutsche Opfer“ angelangt wären…

    3. Die gescheiterte Olympiabewerbung Münchens für 2018 war insofern interessant, als dass sich hier deutsche Bauern „nicht noch einmal enteignen“ lassen wollten: Während der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen wurde in Vorbereitung auf die nächsten Spiele 1940 großflächig enteignet. Bis heute soll nicht entschädigt worden sein. Ebenfalls interessant: Das Aushängeschild der Bewerbung sollte der Filmemacher und Ausstatter der deutschen Olympioniken Wilhelm Bogner junior sein. Seinen Vater, den SS- und Sportsmann Wilhelm Bogner senior kann man noch in einem IG-Farben-Filmchen zu den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen bewundern… Ski Heil!

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