Archiv für Juli 2016

Black Sunday

Dokumentation – 15 Min., RO 2010
Ein Film von Mihnea Chelariu

Der Film widmet sich dem Pogrom von Iași, bei dem

vom 27. Juni bis zum 3. Juli 1941 […] in Iași und Umgebung Tausende Juden von rumänischen Soldaten und Gendarmen ausgeraubt und erschlagen oder erschossen [wurden], zumeist Männer zwischen 18 und 60 Jahren. Deutsche Offiziere und SS-Mitglieder assistieren beim staatlich organisierten Pogrom. Mehrere tausend Juden werden am Morgen des 30. Juni in zwei „Todeszüge“ gepfercht. Einer fährt nach Călărași in Südrumänien und braucht dafür sechs Tage, einer nach Podu Iloaiei nahe Iași. Insgesamt sterben beim Pogrom von Iași etwa 15.000 Juden. Es ist der Auftakt zum Holocaust in Rumänien.“ (Den vollständigen, sehr lesenswerten Artikel von Keno Verseck gibt es hier.)

Im Film kommen drei Überlebende des Pogroms zu Wort: Iancu Tucarman, Leonard Zeicescu, Leizer Finkelstein. Was sie schildern, hätte der dramatischen Musik und häufigen Schnitte nicht bedurft. Die barbarische Grausamkeit, die Niedertracht, der sie und all die anderen vor 75 Jahren ausgesetzt waren, macht fassungslos.
Die Shoah in Rumänien ist ein nach wie vor kaum beachtetes Thema, vor allem in Rumänien selbst. 2003 wurde eigens eine Kommission unter dem Vorsitz des kürzlich verstorbenen Elie Wiesel ins Leben gerufen, um daran etwas zu ändern. Wiesel, selbst in Rumänien geboren und Auschwitz-Überlebender, wurde 1945 im KZ Buchenwald befreit und wird bis heute für seine Solidarität mit dem jüdischen Staat von Israelhassern geschmäht.


© Princess Media & Romanian Institute of Holocaust Research
„Elie Wiesel“

Erzieht das ZDF zum Hass auf Israel?

In einem am 05.07.2016 ausgestrahlten Beitrag von heute+ mit dem Titel „Erzogen zum Hass?“ hat das ZDF glänzend demonstriert, wie man durch journalistische „Ausgewogenheit“ den Hass auf Israel befeuert. „Wie israelische und palästinensische Kinder dazu gebracht werden sollen, sich gegenseitig zu verachten – und zu töten“ lautete längere Zeit der diffamierende Ankündigungstext. Nach kritischen Interventionen kürzte die Redaktion diese verhetzende Unterstellung gegenüber Israel nur widerwillig und halbherzig, so dass im Ergebnis die im Film sogar sehr ausführlich gezeigte palästinensische Judenmord-Pädagogik in der Beitrags-Ankündigung nun euphemistisch mit dem Wort „verachten“ verharmlost und dem angeblichen Hass der Israelis gleichgestellt wurde. Der Filmbeitrag arbeitet mit ähnlicher Methode: Die durch fast alle Instanzen palästinensischer Sozialisation eingeimpfte Erziehung zum Judenmord wird mit einer angeblich „rassistischen“ Erziehung der Israelis gleichgestellt. Zum Beweis für die israelische Hasspropaganda durfte die „Expertin“ Nurit Peled-Elhanan ein Schulbuch präsentieren, in dem ein „Palästinenser“ und ein Kamel zu sehen sind – was dazu führen soll, dass „israelische Kinder lernen, dass Palästinenser keine Menschen sind, mit denen man in Frieden leben oder gar befreundet sein kann.“ Das Zitat blieb das Schlusswort dieses Ammenmärchens. Vielleicht entwickelt das ZDF eine neue Sendereihe mit dem Titel „Geschichten aus dem 1001-jährigen Reich“? In die deutsche „Moral aus der Geschicht‘“ lässt der Beitrag jedenfalls mal wieder tief blicken.

+++Mittlerweile skandalisiert zwar auch die Bild-Zeitung die Sendung, auf dem Blog „Tapfer im Nirgendwo“ sind die jeweils aktuellen Entwicklungen derzeit aber am besten zu verfolgen.+++

„Unwertes Leben“ on tour

Dokumentation – 30 Min., D 2014
Ein Film des Berliner Vereins Kellerkinder e.V.

Was passiert, wenn Menschen mit seelischen „Hindernissen“ an den Orten der ehemaligen Tötungsanstalten der sog. „Euthanasie“ an die Opfer des hunderttausendfachen Mordes als „lebensunwert“ bezeichneter Menschen im Nationalsozialismus erinnern und sich dabei nicht auf die Zeit bis 1945 beschränken wollen? Wenn sie an die Opfer erinnern und gleichzeitig den Umgang mit diesen Menschen heute skandalisieren wollen? Dann bekommen sie Mails wie diese:

„Wie Sie wissen befindet sich die Gedenkstätte Hadamar auf dem Gelände der Vitos-Kliniken Hadamar. Meine Nachfrage bei der dortigen Geschäftsführung ergab, dass es nicht möglich ist auf dem Klinikgelände die von Ihnen geplanten Aktionen durchzuführen […]. Es handelt sich, wie Sie verstehen werden um ein Klinikgelände mit den entsprechenden Begrenzungen. Aus diesem Grund müssen wir Ihnen leider absagen.“

Die deutsche Erinnerungskultur der 2010er Jahre hat eben auch ihre entsprechenden Begrenzungen. Sich dem Wesen des sog. NS-Krankenmordes zu stellen, würde auch bedeuten, darüber zu sprechen, ob es nicht ganz schön absurd ist, Gedenkstätten zu errichten und nebenan, wie in Grafeneck beispielsweise, Menschen mit „Hindernissen“ in Wohngruppen unterzubringen – kilometerweit entfernt von der nächsten Stadt. Das Unvermögen der Gesellschaft diesen Menschen entsprechend ihrer Bedürfnisse zu begegnen, auch und gerade in den Gedenkstätten, zeigt der Film an einer Stelle besonders krass, wenn einem Mitglied der Gruppe mit eingeschränkter Mobilität gesagt wird, es solle doch durch die ehemalige Garage der grauen Busse hindurch die Gedenkstätte befahren.
Die Perspektive von „potentiell betroffenen“ Menschen auf dieses Thema ist leider nach wie vor eine Seltenheit, weshalb dieser Film so wichtig ist!

Hier kamen die Busse mit den Menschen an, die kurz darauf
in Gaskammern erstickt wurden – heute der Zugang zur Ge-
denkstätte Hadamar für Rollstuhlfahrer | © Maria der Bär
Produktion