Re:Re:Breaking the Silence

Reportage – 30 min., D 2017
Film von Katrin Sandmann und Stephan Lamby

Was würde Deutschland sagen, der Otto Normalverbraucher oder die Regierung, wenn wir Geld investieren würden, 1 Million Euro jedes Jahr, oder alle 2 Jahre, in PEGIDA und sagen würden: „PEGIDA ist eine Organisation, die wir zu schätzen wissen. Ist ja Zivilgesellschaft! Wir wollen auch mal eine andere Stimme hören!“… Bin mir nicht sicher, ob dass gut ankommen würde.“

(Arye Shalicar, Politologe und ehemaliger Pressesprecher der IDF)

Der deutsch-französische Kultursender Arte betreibt derzeit knallharte Programmpolitik: Während der Sender aktuell die Ausstrahlung einer Dokumentation zum Antisemitismus in Europa aus fadenscheinigen Gründen unterbindet, springt er gleichzeitig dem jüngst in Israel abgeblitzten deutschen Außenminister Sigmar Gabriel zur Seite. Dieser hatte, nachdem er selbstverständlich pflichtschuldigst zum Holocaust-Gedenktag in Yad Vashem aufgelaufen war, sich bei seinem Antrittsbesuch letztendlich lieber mit sogenannten „Menschenrechtsorganisationen“ treffen wollen als mit Premierminister Benjamin Netanjahu – und damit nicht nur einen Eklat provoziert, sondern sich noch im Nachhinein als Opfer stilisiert. Arte, ein Sender, bei dem ebenso routinemäßig wie bei Gabriel das Shoah-Gedenken auf dem Programm steht, leistet ihm nun gern propagandistische Schützenhilfe.
Dabei orientieren sich die Filmemacher streng an bewährten Rezepten „Israel-kritischer“ TV-Produktionen: Zunächst braucht es immer einen Juden, der den Israelis Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Rassismus vorwirft. Dann einige Gegenstimmen, die aber argumentativ nicht ins Gewicht fallen dürfen. Weiterhin unschuldige Opfer der Israelis. Und letztendlich einen extrem unsympathischen Juden (am beliebtesten ist derzeit der „Siedler“), der das eigene Ressentiment von der jüdischen Bedrohung eines friedliebenden Volkes (wahlweise des deutschen, des iranischen, hier das des palästinensischen) bestärkt. Fertig.
Arte möchte dagegen nicht darüber berichten, dass die vor allem aus dem Ausland finanzierte israelische Organisation Breaking the Silence äußerst unseriös agiert, auch nicht darüber, dass ihr Mitbegründer Yehuda Shaul vor einiger Zeit noch die mittelalterliche Legende vom jüdischen Giftmischer neu aufgelegt hatte, die Mahmoud Abbas 2016 vor dem EU-Parlament dann zu einer anscheinend auch für Sozialdemokraten „inspirierenden“ Rede verarbeitete. Arte möchte lieber israelische Soldaten zeigen, die Demonstrationen von „Bürgerrechtlern“ behindern, palästinensische Familien in ihren Häusern einsperren, indem sie die Türen verschweißt und damit aus Hebron eine „Geisterstadt“ gemacht haben sollen. Zu B‘Tselem, einer anderen von Gabriel hofierten NGO, schweigt sich die Reportage lieber ganz aus. Muss ja nicht jeder wissen, dass deren Aktivisten Israel als Apartheidstaat diffamieren, einige davon gern schon mal den Holocaust leugnen oder palästinensische „Kollaborateure“ der Todesstrafe zuführen wollten.
Peace Now klingt da schon besser, da denkt man gleich an Blumen und Wind im Haar. Aber dass ein großer Teil der Palästinenser wie auch Gabriels Freund – der demokratisch nicht legitimierte Palästinenserpräsident und Holocaustleugner Mahmoud Abbas – in einem zukünftigen Staat keinen einzigen Juden, also auch keine jüdischen Peace Now-Aktivisten, leben lassen will, ist den Filmemachern keine Silbe wert. Auch nicht, dass der mordlüsternde Antisemitismus vieler Palästinenser nicht erst im Zuge der Staatsgründung oder des 6-Tage-Krieges zum Tragen kam. Das multikulturalistische Arte-Publikum darf auch auf keinen Fall mit dem Fakt belästigt werden, dass in Israel mehr arabische Bürger gut und gerne leben als andersherum Juden in den übrigen Staaten des Nahen Ostens es jemals dürften.
Der manische Fingerzeig selbsternannter „Freunde Israels“ und anderer „Israel-Kritiker“ verweist dabei vor allem auf sie selbst: Israel führt eben keine Kriege, wenn nicht Land und Leute existenziell bedroht sind und Israel betreibt auch keine „Endlösung der Palästinenserfrage“, wie es das taz-Publikum dereinst einmal zu lesen bekam. In Israel gibt es analog zu Deutschland weder einen NSU-Komplex, noch wurden in den letzten Jahren hunderte von Flüchtlingsunterkünften angegriffen. Eine mit Deutschland vergleichbare Situation, in der der parlamentarische Arm einer rassistischen Massenbewegung wie die des PEGIDA-Pöbels die Parlamente erobert, ist in Israel ebenfalls nicht an der Tagesordnung. Und trotzdem gibt es in Israel keine „Deutschland-Kritik“. Auch des grassierenden Antisemitismus wegen nicht.
„Breaking the Silence“ also? Klingt ins Deutsche übersetzt wie das Vermächtnis des ehemaligen Freiwilligen der Waffen-SS Günther Grass. Der Literaturnobelpreisträger hatte um der deutschen Opfer willen über die Shoah zwar nicht viel zu sagen, polterte dafür aber als „Israel-Kritiker“ umso lauter, indem er Israel unterstellte, das iranische Volk ausradieren zu wollen. Als deutscher Kulturschaffender war er dabei ebenso sendungsbewußt wie der „Kultursender“ Arte. Und bekanntlich war auch er ein überzeugter Sozialdemokrat.

Der Günther Grass der deutschen Sozialdemokratie: Antrittsbesuch
des deutschen Außenministers Gabriel bei (anti)israelischen NGOs
| © Arte 2017


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