Algier – Mekka der Revolutionäre

Dokumentation – 56 min., F 2014
Film von Ben Salama

Ich erinnere mich noch gut daran, was Kampfgenossen während der algerischen Revolution sagten: Wir werden nicht sagen können, Algerien sei frei, solange Palästina noch ein besetztes Gebiet ist.“

(Jassir Arafat)

Arte kann es einfach nicht lassen: Nachdem nun schon mehrmals angemerkt worden ist, dass Arte seine Zuschauer lieber mit „Israel-kritischen“ Dokumentationen unterhalten, als über gegenwärtigen Antisemitismus aufklären möchte, hat der Sender einmal mehr „antizionistischer“ Propaganda Raum gegeben und mit „Algier – Mekka der Revolutionäre“ diesmal ein von Pathos triefendes, antiimperialistisches Schmierenstück abgeliefert.
Die Arte-Hommage an die algerische Hauptstadt wird wie folgt angekündigt: „Nach Erringung der Unabhängigkeit im Jahr 1962 unterstützte Algerien bis Mitte der 1970er Jahre weltweit antikolonialistische und revolutionäre Bestrebungen. Die Staatspräsidenten Ahmed Ben Bella und Houari Boumedienne öffneten Algiers Tore für die, die gegen koloniale Unterdrückung und Rassismus kämpften.“ Filmemacher Ben Salama hat dabei die europäischen Kolonialmächte, die USA, das rassistische Apartheid-Regime in Südafrika und – wie sollte es anders sein – auch den Staat Israel in einen großen Topf gerührt und der algerischen Unterstützung des südafrikanischen ANC oder der afro-amerikanischen Black Panther Party deshalb genauso gehuldigt wie der Förderung des palästinensischen „Befreiungskampfs“. Obwohl der Nahost-Konflikt als ein Kampf von vielen im Film nicht besonders herausgestellt wird, lohnt es dennoch, sich den entsprechenden Szenen zu widmen.
Die quälend oberflächliche „Dokumentation“ scheint dabei das Wissen des Zuschauers um den angeblich kolonialistischen und rassistischen Charakter Israels einfach schon vorauszusetzen. Im Falle Israels bedarf es ja wie immer keines Belegs, sondern nur eines vagen ressentimentbehafteten Anstoßes. Vollkommen verkürzt wird daher der Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 denn auch als israelische Aggression dargestellt, damit daraufhin in Algier eine Demonstration mit Parolen wie „Tod dem Imperialismus und Zionismus“ durchs Bild ziehen und die Kriegstreiberei Algeriens gerechtfertigt werden kann. Die 1973 von Algerien handfest unterstützte Vernichtungswut arabischer Staaten gegen Israel im Yom-Kippur-Krieg wird natürlich nicht gezeigt, dafür aber wiederum die herausragende Rolle Algeriens bei der diplomatischen Anerkennung der PLO bei den Vereinten Nationen gewürdigt, wo Judenmörder Jassir Arafat im Jahr 1974 in seiner „Ölzweig-Rede“ den Friedensbotschafter mimen durfte. Der Logik von Israelhassern folgend hätte der Film auch noch erwähnen können, dass Algerien bereits in der Bewegung Bündnisfreier Staaten eine Vorreiterrolle einnahm, wenn es um die internationale Isolierung und Delegitimierung des Staates Israel ging. Die 1975 verabschiedete UN-Resolution 3379 beispielsweise, die infam Zionismus und Rassismus gleichsetzte, folgte dem algerischen Vorsitz der UN-Vollversammlung unmittelbar, hatte jedoch schon zuvor ihre Entsprechung auf einer Konferenz der Bündnisfreien Staaten in Algier gefunden.
Doch für Differenzierungen bleibt im Film weder Zeit noch Raum, denn schließlich gaben sich in Algier Revoluzzer à la couleur sprichwörtlich die Klinke in die Hand. Fallstricke nationaler Befreiung, in Algerien wie anderswo, werden nicht einmal im Ansatz ausgeleuchtet. Ob der spätere notorische Verteidiger von Nazikriegsverbrechern, Holocaustleugnern und Diktatoren Jacques Vergés, der Antisemit und Terrorist Ilyich Ramírez Sánchez, genannt „Carlos“, oder die Fatah Jassir Arafats: Jeder, der im „Mekka der Revolutionäre“ landete, bekommt in diesem Film seinen Ehrenplatz. Den Reigen angeblich fortschrittlicher Befreiungsbewegungen darf dann im Film auch die Japanische Rote Armee abschließen. Arte verschweigt hier, dass diese Terror-Organisation nicht erst durch Hijacking bekannt geworden ist, sondern sich zuvor schon in ganz besonderer Weise für die „Befreiung Palästinas“ eingesetzt hatte. So hatten drei ihrer Mitglieder 1972 einen blutigen Anschlag auf den israelischen Flughafen in Lod verübt und dabei wahllos 24 Menschen ermordet. Wer letzten Endes dann also auch noch diese Mordkommandos als „Rebellen“ gegen „Rassismus und Kolonialherrschaft“ adelt, der scheint endgültig nicht mehr alle Rollen im Archiv zu haben! Da Arte sein Verhältnis zum antiisraelischen Terror anscheinend nicht geklärt hat, bleibt der Sender in dieser Hinsicht vor allem eines: das Mekka antizionistischer Filmemacher. Aber vielleicht fragt Arte bei Ben Salama einfach mal nach, wie er denn selbst diesen krönenden Abschluss seines Films verstanden wissen will?

+++ Die Arte-Pilgerreise ins „Mekka der Revolutionäre“ darf noch bis 24.05.2017 auf der Arte-Mediathek bestaunt werden. Aber schon am 23.05.2017 hat Arte sogar einen ganzen Filmabend im Programm, auf den wir in unseren Ankündigungen unter „Die lange Nacht gegen Israel“ bereits aufmerksam gemacht hatten. Obwohl wir ja dennoch hoffen, damit vielleicht etwas zu viel versprochen zu haben… +++

Keine Liebeserklärung: Bei dieser antiisraelischen Solidaritäts-
Demonstration im Juni 1967 in Algier ging es ganz offensichtlich
um ganz „Palästina“ | © Arte 2014


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