Hebron – Die zerrissene Stadt

Dokumentation – 45 Min., D 2017
Film von Nicola Albrecht

Nachdem die Unesco im vergangenen Jahr bereits jegliche jüdische Verbindung zum Tempelberg geleugnet hatte, setzte sie vor wenigen Tagen die Altstadt Hebrons auf die Liste des gefährdeten palästinensischen Welterbes. Für das deutsche Fernsehpublikum kam diese Entscheidung wenig überraschend, betreiben doch „Israel-kritische“ TV-Produktionen seit jeher eine Delegitimierung israelischer Staatlichkeit, manche völlig offen, andere, so wie „Hebron – Die zerrissene Stadt“, vermeintlich um Ausgewogenheit bemüht und auf eine Besonderheit dieser Staatlichkeit, die jüdischen Siedlungen, abhebend.

Über die einseitige Israel-Berichterstattung des öffentlichen-rechtlichen Fernsehens in Deutschland ist in der Vergangenheit auch auf diesem Blog immer wieder berichtet worden. Die Hoffnung, dass diese eines Tages der Vergangenheit angehören wird, muss nicht zuletzt angesichts des anti-israelischen Trommelfeuers der vergangenen Wochen insbesondere auf Arte, dem Gebaren um die Antisemitismusdoku von Arte und WDR inklusive des Maischberger-Tribunals gedämpft werden. Immer erst müssen pro-israelische Verbände und engagierte Einzelpersonen intervenieren, damit die Verantwortlichen in den Sendern bereit sind, wenigstens die krassesten Fehltritte zu korrigieren. Oft geschieht jedoch nicht einmal das. Die Kommunikation der Sender dabei ist ein Desaster: Der WDR, der allen Ernstes Pressemitteilungen von NGOs als „Faktencheck“ bezeichnet, das ZDF, das in seiner Heute-Sendung zu 50 Jahre Sechstagekrieg wie selbstverständlich von einem israelischen „Blitzkrieg“ spricht und auf kritische Nachfragen nur lapidar antwortet:

„Natürlich ist es in einem kurzen Nachrichtenbeitrag nicht möglich alle historischen Zusammenhänge umfassend, mit allen Facetten darzustellen.“

(E-Mail der ZDF-Zuschauerredaktion an eine engagierte Privatperson vom 26.6.2017)

Dass die Adressaten dieser Israel-Berichterstattung, das deutsche Fernsehpublikum, zu großen Teilen antisemitisch eingestellt sind und dem jüdischen Staat in klassischer Schuldumkehr Nazi-Methoden vorwerfen, nimmt da wenig Wunder. Genauso ist es wenig überraschend, dass sich hierzulande kaum jemand empört, wenn, wie vor wenigen Tagen geschehen, einer der heiligsten Stätten des Judentums, die Höhle des Patriarchen, die Machpela in Hebron, unter den Schutz der Unesco gestellt wird – als ausschließlich palästinensisches Welterbe. Fragwürdige UN-Organisationen und das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland arbeiten dabei mit ganz unterschiedlichen Methoden an ein und derselben Sache – der Delegitimierung israelischer Staatlichkeit.
Am 7. Juni sendete das ZDF eine Dokumentation seiner Israel-Korrespondentin Nicola Albrecht, die explizit alle Seiten zu Wort kommen lassen sollte. Gegen Ausgewogenheit ist natürlich erst einmal nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. In einem Interview zur Doku äußerte sie sich auf die Frage, inwiefern der Vorwurf einseitiger Berichterstattung ihre journalistische Recherche beeinflusst, folgendermaßen:

„Ja, der Vorwurf der einseitigen Berichterstattung ist tatsächlich kein neuer. Das hat mit den unterschiedlichsten Faktoren zu tun: Der israelisch-palästinensische Konflikt ist ein emotional extrem aufgeladener Konflikt, zu dem fast jeder eine Meinung hat, auch wenn er eigentlich nichts darüber weiß. Und das führt dazu, dass viele Rezipienten der Berichterstattung mit ihrer Brille, mit ihrer Sicht der Dinge die Beiträge lesen oder anschauen. Sie sehen selbst dort schwarz-weiß, wo Journalisten versuchen, die verschiedenen Grauschattierungen zu benennen. Dieser Konflikt ist komplex und vielschichtig. Es gibt Schuld und Unschuld, Recht und Unrecht auf beiden Seiten – und das ist sicher auch nicht immer leicht in Nachrichtenformaten darzustellen.

Geben wir uns also Mühe, nicht schwarz-weiß zu sehen, wo uns Frau Albrecht versucht, die „Grauschattierungen“ zu zeigen. Wer taucht als erstes in der Doku auf? Eine Siedlerin: „Wir sind keine Besatzer. Das Land gehört uns, dem Volk Israel.“ Als nächstes, ein palästinensisches Mädchen: „Dann sehen wir einen Siedler, wie er auf einen jungen Palästinenser zielt. Er hat ihn einfach erschossen.“ Bevor die Doku überhaupt richtig losgegangen ist, hat sie bereits festgelegt, wer Aggressor und wer Opfer ist. Diese Zuweisung wird bis zum Ende keine nennenswerten Differenzierungen erhalten. Vereinzelte Abweichungen bestätigen nur die Regel. Letztendlich folgt somit auch diese vermeintlich um Ausgewogenheit bemühte Dokumentation von Nicola Albrecht den bewährten Rezepten „Israel-kritischer“ TV-Produktionen, deren Zutaten auf diesem Blog bereits an anderer Stelle vorgestellt wurden:

„Zunächst braucht es immer einen Juden, der den Israelis Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Rassismus vorwirft. Dann einige Gegenstimmen, die aber argumentativ nicht ins Gewicht fallen dürfen. Weiterhin unschuldige Opfer der Israelis. Und letztendlich einen extrem unsympathischen Juden (am beliebtesten ist derzeit der „Siedler“), der das eigene Ressentiment von der jüdischen Bedrohung eines friedliebenden Volkes (wahlweise des deutschen, des iranischen, hier das des palästinensischen) bestärkt. Fertig.“

Die Konstellation mag in „Hebron – Die zerrissene Stadt“ leicht modifiziert sein, läuft jedoch genau auf dasselbe hinaus. Interessanterweise kennt man den mit Abstand unsympathischsten Juden – es gibt in der Doku derer gleich mehrere – bereits aus Re:Breaking the Silence.
Warum Israels Siedlungen nicht das Problem sind, wurde verschiedentlich festgehalten. Das Bild der Juden, die unrechtmäßig Land besetzen und andere Menschen dabei vertreiben, wird, so Nikoline Hansen, gerade in Deutschland verstanden. Gerade hier, in dem Land, in dem der millionenfache Judenmord die Volksgemeinschaft zu sich selbst kommen ließ, danach aber niemand dabei gewesen sein will, sind heute alle unterschiedslos Opfer des Krieges. Da offener Revisionismus jedoch schon eine Weile nicht mehr en vogue ist, suchen sich die postnationalen Deutschen andere Felder, auf denen sie ihr Rumgeopfer mehr oder minder versteckt ausagieren können, wie in der Projektion des Opferseins auf die Palästinenser.
Diese versuchen nun schon seit einiger Zeit in UN-Gremien den Konflikt mit Israel auf eine neue Stufe zu heben, was ihnen angesichts einer größtenteils anti-israelischen UN auch zunehmend gelingt. Letztes Jahr wurde eine Unesco-Resolution verabschiedet, in der jegliche jüdische Verbindung zum Tempelberg in Jerusalem kurzerhand geleugnet wurde. Dass nun Palmyra, was zu großen Teilen von ISIS zerstört wurde und Hebron gleichermaßen gefährdet sein sollen, verweist erneut auf den politischen Charakter der Unesco-Entscheidung. Diese Politisierung von Geschichte, so die Jerusalem Post, wird letztendlich auch anderen Orts dem Schutz von besonders geschichtsträchtigen Orten einen Bärendienst erweisen – was den meisten Mitgliedsländern der Unesco aber egal zu sein scheint, solange es nur gegen den jüdischen Staat geht. Die erneute Unesco-Entscheidung ist in Wirklichkeit dem Schutz von etwas ganz anderem verpflichtet, wie Alex Feuerherdt bereits letztes Jahr festhielt:

„Der Resolutionsentwurf der Unesco ist ein weiterer atemberaubender Versuch einer Einrichtung der Vereinten Nationen, die Existenzberechtigung und die Wurzeln des jüdischen Staates – eines UN-Mitglieds! – zu leugnen und ihn buchstäblich zu delegitimieren. Mit dem Papier ist der Antisemitismus gewissermaßen erneut als Weltkulturerbe geadelt worden.“

Dokumentationen wie „Hebron – Die zerrissene Stadt“ helfen nicht trotz, sondern genau wegen ihrer „Ausgewogenheit“, solche Entscheidungen mit vorzubereiten. Sie verfolgen wie die Unesco eine politische Agenda und zwar die Delegitimierung der israelischen Staatlichkeit.

„Die Heimat braucht euch lebendig.“ – Herr Jabari von der Fatah
in einem palästinensischen Klassenzimmer. Bewegend! | © ZDF 2017


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