Archiv für März 2018

South Park: The Passion of the Jew

Animationsfilm – 22 min., USA 2004
Serie von Trey Parker und Matt Stone

+++ Feiertags-Special am Karfreitag +++ Bereits schon vor einigen Jahren hatte sich fernseherkaputt.blogspot.de in mehreren Beiträgen intensiver mit Gesellschaftskritik in der Animationsserie South Park befasst und sich dabei auch dem Thema Antisemitismus zugewandt. Die hier verlinkte Episode 3 der 8. Staffel beschäftigt sich mit Mel Gibsons ( 1 | 2 | 3 ) seinerzeit äußerst kontroversen wie erfolgreichen Film „Die Passion Christi“. Der im Stil eines Snuff-Movies gehaltene Film mobilisierte nicht nur Anhänger des christlichen Fundamentalismus zu gemeinsamen Kinobesuchen, sondern auch weit darüber hinaus. Und wie in einem Artikel von Max Brym dargestellt, war dabei anscheinend die Kinofassung in Darstellung der Juden noch um einiges milder als die der Anti Defamation League vorab zugespielte Rohfassung.


© South Park Digital Studios LLC

Stalins letzte Säuberungen

Dokumentation – 45/80 min., D/F 2009
Ein Film von Philippe Saada

Am 13. Januar 1953 verkündete die Prawda die Aufdeckung eines ungeheuerlichen Komplotts: Neun bekannte sowjetische Ärzte, sechs davon Juden, sollten die Ermordung der Kremlführung geplant haben. Dies war der Auftakt zu einer landesweiten antisemitischen Pressekampagne, die sich nahtlos in die Kontinuitäten eines Sowjetantisemitismus einfügte. Die angeblichen „zionistischen Verschwörer“ wurden festgenommen, brutal verhört, tausende Juden und Jüdinnen entlassen. Wohin Stalins antisemitische Politik schlussendlich steuerte, ist umstritten: Sollten die sowjetischen Juden ermordet oder „nur“ nach Sibirien deportiert werden? Mit dem Tode Stalins am 5. März 1953 endete die unmittelbare Gefahr für Juden in der Sowjetunion, der Antisemitismus bestand fort. Die Beschäftigung mit linkem Antisemitismus heute muss seine historischen Wurzeln im Osten Europas der Nachkriegszeit in den Blick nehmen. L‘chaim, comrade Stalin!

Die Partei hat immer recht: Die Wahrheit über eine „internationale
jüdisch-zionistische Organisation“ und „Gift verabreichende Ärzte“
| © ZDF/ ROCHE Productions 2009

Liza ruft ! ליזאַ רופט

Dokumentation – 113 min., D 2015
Ein Film von Christian Carlsen und Philipp Jansen

Denn du kannst nicht einerseits sagen, dass die Überlebenden Kriminelle seien, und andererseits mit deinen Krokodilstränen kommen, um die Diplomaten und die ausländischen Medien zu beeindrucken.“

(Dovid Katz)

„Fania Yocheles-Brantsovskaya war 19 Jahre alt, als die Wehrmacht am 24. Juni 1941 in ihre Heimatstadt Vilnius einfiel, die bis dahin als „Jerusalem Litauens“ galt. Fania wurde mit ihrer Familie ins Ghetto getrieben, musste Zwangsarbeit leisten und wurde Zeugin der „Aktionen“, in deren Folge die Deutschen und ihre litauischen Kollaborateure 70 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder im nahen Ponar erschossen. Sich der deutschen Vernichtungspläne bewusst, schloss sich Fania der jüdischen Widerstandsgruppe Fareinikte Partisaner Organisatzije (FPO) an. „Liza ruft!“ wurde die Losung für ihren Kampf. Kurz bevor die Deutschen das Ghetto liquidierten, entkamen die FPO-Mitglieder und schlossen sich der sowjetischen Partisan_innenbewegung in den nahen Wäldern an. Fania führte Sabotagemissionen aus und beteiligte sich an der Befreiung von Vilnius durch die Rote Armee. Obwohl die Deutschen mithilfe ihrer litauischen Handlanger ihre gesamte Familie ermordet hatten, blieb Fania in ihrer Heimat und beteiligte sich an deren Wiederaufbau unter kommunistischer Führung. Nach dem Tod ihres Ehemanns, den sie im Kampf kennengelernt hatte, und dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden ihr die Erinnerung an den Holocaust und die Würdigung des jüdischen Widerstands zur Lebensaufgabe. Brachte ihr das im Ausland Anerkennung, wurde sie in ihrer Heimat zur Zielscheibe von nationalistischen und antisemitischen Gruppierungen. Nachdem lokale Medien die Memoiren ihrer Freundin Rachel Margolis ausgeschlachtet hatten, die Fanias Teilnahme an der Zerstörung Kaniūkais erwähnen, ein Dorf, das die sowjetischen Partisan_innen bekämpft hatte, ließ die Staatsanwaltschaft die damals 86jährige Fania wegen der mutmaßlichen Beteiligung an Kriegsverbrechen vernehmen. Erst auf internationalen Druck wurden die Ermittlungen auf Eis gelegt. Daraufhin begann die litauische Politik, Fanias Potential als Aushängeschild zu entdecken und sie zu vereinnahmen. Fanias Engagement ist seither eine Gratwanderung: einerseits drohen die Entpolitisierung ihrer Gedenkarbeit und eine Entfremdung von ihren Weggefährt_innen, anderseits läuft sie ständig Gefahr, neue antisemitische Angriffe und eine Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens zu provozieren.“ (Aus dem Presseheft zum Film „Liza ruft!)

© Kassiber Films