Archiv der Kategorie 'Deutsche Opfer'

Wolfskinder

Spielfilm – 91 Min, D 2013
Film von Rick Ostermann

Auszug aus „Die Sprache der Wölfe“ von Tobias Prüwer:

„Der Film von Rick Ostermann will explizit keine historische Analyse sein, sondern durch emotionale Erschütterung auf die Schicksale deutscher Waisen am Weltkriegsende, die sogenannten Wolfskinder, hinweisen. Der 14jährige Hans, der sich 1946 auf der Flucht vor der Roten Armee von Ostpreußen nach Litauen durchschlägt, um dort mit seinem Bruder Fritzchen vielleicht bei ihnen gewogenen Bauern Unterschlupf zu finden, soll exemplarisch für viele Kinder stehen. Dieses Ansinnen macht die gedrechselte Handlung völlig zunichte, wenn in alle Himmelsrichtungen verstreute Protagonisten in der Weite von Wald und Flur immer wieder aufeinandertreffen. Immerhin gelingt der emotionale Moment anfangs noch, selbst wenn ein paar schlechte Kinderdarsteller und gespreiztes Auftreten auch in diesem Film nicht fehlen. Wenn die Brüder eingangs ein gestohlenes Pferd erschießen, um ein paar Fleischbrocken für die sterbende Mutter aus diesem herauszuschneiden, wird die Abgestumpftheit und die Kälte der Traumatisierten überzeugend dargestellt. Nach Minuten des Schweigens wird zum ersten Mal gesprochen, wenn die Kinder bei der Mutter ankommen. Sprachlosigkeit ist – neben verschwenderischer Naturfotografie in der Totalen – das vorherrschende stilistische Mittel: Der Fokus liegt auf den leeren wie leidenden Kindergesichtern.
Doch das stilistische Mittel wird ideologisch überfrachtet. Die selten gesprochene deutsche Sprache wird verklärt und zum einigenden Band der Kindergruppe stilisiert. Draußen lärmen die Wildnis und das slawische Kauderwelsch, aber deutsche Sprache und Herkunft schweißen die Volksgemeinschaft der Kleinen zusammen. Gewiss, hier geht es ums Durchkommen, und da klaut und jagt es sich in der Gruppe besser. Wird aber ein Russisch sprechender Junge einfach so erstickt, damit die Gruppe nicht entdeckt wird, während ein blonder, lahmer Knabe bedingungslos Hunderte Kilometer durchs Land geschleppt wird, muss das als ideologische Aufladung zum Kampf ums Dasein und den Dienst an der Volksgemeinschaft interpretiert werden. Wenn Hans dann zusätzlich immer wieder Charles Darwins »Über die Entstehung der Arten« zum Schmökern rausholt, wird alle Symbolik vollends dumpf.
»Nicht vergessen, wer wir sind« – mit der Berufung auf die guten Deutschen und der Warnung vor dem Verlust der Identität steht der Film in einer Reihe mit Produktionen wie »Unsere Mütter, unsere Väter«. Arme Deutsche, die nichts für ihr Schicksal können, werden hier präsentiert. Kein Nazi nirgends, nur deutsche Unschuldslämmer. Halt dich an deiner Herkunft fest.“
(Der vollständige Artikel von Tobias Prüwer erschien in der Jungle World vom 28.08.2014.)

+++ Arte wird den Film am 06.12.2017 um 22.35 Uhr erneut senden. Vom 6. bis zum 13. Dezember ist er außerdem in der Arte-Mediathek verfügbar +++

Opfersehnsucht und Judenneid: „Die Blumen von gestern“ von Chris Kraus

Spielfilm – 126 Min, D 2017
Film von Chris Kraus


In „Die Blumen von gestern“ lässt der Regisseur Chris Kraus einen unter Impotenz leidenden Holocaustforscher auf eine neurotische französische Jüdin treffen, deren Oma vom Opa des Holocaustforschers umgebracht wurde – und die beiden verlieben sich ineinander. Diese kitschige Versöhnungsgeschichte hat auch mit der Familiengeschichte Kraus‘ und seinem Verhältnis zur deutschen Nation zu tun.

Chris Kraus ist ein deutscher Regisseur, ein Regisseur, der eine ganz genaue, unverkrampfte Vorstellung davon hat, was deutsch ist. In seinem Film „Die Blumen von gestern“ geht es um den Holocaustforscher Totila „Toto“ Blumen und sein Leiden. Dieser ist „traumatisiert“ (Kraus) davon, dass sein Opa SS-General in Riga war. Begleiterscheinungen dieses Traumas: Er schlägt seinen Chef, der ihn von der Organisation eines „Auschwitz-Kongress‘“ entbinden möchte, in einer völlig überzeichneten Szene am Anfang des Filmes brutal krankenhausreif, kommuniziert hauptsächlich in Vulgärsprache („Scheisse“, „Nutten“) und – Wie auch sonst männliches Leid möglichst ausdrucksstark symbolisieren? – kriegt keinen mehr hoch. Ihm zu Seite gestellt wird Zazie, eine neurotische französische Jüdin, deren Oma von Blumens Opa ermordet wurde. Sie verlieben sich ineinander und, man ahnt es schon, Blumen gerät wieder in den vollen Besitz seiner „Männlichkeit“. Laut Kraus in einem Interview zum Film war es:

„von Anfang an klar, dass es eine Versöhnungsgeschichte werden soll. Also eine Geschichte über die Chancen, die Menschen einer unmöglich erscheinenden Versöhnung einräumen. Diese absolute Trennung zwischen „Juden“ und „Deutschen“, die der Holocaust gezeitigt hatte, schien ja auf alle Zeiten das Verhältnis der Völker zueinander festgelegt zu haben. Vor diesem Hintergrund ist eine Liebesgeschichte zwischen einer Jüdin und einem Deutschen, dessen Großvater die Großmutter der Jüdin ins Gas geschickt hat, am denkbar weitesten weg von der Trennung, die die Nazis verbrochen haben. In dem damit verbundenen Wunsch nach Versöhnung liegt auch die Legitimation des Komödiantischen, des Leichten, wie ich finde.“

Dieser Wunsch ist zuvorderst ein deutscher, eingebettet in globale Konstellationen, in denen der Holocaust Chiffre für Menschenrechtsverletzungen jeder Art geworden ist (Kraus: „Es ist nicht vorbei. Im Augenblick erleben wir furchtbare Zeiten, in Syrien, in Libyen. Man hat fast den Eindruck, die halbe Welt brennt. Bestialität stirbt nicht aus, sie ist ein Teil unserer mentalen Ausstattung. An dieser Stelle wollte ich ansetzen.“) Kraus‘ Film zeigt ganz deutlich, an wen dieser Wunsch gerichtet ist: Es sind die Holocaust-Überlebenden und ihre Angehörigen, die die Deutschen mit ihrer Geschichte zu versöhnen haben. Dass der Patient längst geheilt ist, hat Katrin Antweiler dabei unlängst in der Jungle World festgestellt. Kraus‘ Wunsch nach Entkrampfung ist so neu, wie „Die Blumen von gestern“ lustig ist. Bereits 1946 hat Wolfgang Staudte in „Die Mörder sind unter uns“ der dreisten Nötigung nach Versöhnung vermittels der Liebesbeziehung zwischen einem Ex-Landser und einer Holocaustüberlebenden filmischen Ausdruck verliehen.
Muss Toto Blumen im Film erst noch geheilt werden, so ist Chris Kraus bereits unheilbar gesundet. Entgegen eines großen Teils der dritten Tätergeneration, die daran festhält, dass Opa kein Nazi war, bekennt er sich zu seiner Familiengeschichte: Sein Opa war Offizier der SS-Einsatzgruppe A. (Diesen in einen Widerstandskämpfer umzumünzen, dürfte aber auch ungleich schwerer fallen.) Die negative „Geschichtslast“ jedoch, so Kraus, sei mit der positiven Gegenwart unauflösbar zu einem großen Ganzen verschmolzen, zu einer „Kultur, die nicht zu verorten ist“. Denkt Kraus an Deutschland, dann denkt er an etwas, aus dem er „nicht entkommen kann.“ Deutschland als Schicksalszusammenhang? Der Gang der Geschichte wäre demnach vorbestimmt, nach individuellen Verantwortlichkeiten zu fragen, folglich sinnlos. Alle sind unterschiedslos Opfer des Krieges! Die deutsche Opfersehnsucht wird dann auch in einer Filmbesprechung der Welt ganz unverfroren ausgedrückt:

„Deutschland hat sich lange bequem in der Büßerrolle eingerichtet, man könnte auch sagen: in seinem Holocaust-Kult. Die Unfähigkeit, um die Toten vom Breitscheidplatz richtig zu trauern, hat auch damit zu tun, dass man sich in der Opferrolle gar nicht mehr vorstellen konnte.“

Der Autor Hanns-Georg Rodek hat die letzten Jahre offensichtlich in einem Erdloch ohne TV-Anschluss und Internetverbindung zugebracht. Wir empfehlen ihm aus der schieren Unzahl deutscher Filmproduktionen, die sich den deutschen Opfern widmen, „Wolfskinder“ (2014) von Nick Ostermann und damit ein besonders widerwärtiges Machwerk unverkrampfter neuer deutscher Filmgeschichte, in die Kraus mit „Blumen von gestern“ noch mehr Unverkrampftheit hineingeschrieben hat, falls das überhaupt möglich ist.

„Denke ich an Deutschland…“ – Wer dabei nicht wie Heinrich Heine um den Schlaf gebracht wird, den empfehlen wir zur nächtlichen Lektüre „Opfersehnsucht und Judenneid – ein Kommentar zur Nationalisierung der Erinnerung“ von Eike Geisel.

Unsere Mütter, unsere Väter

TV-Spielfilm, 3 × 90 min., D 2013
Regie: Philipp Kadelbach / Drehbuch: Stefan Kolditz

Auszug einer Filmbesprechung aus „The Aftermath of the Allied Victory Over Germany“ (Eine Broschüre der antifaschistischen 70YEARS-Kampagne):

„Fünf Stunden Selbstmitleid für die Jugend des Dritten Reichs“ – so lautete eine der wenigen treffenden Kritiken des ZDF-Spektakels. Doch die kam natürlich nicht aus Deutschland. Die US-amerikanische Unterhaltungsseite „A.V. Club“ fasst die Botschaft des TV-Events des Jahres 2013 weiterhin folgendermaßen zusammen: „Ja, eure Großeltern mögen Nazis gewesen sein. Aber vielleicht waren sie auch so nett wie die Leute in dem Film.“ Die New York Times ging sogar noch weiter und verglich das Kriegsdrama mit einem NS-Propagandafilm. Die deutschen Kritiken sahen hingegen ganz anders aus. In Feuilletons und Talkshows war man sich weitgehend einig: Der Film wurde als Tabubruch und großartiges Historienepos mit Aufklärungscharakter gehandelt. Das ZDF empfahl ihn für den Geschichtsunterricht; Historiker, Antisemitismusexperten, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung und Gedenkstättenleiter gaben dem Film insgesamt Bestnoten. Endlich würde man die ganze Wahrheit über den schrecklichen Krieg erfahren, die Grausamkeit würde schonungslos dargestellt und sollte Pflichtprogramm für die deutsche Familie werden. Die schaute brav zu: Der Dreiteiler erreichte im Schnitt sieben Millionen Zuschauer und hatte einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent. Begleitet wurde der Film von einem regelrechten Medienhype. Zwar wurde hier und da kontrovers diskutiert, aber grundsätzlich kam „Unsere Mütter, unsere Väter“ in Deutschland gut an. Der Spiegel verklärte den dreiteiligen Spielfilm zum „neuen Meilenstein deutscher Erinnerungskultur“.
Dies konstatierte [bereits] der Publizist Eike Geisel 1993 zur Erinnerungspolitik des vereinten Deutschland. Anlässlich der Einweihung der Neuen Wache, die „Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ die der Krieg von Helden sein soll, beschrieb er die „Rückkehr zur Normalität“ für das Land der Täter: „Bei Nacht, sagt man, sind alle Katzen grau, und so soll es nun Helden verwandelt auch den Toten gehen, die hinter der Losung ‚Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft‘ in einem Nebel standardisierter Trauer verschwinden.“ Irgendwie waren doch alle Opfer – ja, auch die Deutschen. Opfer der Verhältnisse, Opfer des Krieges und zuletzt natürlich Opfer des alliierten Bombenhagels. Neu aufgelegt und in Blockbuster-Format wird diese deutsche Opfertümelei in „Unsere Mütter, unsere Väter“ präsentiert, in dem es um das Schicksal fünf naiver, deutscher Freunde geht, die der Krieg von Helden in Schweine und wieder in Helden verwandelt; mit denen man fünf Stunden lang mitfiebern und mitfühlen soll, von denen man zwar angeekelt ist, aber zugleich gar nicht anders kann, als Verständnis für ihr Handeln aufzubringen.
Das Hauptmotiv des Films schallt als Mantra fortwährend aus dem Off: „Der Krieg wird das Schlechteste in uns hervorbringen.“ In dem Satz schwingen Widerstand und Ohnmacht mit. Man wollte eigentlich gar nicht, aber man musste, und machte sich ganz unfreiwillig schuldig. Doch von Schuld will man heute (wie damals) nicht sprechen. Schließlich habe der grausame Krieg, den doch niemand wollte, vor allem nicht die Protagonisten des Films, auch genug Opfer auf deutscher Seite gebracht. Arnulf Baring, deutscher Historiker mit einer Position rechtsaußen, sprach es bei „Markus Lanz“ ganz offen aus: „Ganz großartig ist ja in dem Film, dass man sieht, dass die ganze Teilung, von der wir seit Jahrzehnten reden, nämlich zwischen Opfern und Tätern, dass die nicht hinhaut. Auch die Opfer sind irgendwo Täter und die Täter sind irgendwo Opfer.“
Auch in der Talkshow „Menschen bei Maischberger“, in der man im Jahr 2015 anlässlich des 70. Jahrestages der deutschen Niederlage über „Das Erbe von 1945: Deutsche Schuld, deutsche Opfer“ diskutierte, wurden Täter und Opfer stets als eins gedacht. In der Sendung ging es dann hauptsächlich um deutsche Opfer. Sandra Maischberger und der Großteil ihrer Studiogäste waren davon überzeugt, dass es an der Zeit sei, endlich über diese zu reden. Nico Hofmann, der Regisseur (eigentlich der Produzent; Anm. d. R.) von „Unsere Mütter, unsere Väter“, hatte das mit seinem Film geschafft. Nach eigener Aussage wollte er mit der „unglaublichen Schuld-Sühne-Pädagogik“ – als ob es so etwas je gegeben hätte – Schluss machen und zeigen, wie „fehlgeleitet unsere historische Aufklärungsarbeit gewirkt hat. Eine Kollektivschuld gäbe es schließlich nicht, und so versucht der Film dann auch, diese durch seinen Fokus auf individuelle deutsche Schicksale zu dekonstruieren. „Schicksal“ meint hier tatsächlich: von jeglicher Handlungsmöglichkeit befreite Protagonistinnen und Protagonisten. So zumindest stellt es der Film dar. Der Unterton, der latent mitschwingt, ist, dass die Deutschen anders gehandelt hätten, wenn sie nur gekonnt hätten. Doch die Verhältnisse, der Krieg, haben sie zu unmenschlichen Taten gezwungen. Passend dazu schrieb Bild: „Ein Entrinnen aus der Hölle dieses Krieges gab es für die deutschen Soldaten nicht.“ Der deutsche Soldat wird hier nicht nur zum Opfer der äußeren, als unveränderlich dargestellten Verhältnisse, er wird so auch nachträglich von jeder Schuld freigesprochen. Zwar werden auch die fünf Freunde im Laufe des Dramas zu grausamen Arschlöchern. Doch es gibt immer eine trennende Linie zwischen ihnen, die stets von Gewissensbissen geplagt sind und selbst am meisten unter ihrem unmenschlichen Verhalten leiden, und jenem sadistischen SS-Offizier, der das kleine jüdische Mädchen skrupellos und mordlüstern abknallt, oder den durch und durch antisemitischen polnischen Partisanen. Letztere sind im Übrigen neben einer einfältigen Deutschen die einzigen, die als explizit antisemitisch dargestellt werden…“

Deutsches Volksmärchen: „Einer meiner besten Freunde ist Jude.“
| © ZDF 2013

Das Mädchen Marion – Preis der Nationen

Spielfilm – 88 min., BRD 1956
Film von Felix Lützgendorf und Wolfgang Schleif

Carl Raddatz, Winnie Markus und Brigitte Grothum spielen die Hauptrollen in diesem gefühlvollen Melodram aus dem Jahr 1956.“ ( 3Sat-Filmbesprechung von 2010)

Was kommt heraus, wenn der Cutter des antisemitischen Hetzfilms „Jud Süß“ sowie des Durchhaltefilms „Kolberg“ mit einem ehemaligen Kriegsberichterstatter der Leibstandarte SS Adolf Hitler zusammentrifft und im Nachkriegsdeutschland einen Film dreht? Ein echter deutscher Rassefilm! Und wenn dieser Film dann vielleicht noch auf dem „Mitteldeutschen Rundfunk“ ausgestrahlt wird, kann man vermuten, worum es gehen wird. Denn da, wo es rechts der Mitte nichts mehr gibt, muss folglich irgendetwas fehlen: Nämlich die durch „Flucht und Vertreibung“ verlorengegangenen Ostgebiete.
Hier lag einst auch das kleine ostpreußische Edelgestüt Trakehnen, angestammter Boden einer ganz besonders warmblütigen deutschen Rasse ( wie auch Schoß eines berühmten Sohnes). Die Blutslinie unseres Leithengstes „Prusso“ lässt sich gar direkt auf Wotan zurückverfolgen. Dass er auf dem strapaziösen Treck gen Westen nicht endgültig schlapp macht, liegt an seinem robusten Rassecharakter, denn so ein urdeutsches Zuchtvieh „steht immer wieder auf“. Und wenn es gegen eine Übermacht „nichts mehr zu gewinnen“ gibt, wird zunächst zwar „nicht nur die Heimat, sondern auch das Recht auf die Heimat“ hintangestellt. Aber mit Hilfe des einfachen Volkes und Rückbesinnung auf zünftiges deutsches Hand- und Bauernwerk gelingt auch andernorts ein Neuanfang. Nur gegen die lüsternen Nachstellungen sowie Enteignungen durch nachsetzende Schieber- und Schacherbanden muss deutsches Veterinärwesen das Recht doch noch einmal selbst in die Hand nehmen. Dabei reicht die reine Tierliebe vom Wunsch nach Todesstrafe bis zu „Blondie“. Und während die verwitwete, heimatlose Gutsherrin sich unablässig um den Wiederaufbau bemüht, treibt der zukünftige Gatte die Wiederherstellung der deutschen Haus- und Geschlechterordnung weiter voran. Von da an ist es mit ein wenig „Zuckerbrot und Peitsche“ für unsere rassige deutsche Jugend nur noch ein kurzer Ritt zur nationalen Wiedergeburt: Sie gewinnt den „Preis der Nationen“. Und dabei hat man den „Spanischen Reiter“ wie Franco-Faschisten („… gleiche Fehler, gleiche Zeit!“) ebenso schön stehen lassen wie schon zwei Jahre zuvor die Ungarn beim „Wunder von Bern“.
Und weil uns die Deutschen hier bis heute immer wieder was vom Pferd erzählen, stimmen wir mit der abschließenden Frage auch gleich wieder das alte Lied an: Wo blieb eigentlich die ultimative antideutsche Rosskur?

Nachtrag: Weitere Heimatfilme mit echt deutschem Stallgeruch sind dem Text „Die große Zerstreuung: Heimat-TV im deutschen Geschichtsfernsehen“ von Tobias Ebbrecht-Hartmann zu entnehmen.

Ruhig Brauner, ruhig!: „Das is ’ne starke Rasse. Die stehen immer
wieder auf!“ | © Schorscht Filmverleih GmbH