Archiv der Kategorie 'English'

Gentleman’s Agreement – Tabu der Gerechten

Spielfilm – 118 min., USA 1947
Buch/Regie: Moss Hart/Elia Kazan

In der Einleitung seines Romans „Focus“ erinnert sich der US-amerikanische Autor Arthur Miller an eine Begebenheit, die sich in den frühen 1980er Jahren zugetragen hatte: In einer Radiosendung des Lokalsenders von Connecticut rechtfertigte ein Hörer eine Anschlagsserie gegen Juden im Raum Hartford mit unverhohlenem Antisemitismus. Wie sich später herausstellte, war der Täter jedoch ein geistesverwirrter junger Jude. Eine nicht ganz unähnliche Situation Anfang 2017: Als der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump im Wahlkampf 2016 mit seiner Personalpolitik sowie seinem „Argument for America“ den latenten Antisemitismus befeuerte, wurden nach seiner Wahl mehrere jüdische Friedhöfe geschändet und dutzende jüdische Einrichtungen mit Anschlägen bedroht. Für die Bombendrohungen konnte wiederum ein jüdisch-israelischer Jugendlicher als mutmaßlicher Einzeltäter ermittelt werden. Das Thema scheint also wieder vom Tisch.
Der Antisemitismus in den Vereinigten Staaten ist allerdings weder harmlos noch neu. Er unterliegt historischen Kontinuitäten und Modifikationen und findet sich nicht nur in isolierten Gruppierungen wieder, sondern war und ist unabhängig von jeweiligen Milieus in allen Schichten der US-amerikanischen Gesellschaft als latente Gefahr vorhanden. Wie salonfähig der Antisemitismus insbesondere in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war, lässt sich am weitverbreiteten Resort Antisemitism ebenso gut nachvollziehen wie am sogenannten Leo Frank-Case, dem publizistischen Engagement des Industriellen Henry Ford oder am Fall von Ethel und Julius Rosenberg.
Elia Kazans Gentleman’s Agreement aus dem Jahr 1947 gilt als erster Film aus Hollywood, der sich ausschließlich mit dem Antisemitismus im bürgerlichen Milieu der Vereinigten Staaten auseinandersetzt. Streckenweise fühlt man sich auch hier wieder an Arthur Miller’s „Focus“ erinnert, dessen Roman jedoch den Antisemitismus weitaus radikaler ins Visier nimmt als es der Film tut. Denn während der Judenhass unter den „Gentlemen“ Elia Kazans eher latent vorhanden und in einem versöhnlichen Ende aufgelöst wird, ist beim Lesen Arthur Millers die Gewaltförmigkeit des Antisemitismus auf eine unerträgliche Art und Weise fast schon körperlich spürbar. Ohne dem Film das Engagement absprechen zu wollen: Wie man kurz nach Kriegsende und Shoah ohne Verweis auf das eliminatorische Gewaltpotenzial einen Film gegen Antisemitismus produzieren kann, bleibt fragwürdig. Vielleicht wollte man das Publikum im Land der Sieger über Nazideutschland nicht vor den Kopf stossen? Apropos: Millers Roman jedenfalls bleibt auch in dieser Hinsicht eine empfehlenswerte Handreichung: Denn hier hat anscheinend auch der Baseballschläger Woody Allens sowie des „Bärenjuden“ Quentin Tarantinos seinen Ursprung.

Matzpen

Dokumentation – 54 Min., ISR 2003
Ein Film von Eran Torbiner

Matzpen (hebr. Kompass) war eine sozialistische, antizionistische Gruppierung in Israel in den sechziger und siebziger Jahren, die von ehemaligen Mitgliedern der Kommunistischen Partei Israels, Maki gegründet wurde und die sich eine zeitlang einer großen Beliebtheit bei verschiedenen linken europäischen Antizionisten erfreute. So hatten einige ihrer Kader intensiven Kontakt zu trotzkistischen Gruppen in London. Eran Torbiner lässt ehemalige Mitglieder von Matzpen und von Organisationen, mit denen sie zusammen gearbeitet haben wie der DFLP (Demokratische Front zur Befreiung Palästinas), ausführlich zu Wort kommen. Die DFLP, laut Stephan Grigat lange Zeit für einen gemäßigten Antizionismus stehend, war 1974 für eine gescheiterte Geiselnahme in der nordisraelischen Stadt Ma‘alot verantworlich, in deren Verlauf über zwanzig israelische Schüler getötet wurden. Der Teil, in dem es um die DFLP geht, ist dann auch der einzige in der Doku, in der überhaupt Zweifel an der eigenen politischen Ideologie und den sie teilenden Bündnispartnern geäußert werden. Für Nayef Hawatmeh, dem ehemaligen Generalssekretär der DFLP scheint die Tat jedoch kaum Anlass zur Selbstkritik zu geben. Die politische Führung einer Organisation könne nun mal nicht immer volle Kontrolle über ihre Kämpfer ausüben. Ansonsten gibt es das volle antizionistische Programm: Forderung nach einer Einstaatenlösung und nach einem unverhandelbaren Rückkehrrecht aller Palästinenser, Täter-Opfer-Umkehr etc. Daniel Cohn-Bendit kommt auch vor. Für ihn war noch 2003, also während die Zweite Intifada tobte, Matzpen „the honor of Israel“. So weit, so schlecht. Nun, Matzpen gibt es nicht mehr. Einige ihrer ehemaligen Kader machen jedoch weiterhin Politik. Und viele linke Antizionisten außerhalb Israels, die immer auf der Suche nach jüdischen Kronzeugen sind, halten Matzpen in ehrbarer Erinnerung.

Zur weiteren Lektüre empfehlen wir Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung von Grigat.

Bomben in einen Supermarkt werfen? Heißt Oded Pilavsky
nicht gut, ist für ihn jedoch „legitimer Widerstand“ | © Torbiner

Holocaust

TV-Mini-Serie – 475 Min., USA 1978
Regie: Marvin J. Chomsky, Drehbuch: Gerald Green

Miniserie, deren Ausstrahlung 1978 in den USA und ein Jahr später in der Bundesrepublik gemeinhin den Anfang der Auseinandersetzung mit dem (von nun an so bezeichneten) Holocaust markiert – wenngleich auf unterschiedliche Art und Weise: Laut Tjark Kunstreich entwickelte sich in den USA in der Folge von Holocaust ein Gedenken, dass sich an den Erinnerungen der Überlebenden orientiert und trotz der kulturindustriellen Darstellungsweise der individuellen Biografie einen großen Respekt erweist. Denn:

„In den USA kann eine Geschichte nur am Individuum erzählt werden, sie vermittelt sich über die Handlungen des Protagonisten. Die Totalität der Vernichtung ist dazu das absolute Gegenteil, […]. An der Vernichtung scheitert dieses Unterfangen, und es dennoch zu versuchen, spricht für die sympathische Hartnäckigkeit der amerikanischen Illusion vom Einzelnen, der jederzeit in der Lage ist, sein Glück selbst zu machen.“

Das Scheitern zeigte sich dann auch in der harschen Kritik von Shoah-Überlebenden. So warnte Elie Wiesel davor, dass die Erfahrungen dieser trivialisiert würden. In Deutschland wiederum machte man sich aus anderen Gründen Sorgen, nämlich dass Holocaust zu emotional und zu kommerziell sei. Von der FAZ bis zu den K-Gruppen war man sich daher zunächst in der Ablehnung von Holocaust einig. So hieß es in einem Artikel des Roten Morgen, dem Zentralorgan der ehemaligen KPD/ML:

„Mit diesem niveaulosen Fernsehschund, dieser Soße aus Gewalt und Geld wollen sie unser fortschrittliches deutsches Kulturerbe abtöten und alle geistigen Ansprüche ersticken. Diese amerikanischen Propagandafilme sollen uns zu kritiklosen Nachäffern der amerikanischen Primitivkultur machen, sie sollen uns vom Kampf gegen die amerikanischen Besatzer und gegen das Vorherrschaftsstreben dieser Supermacht ablenken. Es ist das Ziel dieser Sendungen, uns moralisch und kulturell vom amerikanischen Imperialismus abhängig zu machen.“

Das sah das deutsche Fernsehpublikum jedoch anders. Angesichts der wohlwollenden Zuschauerreaktionen in der Folge der Ausstrahlung, dem Drang zu reden, der kollektiven Betroffenheit, die die deutsche Auseinandersetzung mit dem Holocaust bis heute bestimmt, sieht Kunstreich mit der Ausstrahlung von Holocaust den Beginn der spezifisch deutschen Aufarbeitung. Das Zitat aus dem Roten Morgen zeigt jedoch auch: Die maßgeblichen Akteure des neuen deutschen Selbstbewusstseins, darunter der spätere Bundesaußenminister Fischer, der in den Neunzigern Auschwitz im Kosovo befreien wollte, waren Ende der Siebziger noch nicht auf der Höhe der Zeit.
Holocaust erzählt in vier Episoden die Geschichte der assimilierten jüdischen Familie Weiss und jene der arischen Dorfs, Karrierist Eric, der es bis zum Adjutanten Heydrichs bringt und seiner Frau. Judenboykott, Berufsverbote, Nürnberger Gesetze, Arisierung, Novemberpogrom, Ausweisung der polnischen Juden, Buchenwald, Euthanasie, Warschauer Ghetto, Massaker von Babij Yar (den Einsatzgruppenmassakern wird generell viel Raum gewidmet, hier war Holocaust der Geschichtsschreibung voraus), Wannsee-Konferenz, Erfindung der Gaskammern, Zyklon B, Auschwitz, Theresienstadt, Warschauer Ghettoaufstand, jüdischer Partisanenkampf, der Aufstand von Sobibor – all das wird in den vier Episoden thematisiert, was zum Teil arg konstruiert wirkt, da es die Weiss‘ sind, die all das erleben und Eric Dorf, der irgendwie bei jeder Station des deutschen Vernichtungsprojekts seine Hände im Spiel hat.
Wir haben hier die amerikanische Version verlinkt, in der Rudi Weiss, der als Partisan in den Wäldern überlebt hatte, am Ende nach Israel geht. Dieses Ende hatte der WDR vor der deutschen Ausstrahlung kurzerhand kassiert.

Eine Erklärung, wer dort abgebildet ist, brauchte es offensichtlich nicht,
da eh alle Holocaust gesehen hatten: Spiegel-Titelcover nach der Aus-
strahlung in Deutschland, SS-Mann Eric Dorf, im Hintergrund das Ehe-
paar Weiss | © Spiegel

Black Sunday

Dokumentation – 15 Min., RO 2010
Ein Film von Mihnea Chelariu

Der Film widmet sich dem Pogrom von Iași, bei dem

vom 27. Juni bis zum 3. Juli 1941 […] in Iași und Umgebung Tausende Juden von rumänischen Soldaten und Gendarmen ausgeraubt und erschlagen oder erschossen [wurden], zumeist Männer zwischen 18 und 60 Jahren. Deutsche Offiziere und SS-Mitglieder assistieren beim staatlich organisierten Pogrom. Mehrere tausend Juden werden am Morgen des 30. Juni in zwei „Todeszüge“ gepfercht. Einer fährt nach Călărași in Südrumänien und braucht dafür sechs Tage, einer nach Podu Iloaiei nahe Iași. Insgesamt sterben beim Pogrom von Iași etwa 15.000 Juden. Es ist der Auftakt zum Holocaust in Rumänien.“ (Den vollständigen, sehr lesenswerten Artikel von Keno Verseck gibt es hier.)

Im Film kommen drei Überlebende des Pogroms zu Wort: Iancu Tucarman, Leonard Zeicescu, Leizer Finkelstein. Was sie schildern, hätte der dramatischen Musik und häufigen Schnitte nicht bedurft. Die barbarische Grausamkeit, die Niedertracht, der sie und all die anderen vor 75 Jahren ausgesetzt waren, macht fassungslos.
Die Shoah in Rumänien ist ein nach wie vor kaum beachtetes Thema, vor allem in Rumänien selbst. 2003 wurde eigens eine Kommission unter dem Vorsitz des kürzlich verstorbenen Elie Wiesel ins Leben gerufen, um daran etwas zu ändern. Wiesel, selbst in Rumänien geboren und Auschwitz-Überlebender, wurde 1945 im KZ Buchenwald befreit und wird bis heute für seine Solidarität mit dem jüdischen Staat von Israelhassern geschmäht.


© Princess Media & Romanian Institute of Holocaust Research
„Elie Wiesel“

„Inspiring adress by Pres. Abbas“

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas wärmt vor dem Europäischen Parlament am 23. Juni 2016 den antisemitischen Evergreen „Juden vergiften Brunnen“ auf und… kriegt dafür Standing Ovations. Mittlerweile ist er etwas zurückgerudert – es gab doch Gegenwind – auch wenn man davon hierzulande nichts mitbekommen hat. Parlamentspräsident Martin Schulz findet die Rede bis heute „inspiring“. Man darf auf seine nächste Rede vor der Knesset gespannt sein. Zu weiteren Lektüre sei ihm die Abschlussarbeit von Dr. Abbas empfohlen. Sie trägt den Titel: „Die andere Seite: Die geheimen Verbindungen zwischen Nazismus und Zionismus”

Nachtrag: Am 29.6. wurde ein dreizehnjähriges jüdisches Mädchen im Schlaf erstochen. Reaktion der Hamas? Geschenkt. Reaktion der Fatah, deren Vorsitzender „inspiring“ Abbas ist? Umgehende Erklärung des Mörders zum Shadid, zum Märtyrer.

The Legacy of Jedwabne

Dokumentation – 72 Min., PL 2005
Ein Film von Slavomir Grünberg

„Der Christus der Nationen“: So lautet das Selbstbild der polnischen Nation als Opfer. Dass wir es dabei mit einem Mythos zu tun haben, zeigt nicht zuletzt dieser Film, der die Ereignisse vom 10. Juli 1941 behandelt, als in der kleinen ostpolnischen Stadt Jedwabne, die erst kurz zuvor unter deutsche Besatzung geraten war, nahezu sämtliche jüdische Bewohner von ihren polnischen Nachbarn ermordet wurden. Jan Thomasz Gross löste mit seinem gleichlautenden Buch eine heftige Debatte über polnische Kollaboration und den polnischen Antisemitismus aus und wird bis heute von der polnischen Rechten massiv angefeindet. Mit dem Spielfilm Poklosie (dt. Nachlese) des Regisseurs Władysław Pasikowski ist die zwischenzeitlich zum Stillstand gekommene Debatte erneut angestoßen worden. Momentan gibt es gar Bestrebungen, Gross den 1996 verliehenen Verdienstorden der Republik Polen wieder abzuerkennen. Das IPN (Institut Pamieci Narodowy, Nationales Gedächtnisinstitut), das in dem hier verlinkten, um den 60. Jahrestag des Massakers entstandenen Film noch damit zitiert wird, dass Jedwabne „kein isoliertes Ereignis“ war, soll nach den Plänen der neuen polnischen Regierung in Zukunft ausschließlich die heroischen Seiten des polnischen Überlebenskampfes thematisieren. Nicht nur ihr gilt der in Grünbergs Film ausführlich zu Wort kommende ehemalige Bürgermeister Jedwabnes Krzysztof Godlewski als Nestbeschmutzer. Nach mehreren Todesdrohungen ist er bereits vor einer Weile in die USA ausgewandert, worüber der neue Bürgermeister froh sein dürfte. Er betrachte, laut der oben verlinkten Sendung NDR Forum Zeitgeschichte vom 2.4.2016, „den Fall Jedwabne als einen weiteren Versuch die Verantwortung für die Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges anderen Nationen anzulasten, insbesondere den Polen.“

Wie die berittene Gestapo jüdische Kommunisten jagte – ein Lehr-
stück des antisemitischen Mythos von der Judäo-Kommune, vor-
getragen vom Priester Jedwabnes | © LOGTV

Die ‚moderate‘ Fatah feiert ihren Märtyrer

Von Mena-Watch: „Am 8. März 2016 stach ein 22-jähriger palästinensischer Attentäter auf der Promenade von Jaffa mit einem Messer auf die Menschen ein, die das Pech hatten, ihm über den Weg zu laufen. Bei seinem Versuch, Juden zu töten, ermordete er einen amerikanischen Studenten. Die vermeintlich moderate Fatah von Mahmud Abbas feierte den Mörder als „heroischen Märtyrer“, im Sender der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) wurde die „komplexe Operation“ bejubelt, bei der – mitten im israelischen Kernland – „12 Siedler“ verletzt worden seien. Jetzt wurde der Attentäter, der erschossen werden konnte, bevor ihm noch weitere Menschen zum Opfer fielen, zu Grabe getragen und im PA-Fernsehen erneut als „Märtyrer“ gepriesen. Sein Begräbnis wurde als „große nationale Hochzeit“ mit den 72 Jungfrauen gefeiert, die ihn im „Paradies“ erwarteten.“

Werdet Märtyrer! – ein Kinderfest im Gazastreifen

Einige Tage bevor nicht nur in Berlin-Neukölln Antisemiten jeglicher Couleur den sogenannten Nakba-Tag begingen, fand in Chan Yunis im südlichen Gazastreifen ein Kinderfest statt, auf dem bereits die Kleinsten auf ihr Märtyrer-Dasein und eine „Messer-Revolution“ vorbereitet werden. Wir danken Memri für die Übersetzung.

Kinderwiderstand Gaza | © Memri TV