Archiv der Kategorie 'Kurzfilm'

L‘Affaire Dreyfus

Stummfilm – 11 min., F 1899
Film von Georges Méliès

Bereits in den frühesten Anfängen der Filmgeschichte wurde deutlich, dass das Kino nicht nur Unterhaltungswert, sondern auch politische Dimension besitzt – und deshalb schon immer auch umkämpftes Terrain war. Der französische Filmpionier Georges Méliès ergriff 1899 als sogenannter „Dreyfusard“ mit seinen Aktualitätenfilmen „L‘Affaire Dreyfus“ eindeutig Partei für den 1894 zu Unrecht wegen Geheimnisverrats verurteilten jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus. Die Affäre löste nicht nur eine über Jahre andauernde Staatskrise in Frankreich aus, sie war darüber hinaus für den demokratischen Prozess in Europa ebenso von Bedeutung wie für die Entstehung des Zionismus als Reaktion auf den modernen Antisemitismus. Und damit wirkt sie, wiewohl es keine Dreyfusards mehr gibt, bis in die Gegenwart. Da Méliès‘ heute nicht mehr vollständig erhaltene Filmreihe anscheinend auch gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den Dreyfusards und republikfeindlich gesinnten antisemitischen Schlägern provozierte, nutzte die Pariser Polizeibehörde die Gelegenheit für ein Verbot des Films.

Trotz Folter und Isolation: Alfred Dreyfus wird „Das Bagne“ – Frank-
reichs Strafkolonie
– 1899 lebend verlassen | © British Film Institute

Schwarzfahrer

Kurzfilm – 10 min., D 1992
Film von Pepe Danquart

Engagierter wie naiver Kurzfilm zu Alltagsrassismus und „schweigender Mehrheit“ in Deutschland. Als verstünden sich solch arg polternde Rassistinnen nicht instinktiv als Verkünderinnen der Volksmeinung, wird hier den Mitreisenden so etwas wie eine, wenn auch bedrohlich wirkende Gleichgültigkeit, ein Nichtverhalten oder Mangel an „Zivilcourage“ unterstellt. Nichts zu spüren vom passiven Konsens – Rassismus wird hier als Altnazimarotte verharmlost. Schon der humorige Plot des Films hätte angesichts des im Jahr zuvor getöteten ehemaligen DDR-Vertragsarbeiters Jorge Gomondai in einer Dresdner Straßenbahn einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen müssen. In der Rückschau auf mehr als 25 Jahre Mord und Totschlag jedenfalls allemal. Und auch wenn man dem Film die rebellische Geste zugutehalten kann: Wie später die Lichterketten appelliert „Schwarzfahrer“ ohne Argument vor allem an das schlechte Gewissen der besseren Deutschen. 1994 wurde er in der Kategorie Kurzfilm mit einem Oscar ausgezeichnet. Und darauf darf man dann doch wirklich mal stolz sein, hm?

Der Rassismus als Altnazimarotte in Schwarzweiß | © Trans-Film

Mama, L‘chaim!

Kurzfilm – 5 min.
Ein Film von Elkan Spiller

Über das ungewöhnliche Zusammenleben Chaim Lubelskis mit seiner Mutter Nechuma, einer Shoa-Überlebenden. Ab August 2015 ist dann Spillers längerer Dokumentarfilm „L‘chaim – Auf das Leben“ in ausgewählten Kinos zu sehen.