Magazin

Berichterstattung über Rechtsextremismus und unselige Wehrmachtstraditionen in der Bundeswehr

Zusammenstellung einiger kontraste-Berichte zur Pflege von Wehrmachtstraditionen in der Bundeswehr

Antisemitismus in (Nord-)Deutschland: Steigende Angst unter Juden

NDR Panorama3 vom 21.11.2017

Antisemitismus in Polen

3Sat-kulturzeit vom 26.09.2017

Ungarns Ultrarechte – Der Traum von der Volksgemeinschaft

ZDF auslandsjournal vom 28.06.2017

Ist der deutsche Rap antisemitisch?


„Deutschrap ist ein Scherz über den man mal gelacht hat / bis man festgestellt hat, dass er ernst gemeint war.“

(Edgar Wasser und Fatoni)


„Kontra Peace, Kontra Tel Aviv / Pro Freiheit, Kontra Politik/ … / Kontra Parasit, Kontra USA und Drogenkrieg“

(Snaga und Fard)

Dass Arte derzeit knallharte Programmpolitik betreibt, wurde hier erst kürzlich festgestellt. Da überrascht es nur auf den ersten Blick, dass der deutsch-französische Sender in seiner als arte journal bekannten Nachrichtensendung sich dem Thema Antisemitismus im deutschen Rap widmet. Warum dieser genau jetzt gesendet wird, darüber lässt sich nur spekulieren. Sollen jene Stimmen besänftigt werden, die zurecht die Zensur einer abendfüllenden Dokumentation über Antisemitismus in Europa kritisieren? Mit einem zweiminütigen Clip dürfte das nur schwer gelingen.
Es lassen sich – das Thema ist leider kein neues – noch wesentlich krassere Texte als die von Snaga und Fard finden. Lizas Welt berichtete bereits 2008 über offenen Antisemitismus nicht weniger Deutschrapgrößen, auch über die Verharmlosung seitens des Feuilletons. Selbst der Satiriker Jan Böhmermann versagt bei diesem Thema völlig. Erst rappte der in einem Pullover einer palästinensischen Entwicklungshilfeorganisation auftretende Prinz Pi in seiner Sendung folgende Zeilen:

„Ich hab ein Mikroskop, gib mir dein Telefon/ Wie Ahmadinedschad mach ich eine Kernfusion.“

Dann lud er den selbsternannten „Boss“ Kollegah, mit bürgerlichem Namen Felix Antoine Blume, in seine Sendung ein, um mit ihm laut Teaser über die Antisemitismusvorwürfe, die zur seiner Ausladung vom diesjährigen Hessentag geführt hatten, zu sprechen, brachte jedoch kein einziges kritisches Wort heraus. Im von Böhmermann angeregten Gespräch zwischen dem nach eigener Auskunft „deutschesten Juden der Welt“ Shahak Shapira und der russisch-jüdischen Autorin Kat Kaufmann zeigte der Jura-Student Kollegah dann erneut, wie notwendig es ist, ihm nicht auch noch eine Bühne zu geben.
Dazu müsste man jedoch wohl leider das Internet abschalten. Marius Mocker nimmt in seinem hörenswerten Vortrag über Antisemitismus im deutschen Rap die Produktionsbedingungen desselbigen in den Blick. Plattformen wie Youtube machten neuere Produktionen immer und überall verfügbar. In jeder dritten Veröffentlichung findet sich ihm zufolge Antisemitismus, amalgamiert mit anti-westlichem Furor und Sexismus. Halbherzigen und moralisierenden Interventionen wie die eines Markus Staiger setzt er eine ideologiekritische Reflexion entgegen, die die gesellschaftlichen Bedingungen, auf denen Deutschrap gedeiht, in den Blick bekommt. Der im arte journal zu Wort kommende jüdische Rapper Ben Salomo hält den Zusammenhang, dass sich ein antisemitisches Publikum mit seinem antisemitischen Idol vergemeinschaftet, ebenso fest.
Rapper wie Edgar Wasser und Fatoni zeigen, dass auf deutsch zu rappen nicht gleichbedeutend mit Deutschrap sein muss. Dass der so notwendige, wenn auch nicht mit Ideologiekritik zu verwechselnde Diss des antisemitischen und verschwörungsideologischen Deutschraps leider (fast) immer mit behindertenfeindlichem Vokabular erfolgt, zeigt erneut die Notwendigkeit auf, sich mit den gesellschaftlichen Produktionsbedingungen der Ware Rap zu beschäftigen.

Hat es leider nicht in den Kurzbeitrag von Arte geschafft: „Boss“ Kollegah
noch vor dem Bundespräsidenten am Grab des Friedensnobelpreis deko-
rierten Judenmörders Jassir Arafat
in Ramallah | © streetcinema 2016

Hurensöhne Mannheims – „Death to Israel“

NEO MAGAZIN ROYALE vom 04.05.2017

Der Prozess

Dokumentation – 270 min., D 1984
Ein Film von Eberhard Fechner

Heute sitzen wir auch manchmal am Fernsehen […] und man sagt „Naja, was sollen wir machen?“. Aber der Unterschied ist kolossal groß. […] Kriegerische Handlungen ist ein Unterschied zu so einem Massenvernichtungsmord.“

(ein Überlebender und Zeuge im Majdanek-Verfahren)

3-teilige NDR-Dokumentation über das Majdanek-Verfahren, das von 1975 bis 1981 als bis dahin längstes Verfahren der bundesdeutschen Geschichte vor dem Düsseldorfer Landgericht verhandelt wurde. Das Verfahren, bei dem 15 Männer und Frauen des Lagerpersonals von Majdanek/Lublin angeklagt waren, endete trotz juristischer Spielräume mit skandalös milden Urteilen. Ebenso beschämend war auch der Umgang mit Eberhard Fechners Film, der 1984 wegen seiner angeblichen „künstlerischen Strenge“ erst in das Nachtprogramm, dann für Jahre ins Archiv verbannt wurde und somit wenig Aufmerksamkeit erfuhr. Mittlerweile haben sich die juristische und, durch neuerliche Ausstrahlung des Films 2016 sowie einer DVD-Veröffentlichung, auch die mediale Aufarbeitungspraxis etwas verändert. Dabei sollte allerdings nicht übersehen werden, dass, wie z.B. Holger Pauler in seiner Filmbesprechung „Die Brutalität der Befehlsempfänger“ anmerkt, Fechners Film auch einen Volkscharakter entlarvt, „der auch Jahrzehnte nach Auschwitz fortlebt – weil die Verhältnisse, unter denen dieser Charakter entstand, weiterexistieren“. Über diesen nach wie vor aktuellen Befund sollte man sich also weder mit einem gut gemeinten und allgemein anerkannten Resümee über die gescheiterte Nachkriegsjustiz, noch mit der späten, im Fall ‚Demjanjuk‘ und ‚Gröning‘ aber immerhin vollzogenen juristischen Neubewertung der Täterschaft und schon gar nicht mit einer der „Wiedergutwerdung der Deutschen“ dienenden erinnerungspolitischen Kehrtwende der Berliner Republik hinwegtäuschen lassen. Solange Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen weiterhin salonfähig, dabei aber unverstanden wie verleugnet bleibt und seine Bedingungen fortwirken, ändert sich an diesem Volkscharakter grundsätzlich nichts.

Eine vertiefende Analyse des Films bietet ein im Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien gehaltener Vortrag von Martina Thiele.

© absolut MEDIEN GmbH

Rudolf Steiner und die Waldorfschulen

„Die weisse Rasse ist die zukünftige, ist die am Geist schaffende Rasse.“

(Rudolf Steiner; GA 349, S. 67)

„Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung innerhalb des modernen Völkerlebens, und dass es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten.“

(Rudolf Steiner; GA 32, S. 152)

„Ja, ich bin meinerseits davon überzeugt, wenn wir noch eine Anzahl Negerromane kriegen und geben diese den schwangeren Frauen zu lesen, in der ersten Zeit der Schwangerschaft namentlich, wo sie heute ja gerade solche Gelüste manchmal entwickeln können – […] da entsteht durch rein geistiges Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben, die mulattenähnlich aussehen werden.“

(Rudolf Steiner; GA 348, S. 185)

In leider viel zu großen Abständen von mehreren Jahren berichteten Politmagazine der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten über Rassismus und Antisemitismus oder über andere Missstände an deutschen Waldorfschulen. Nach den damals einsetzenden öffentlichen Debatten muss man heute feststellen: Geschadet hat es dem Ruf der Schulen offenbar nicht. Jährlich finden Neugründungen statt und weiterhin gelten Waldorfschulen als sanfte „Alternative“ zu staatlichen Regelschulen. Doch wer sich etwas eingehender mit Waldorfpädagogik und der ihr zugrunde liegenden Anthroposophie auseinandergesetzt hat, der weiß, dass obige Zitate keine Ausrutscher sind: Sie sind Ausdruck einer esoterischen Weltanschauung, in der höhere und niedere „Rassen“ und Kulturen – eingebettet in ein Konzept von Reinkarnation und Karma – ihren festen Platz einnehmen und, bevor sie als „dekadente Abzweigungen“ aussterben, ihre von Steiner festgelegten Missionen zu erfüllen haben. Ob und wieviele der Steiner’schen Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister im Unterricht herumspuken, ist schwer einzuschätzen – zumal der Einsatz von Schulbüchern stark eingeschränkt ist und die Lehrerschaft in ihrer Unterrichtsgestaltung sehr frei agieren kann. Klar dürfte aber sein, dass das Lehrpersonal in der Regel mehrjährig anthroposophisch geschult, in unteren Klassen ein großer Schwerpunkt auf Märchen, Sagen und Mythen gelegt und von Fakten nicht immer getrennt wird. Ebenso zu hinterfragen wäre nicht nur der zum Teil stumpfe Frontalunterricht, sondern auch, welche Abhängigkeiten sich ergeben, wenn Kinder bis zu 8 Schuljahren von einem einzigen Klassenlehrer unterrichtet werden sollen. Da könnte man in die sogenannten „Ätherleiber“ viel Unsinniges einpflanzen. Ob und inwieweit sich das Lehrpersonal der Temperamentenlehre bedient und die karmische Entwicklung der Kinder vorantreibt, wäre ebenfalls noch genauer in Erfahrung zu bringen. Das Spekulieren beispielsweise über die Lügenhaftigkeit geistig behinderter Kinder im vorangegangenen Leben, woraufhin diesen dann die „Wahrheiten“ geistigen Lebens zu vermitteln seien, kommt für Waldorfpädagogen jedenfalls durchaus in Betracht. Wer sich also als Eltern eines nicht-weißen oder nicht-christlichen Kindes bei der Schulwahl fragt, „Wie gut sind Waldorfschulen?“, der sollte sich darüber aufklären lassen, dass seinem Kind im Schulalltag vielleicht nicht unbedingt immer gleich ein Nazi begegnet, ihm dafür aber zumindest eine Art karmische Entwicklungshilfe geleistet werden könnte – wobei die anthroposophische „Erziehungskunst“, dem Anspruch auf Ganzheitlichkeit nachkommend, ihre Wirkung nicht nur auf seelische und geistige, sondern mit durchschlagendem Erfolg auch auf die körperliche Gesundheit zu entfalten vermag.

(Da dem Anthroposophie-Kritiker Ansgar Martins laut AnthroWiki wegen altersbedingt fehlender „Bewußtseinsseelenreife“ die Kritikfähigkeit abgesprochen wird, möchten wir an dieser Stelle gern auf den von ihm betriebenen waldorfblog hinweisen.
Als vertiefende Lektüre empfiehlt sich u.a. Peter Bierls im KONKRET LITERATUR VERLAG erschienenes Buch „Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister – Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik“)

Frontal21 vom 18. April 2006 | © ZDF