Archiv der Kategorie 'Spielfilm'

Die Stadt ohne Juden

Stummfilm – 80 min., A 1924
Ein Film von Hans Karl Breslauer nach einem Roman von Hugo Bettauer

Dass gerade ein Film wie „Stadt ohne Juden“ in Österreich, in Wien, gedreht wurde, ist ein Vermächtnis und eine ganz besondere Verantwortung. Es gibt weltweit keinen Film aus dieser Periode, der sich dieses Themas an sich so kompromisslos annimmt.“ (Film Archiv Austria, 2016)

Filme aus der Frühgeschichte des Kinos, die sich explizit mit Antisemitismus auseinandersetzen, sind rar gesät, werden heute nur noch selten gezeigt und sind dementsprechend auch nur wenigen Menschen bekannt. Stummfilme wie „Der gelbe Schein“ (1918) oder Carl Theodor Dreyers „Die Gezeichneten“ (1922) hatten dabei bereits nach ihren Premieren vor nun schon beinahe 100 Jahren nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit erregt – zumal der Antisemitismus in diesen Filmen nicht in der deutschen Gesellschaft verortet wurde. Für einige Aufwallungen dagegen sorgte Hans Karl Breslauers Verfilmung von Hugo Bettauers dystopischem Roman „Die Stadt ohne Juden“, der die Vertreibung der Juden aus einem „utopischen“ Staat beschreibt: Während die Kinoaufführungen wiederholt durch Nazis gestört oder von Kinobetreibern abgesagt wurden, fiel der Verfasser der Romanvorlage Hugo Bettauer 1925 in Wien gar dem Mordanschlag eines Nazis zum Opfer. Doch dass dies nicht unbedingt schon ein Qualitätsmerkmal für die kritische Analyse des Antisemitismus sein muss, deutet bereits der Klappentext der DVD-“Edition Der Standard“ an: Denn „tiefer noch als das Buch ist die Bearbeitung von H.K.Breslauer […] selbst vielen Annahmen verhaftet, aus denen sich das Ressentiment speist. Dass die Juden heimlich die Weltherrschaft anstreben oder schon innehaben, wird an der ganzen Konstruktion der Satire deutlich […]“. Oder wie es bereits Fritz Rosenfeld 1924 in der Arbeiter-Zeitung unumwunden ausdrückte: „Der antisemitelnde, gegen den Antisemitismus gerichtete Film ist auch rein filmmäßig miserabel. Die abgedroschendste Karikiererei wird herangezogen, die geschmacklosesten Mätzchen sind gut genug, um Lachen zu erzeugen.“ Mit der inhaltlichen Auseinandersetzung (z.B. der Dekonstruktion der „jüdischen Geldmacht“) ist es in der Tat nicht weit her – im Gegenteil besteht selbst bei wohlwollender Lesart des Films als Satire die Gefahr, mittels der ihr eigenen Übertreibungen den Wahn des Antisemiten nur noch zu bestätigen. Und der Film wird auch im Nachhinein nicht besser, nur weil er einige Bilder der Shoah „prophetisch“ vorwegzunehmen scheint. Man kann daher nur hoffen, dass der jüngst begonnenen Rekonstruktion des Originals eine kritische Edition nachfolgen wird, anstatt den Film als gelungenen, frühen Beitrag Österreichs im Kampf gegen (einen doch offensichtlich unverstandenen) Antisemitismus abzufeiern und dafür noch eine ebenso ominöse „Zivilgesellschaft“ beim Crowdfunding zu umwerben.

Siehe auch den Jungle World-Essay von Olaf Kistenmacher und Patricia Zhubi, der aus Anlass der Rekonstruktion des Films diesen und andere Versuche beschreibt, mit künstlerischen Mitteln gegen Judenfeindschaft zu kämpfen.

Defiance

Spielfilm – 137 Min., USA 2008
Ein Film von Edward Zwick

Vergesst den ‚guten Deutschen‘ Oskar Schindler, schlagt euch den Mythos von den Schafen auf dem Weg zur Schlachtbank (Hannah Arendt) aus dem Kopf: Hier kommen die Bielski-Brüder und machen den Deutschen und ihren Helfershelfern Feuer unter ihren arischen Ärschen. Und dabei retten sie noch über 1000 Juden! Noch bevor dieser Film über die Bielski-Brüder überhaupt angefangen wurde zu drehen, hagelte es in Polen bereits Kritik, so Gabriele Lesser in der Jüdischen Allgemeinen: Tuvia Bielski sei in Wirklichkeit ein Bandit gewesen, er und seine Leute hätten das polnische Dorf Naliboki dem Erdboden gleichgemacht. Der Film, so der Vorwurf, werde dieses Massaker nicht zeigen, denn er stütze sich auf das Buch Bewaffneter Widerstand: Jüdische Partisanen im Zweiten Weltkrieg von Nechama Tec – einer Überlebenden von Bielskis Gruppe.
Tec und all die anderen hatten überlebt, indem Tuvia Bielski sie zu sich nahm, obwohl viele von ihnen keine Kampferfahrung hatten oder nicht kämpfen konnten. Zusammen befreiten sie Juden aus den umliegenden Ghettos, führten Sabotageaktionen gegen die Deutschen durch und organisierten das Zusammenleben einer immer größer werdenden Gruppe. Über die Zeit war eine regelrechte Stadt im Wald mit Schule, Krankenstation und einer Synagoge entstanden.
Als der Film dann in Polen in die Kinos kam, legte sich die Aufregung wieder, denn Polen kommen in Defiance schlichtweg nicht vor, weder als Täter noch als Opfer oder als Bystander. Der verschwörungsideologische Vorwurf, wonach in dem ‚antipolnischen Machwerk aus Hollywood‘ jüdische Gewalt gegen Polen unter den Teppich gekehrt werden soll, entbehrt zudem jeder Grundlage, wie Zeithistoriker nach Erscheinen des Films in der linksliberalen Gazeta Wyborcza deutlich machten: Nicht die Bielski-Gruppe war für den Überfall auf das Dorf verantwortlich, sondern drei sowjetische Partisanen-Abteilungen der Stalin-Brigade.
Laut einer Rezension nimmt es das Buch mit der historischen Wirklichkeit genauer als der Film, der schließlich dramaturgischen Anforderungen genügen muss: Das Leben im „Jerusalem in den Wäldern“ sei nicht immer solidarisch gewesen – was der Film gleichwohl nicht verschweigt –, und für die Szene mit den deutschen Flugzeugen gebe es keine Belege. Dass das Leben im Wald unter den gegebenen Bedingungen – Vernichtungsdruck durch die Deutschen und ihren Kollaborateuren, Antisemitismus durch sowjetische und polnische Partisanen, Gruppenkonflikte und allumfassender Mangel an Ressourcen – kein Zuckerschlecken gewesen ist, sollte klar sein. Umso irritierender waren die an in permanenter Todesangst lebende Menschen gerichteten Vorwürfe aus Polen, wo der Mythos des nationalen Leidens bereits seit einiger Zeit Gegenstand von erbitterten identitätspolitischen Kämpfen geworden ist.

Hydra (Tatort 931)

Spielfilm – 90 min., D 2015
Buch/Regie: Jürgen Werner/Nicole Weegmann

Ja, wer ist hier gegen den Globalisierungswahn, hm? Wer findet es scheiße, wie Brüssel uns reglementiert, z.B.? Oder dass überall die kleinen Läden kaputtgehen, weil sich die globalen Ketten breitmachen? Oder dass es kaum noch bezahlbaren Wohnraum gibt? Wer ist für mehr Kitas, für mehr Schulen, hm? Ja wir sind alles kleine Nazis!“ (Kommissar Faber )

Dass sich ein Spiegel Online-Kulturredakteur daran stört, dass im vorliegenden Tatort-Krimi nicht eindeutig „die Bösen“ benannt werden, ist zwar auf dem Niveau von FSK 0, wird aber als Abwehrreaktion auf die Zuweisung im obigen Zitat leicht nachvollziehbar. Und dass es in einem Tatort, der sich mit Nazis beschäftigt, auch nicht immer so holzschnittartig und dumpfbackig zugehen muss, wie bei dem von jenem Redakteur gerühmten Titel „Odins Rache“, zeigt diese Folge aus dem letzten Jahr:
Der Tatort ist ein erloschener deutscher Hochofen der absteigenden Industriemetropole Dortmund. Wahrscheinlich gibt es hier dank globalisiertem Finanzkapital keinen guten, harten Kruppstahl mehr – neben wenigen „Aufrechten“ nur noch Arbeitslose und ’ne deutsche Leiche. Der Mordverdacht fällt bei Nazis wie auch bei den Ermittlern sofort auf „die Jüdin“. Denn, wie unserer pimpfiger Kommissar Kossik feststellt: „… sie hat ein Motiv, ein viel zu schwaches Alibi und die Fähigkeiten [als ehemalige Wehrpflichtige der IDF in Gaza!], einen derartigen Mord durchzuziehen. Aber als Jude, ja, ‚tschuldigung, Person jüdischen Glaubens, da hat man hierzulande so etwas wie einen diplomatischen Status. Da kannst du koksen, Zwangsprostituierte vögeln und bist in den Talkshows der Nation immer noch die moralische Instanz.“ Unser kommissarischer Nachwuchsantisemit wird aber ausgebremst, die Ermittlungen gehen bald in Richtung Nazimilieu. Eigentlich ist er auch nur angepisst, weil Kommissarin „Ex“ ihm kein Kind schenken wollte. Und bald wird er unter Druck gesetzt, weil sich seine eigene Sippschaft für die Nachbarschaft national-sozial engagiert. Fiese Sache, aber da ist man doch nicht gleich ein Nazi. Er will ja kein Mutterkreuz fürs geliebte Weib und findet noch nicht einmal „die Autobahn“ gut! Angepisst sind daneben auch andere Kommissare: Anstatt sich anspucken zu lassen und Steuergelder für therapiebedürftige „Ausländer“ zu opfern, würden sie ihre Fälle am liebsten gleich wie KKK-Pyromanen durch Einsatz eines „Flammenwerfers“ lösen. Und schließlich tappelt auf diesem ganzen nationalsozialistischen Untergrund im Präsidium auch noch eine „Ratte“ herum… Der ganz normale deutsche Wahnsinn eben! Unter passendem Titel!

Weg mit dem diplomatischen Status!: „Die Jüdin“ hat ein Motiv
und die Fähigkeit, einen derartigen Mord durchzuziehen | © ARD

Das Mädchen Marion – Preis der Nationen

Spielfilm – 88 min., BRD 1956
Film von Felix Lützgendorf und Wolfgang Schleif

Carl Raddatz, Winnie Markus und Brigitte Grothum spielen die Hauptrollen in diesem gefühlvollen Melodram aus dem Jahr 1956.“ ( 3Sat-Filmbesprechung von 2010)

Was kommt heraus, wenn der Cutter des antisemitischen Hetzfilms „Jud Süß“ sowie des Durchhaltefilms „Kolberg“ mit einem ehemaligen Kriegsberichterstatter der Leibstandarte SS Adolf Hitler zusammentrifft und im Nachkriegsdeutschland einen Film dreht? Ein echter deutscher Rassefilm! Und wenn dieser Film dann vielleicht noch auf dem „Mitteldeutschen Rundfunk“ ausgestrahlt wird, kann man vermuten, worum es gehen wird. Denn da, wo es rechts der Mitte nichts mehr gibt, muss folglich irgendetwas fehlen: Nämlich die durch „Flucht und Vertreibung“ verlorengegangenen Ostgebiete.
Hier lag einst auch das kleine ostpreußische Edelgestüt Trakehnen, angestammter Boden einer ganz besonders warmblütigen deutschen Rasse ( wie auch Schoß eines berühmten Sohnes). Die Blutslinie unseres Leithengstes „Prusso“ lässt sich gar direkt auf Wotan zurückverfolgen. Dass er auf dem strapaziösen Treck gen Westen nicht endgültig schlapp macht, liegt an seinem robusten Rassecharakter, denn so ein urdeutsches Zuchtvieh „steht immer wieder auf“. Und wenn es gegen eine Übermacht „nichts mehr zu gewinnen“ gibt, wird zunächst zwar „nicht nur die Heimat, sondern auch das Recht auf die Heimat“ hintangestellt. Aber mit Hilfe des einfachen Volkes und Rückbesinnung auf zünftiges deutsches Hand- und Bauernwerk gelingt auch andernorts ein Neuanfang. Nur gegen die lüsternen Nachstellungen sowie Enteignungen durch nachsetzende Schieber- und Schacherbanden muss deutsches Veterinärwesen das Recht doch noch einmal selbst in die Hand nehmen. Dabei reicht die reine Tierliebe vom Wunsch nach Todesstrafe bis zu „Blondie“. Und während die verwitwete, heimatlose Gutsherrin sich unablässig um den Wiederaufbau bemüht, treibt der zukünftige Gatte die Wiederherstellung der deutschen Haus- und Geschlechterordnung weiter voran. Von da an ist es mit ein wenig „Zuckerbrot und Peitsche“ für unsere rassige deutsche Jugend nur noch ein kurzer Ritt zur nationalen Wiedergeburt: Sie gewinnt den „Preis der Nationen“. Und dabei hat man den „Spanischen Reiter“ wie Franco-Faschisten („… gleiche Fehler, gleiche Zeit!“) ebenso schön stehen lassen wie schon zwei Jahre zuvor die Ungarn beim „Wunder von Bern“.
Und weil uns die Deutschen hier bis heute immer wieder was vom Pferd erzählen, stimmen wir mit der abschließenden Frage auch gleich wieder das alte Lied an: Wo blieb eigentlich die ultimative antideutsche Rosskur?

Nachtrag: Weitere Heimatfilme mit echt deutschem Stallgeruch sind dem Text „Die große Zerstreuung: Heimat-TV im deutschen Geschichtsfernsehen“ von Tobias Ebbrecht-Hartmann zu entnehmen.

Ruhig Brauner, ruhig!: „Das is ’ne starke Rasse. Die stehen immer
wieder auf!“ | © Schorscht Filmverleih GmbH

Metropolis

Stummfilm – 148 min., D 1927
Film von Fritz Lang und Thea von Harbou

„Metropolis“ ist der bekannteste deutsche Stummfilm. Die meisterhafte filmische Umsetzung eines architektonischen Zukunftsbildes der Stadt macht ihn zu einem einzigartigen Dokument des Menschheitserbes.“ ( Deutsche UNESCO-Kommission e.V.)

Wer erschuf unter dem okkulten Siegel des Satans und der Freimaurerei qua seines übermenschlichen Intellekts den „Moloch“ der modernen Großstadt – und hetzt gleichzeitig im Untergrund der Tiefbahn die ausgebeuteten Massen zur Revolution? Wem passt Hakennase und Einstein-Frise und wird das undurchdringlich Abstrakte und Unmenschliche der Wissenschaft ebenso zugeschrieben wie die Macht über das Kapital? Wer steht der Hölle näher als dem Leben, verkörpert Lüge, Rachsucht und Lüsternheit und trägt ursächlich die Verantwortung für Laster und sündigen Verfall? In welchem Hause, schrieb Thea von Harbou in ihrer Romanvorlage, hat man „das Gefühl, als hocke die Pest in jedem Winkel und spränge einem von hinten ins Genick“? Wer lenkt die Presse und steuert eine Unzahl von Zeitungen? Wessen perfide Geschöpfe gehören – mit Büchern angeheizt – auf Scheiterhaufen verbrannt? Wem wird die Kreuzigung und „Gottesmord“ unterstellt? Wer gehört also schlussendlich vom Dach der Kathedrale gestoßen, damit sich Arbeit und Kapital versöhnen und als Volksgemeinschaft vereinigen können?
Keine Frage: Mitte der 1920er Jahre, als Fritz Lang und Thea von Harbou ihr Science-Fiction-Machwerk „Metropolis“ ausheckten, hätte sich noch jeder Deutsche denken können, dass mit der Figur des Rotwang „der Jud“ gemeint war. Und so verwundert es schon, wie Wulf D. Hund in seiner Filmbesprechung unter dem Titel „Jüdische Weltverschwörung unter rotem Stern“ einleitend feststellt, dass „ganze Sammelbände zum Film erscheinen können, in denen noch nicht einmal das Wort ‚Antisemitismus‘ vorkommt“ – obgleich bereits schon Adolf Hitler über den Regisseur gesagt haben soll: „Das ist der Mann, der uns den nationalsozialistischen Film schenken wird.“ Und Hund pflichtet weiter Siegfried Kracauers Einschätzung bei, dass die volksgemeinschaftliche Versöhnung am Ende des Films „ohne weiteres von Goebbels“ hätte stammen können.
Laut nachdenken wollen die ach so geläuterten Deutschen darüber heute natürlich nicht mehr. Viel lieber wollen sie sich gemeinsam – wie beispielsweise 2010 im eiskalten Berlin vor nationaler Schicksalskulisse – endlich wieder unbeschwert für deutsches Kulturgut erwärmen dürfen ( und nebenbei gleich der benachbarten französischen Botschaft die deutsche Interpretation der Marseillaise zukommen lassen). Potsdam, die redlich treue Landeshauptstadt und Geburtsstätte des deutschen Films, gibt dem „Klassiker“ heute im Landtag die höchsten politischen Weihen und „stellt sich“ – in gleichem Hause gern mal der deutschen Verbrechen wegen in Sakko und Asche gehend – nun endlich auch seinem UNESCO-Weltdokumen­ten­erbe… das Zertifikat „Schwarz-Rot-Geil“ aus. Das Prädikat „Künstlerisch und staatspolitisch wertvoll“ hätte damals vielleicht schon die Filmprüfstelle verliehen, aber der Film war im Jahr 1927, anders als „Der Herrscher“ ( ebenfalls nach Harbou-Drehbuch), seiner Zeit noch um wenige Jahre voraus.
In unverbrüchlicher Nibelungentreue haben die Deutschen also auch über dieses antisemitische Meisterstück wieder zueinandergefunden. Wobei, wie der beiderseits nach dem Motto „Kotzen statt Kleckern“ geführte Arbeitskampf im Berliner Stummfilmkino „Babylon“ zeigte, der Wille zur betriebsgemeinschaftlichen Versöhnung sich nicht immer gleich zu erkennen gibt. Und auch wenn Goebbels und der Führer schon tot, die „12 dunklen Jahre“ lange vorbei sind und die Nazis ja auch und so… : Dem über jeden Verdacht erhabenen, großen deutschen Filmschaffenden, Exilanten und „Halbjuden“ Fritz Lang und seiner „Herzensbotschaft“ dürfen und können sie problemlos folgen. Fritz bleibt Fritz! Lang leben die Deutschen! Und die deutsche Sozialpartnerschaft! Und deutsches Werk und Schaffen!

Heil Mittler!

Nachtrag: Den Anstoß zu diesem Beitrag gab uns Klaus Thörner mit seinem Vortrag „Arbeit macht frei – Über den Zusammenhang zwischen deutschem Arbeitswahn und Antisemitismus“.

Flimmern statt Fackeln: Zur 60. Berlinale 2010 durfte am deutschen
Filmwesen wieder die Welt genesen | © Sean Gallup, Getty Images

Ida

Spielfilm – 80 min., PL/ DK 2013
Film von Pawel Pawlikowski

International vielfach ausgezeichneter Film, der den polnischen Antisemitismus, die ambivalente Haltung der nichtjüdischen polnischen Bevölkerung unter deutscher Besatzung, die Shoah und das Überleben im Nachkriegspolen „aufarbeitet“. Wir verzichten hier auf die übliche kurze inhaltliche Einführung oder Bewertung und verweisen direkt auf zeitgeschichte-online.de, wo uns Magdalena Saryusz-Wolska in einer Filmbesprechung einen Überblick zu den geschichtspolitischen Kontroversen um den Film „Ida“ gibt. Wie wenig oder was der Trailer hergibt, ist deshalb schon bemerkenswert.

Geh und Sieh

Spielfilm – 146 min., SU 1985
Buch/Regie: Ales Adamowitch, Elem Klimow

Spielfilm zum deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Der Film setzt den Akzent auf die albtraumhafte Bebilderung des Terrors und der Gräuel, die deutsche Mordkommandos hunderttausendfach an der Zivilbevölkerung Weissrusslands verübten. Auf sprachlicher Ebene dagegen bleibt der Film sehr zurückhaltend, ebenso in seiner Analyse des Nationalsozialismus als rassistisches und antisemitisches Programm. Die Flugzettelszene, in der die deutsche Feindbestimmung („Juden-Bolschewisten“) ausgedrückt wird, dürfte wohl auch noch im Jahr 1985 haarscharf an sowjetischen Zensurmaßnahmen vorbeigegangen sein. Passend zum Thema ist auch eine jüngere Dokumentation über den damaligen Generalkommissar für Weißruthenien Wilhelm Kube bzw. die Einbindung der Zivilverwaltungen der besetzten Gebiete in den Holocaust.

Das Geständnis

Spielfilm – 133 min., F 1970
Ein Film von Constantin Costa-Gavras

Verfilmung des Berichts von Artur London, der als Überlebender des sogenannten Slánský-Prozesses im Jahr 1952 mit 13 weiteren hochrangigen Funktionären der tschechoslowakischen KP wegen Hochverrat verurteilt worden war. Unter Hervorhebung ihrer „jüdischen Abstammung“ und aufgrund von unter Folter abgepressten Geständnissen wurden gegen die „staatsfeindlichen Verschwörer“ u.a. insgesamt 11 Todesurteile gesprochen und vollstreckt. Zur antisemitischen Dimension dieses und anderer stalinistischer Schauprozesse wird hier auf einen Vortrag von Jan Gerber, einen Vortrag von Olaf Kistenmacher und die Dokumentation „Stalin hat uns das Herz gebrochen“ verwiesen.