Suchergebnisse für 'Jud Süß'

Das Mädchen Marion – Preis der Nationen

Spielfilm – 88 min., BRD 1956
Film von Felix Lützgendorf und Wolfgang Schleif

Carl Raddatz, Winnie Markus und Brigitte Grothum spielen die Hauptrollen in diesem gefühlvollen Melodram aus dem Jahr 1956.“ ( 3Sat-Filmbesprechung von 2010)

Was kommt heraus, wenn der Cutter des antisemitischen Hetzfilms „Jud Süß“ sowie des Durchhaltefilms „Kolberg“ mit einem ehemaligen Kriegsberichterstatter der Leibstandarte SS Adolf Hitler zusammentrifft und im Nachkriegsdeutschland einen Film dreht? Ein echter deutscher Rassefilm! Und wenn dieser Film dann vielleicht noch auf dem „Mitteldeutschen Rundfunk“ ausgestrahlt wird, kann man vermuten, worum es gehen wird. Denn da, wo es rechts der Mitte nichts mehr gibt, muss folglich irgendetwas fehlen: Nämlich die durch „Flucht und Vertreibung“ verlorengegangenen Ostgebiete.
Hier lag einst auch das kleine ostpreußische Edelgestüt Trakehnen, angestammter Boden einer ganz besonders warmblütigen deutschen Rasse ( wie auch Schoß eines berühmten Sohnes). Die Blutslinie unseres Leithengstes „Prusso“ lässt sich gar direkt auf Wotan zurückverfolgen. Dass er auf dem strapaziösen Treck gen Westen nicht endgültig schlapp macht, liegt an seinem robusten Rassecharakter, denn so ein urdeutsches Zuchtvieh „steht immer wieder auf“. Und wenn es gegen eine Übermacht „nichts mehr zu gewinnen“ gibt, wird zunächst zwar „nicht nur die Heimat, sondern auch das Recht auf die Heimat“ hintangestellt. Aber mit Hilfe des einfachen Volkes und Rückbesinnung auf zünftiges deutsches Hand- und Bauernwerk gelingt auch andernorts ein Neuanfang. Nur gegen die lüsternen Nachstellungen sowie Enteignungen durch nachsetzende Schieber- und Schacherbanden muss deutsches Veterinärwesen das Recht doch noch einmal selbst in die Hand nehmen. Dabei reicht die reine Tierliebe vom Wunsch nach Todesstrafe bis zu „Blondie“. Und während die verwitwete, heimatlose Gutsherrin sich unablässig um den Wiederaufbau bemüht, treibt der zukünftige Gatte die Wiederherstellung der deutschen Haus- und Geschlechterordnung weiter voran. Von da an ist es mit ein wenig „Zuckerbrot und Peitsche“ für unsere rassige deutsche Jugend nur noch ein kurzer Ritt zur nationalen Wiedergeburt: Sie gewinnt den „Preis der Nationen“. Und dabei hat man den „Spanischen Reiter“ wie Franco-Faschisten („… gleiche Fehler, gleiche Zeit!“) ebenso schön stehen lassen wie schon zwei Jahre zuvor die Ungarn beim „Wunder von Bern“.
Und weil uns die Deutschen hier bis heute immer wieder was vom Pferd erzählen, stimmen wir mit der abschließenden Frage auch gleich wieder das alte Lied an: Wo blieb eigentlich die ultimative antideutsche Rosskur?

Nachtrag: Weitere Heimatfilme mit echt deutschem Stallgeruch sind dem Text „Die große Zerstreuung: Heimat-TV im deutschen Geschichtsfernsehen“ von Tobias Ebbrecht-Hartmann zu entnehmen.

Ruhig Brauner, ruhig!: „Das is ’ne starke Rasse. Die stehen immer
wieder auf!“ | © Schorscht Filmverleih GmbH

Harlan – Im Schatten von Jud Süß

Dokumentation – 100 min., D 2008
Ein Film von Felix Moeller

Er ist garantiert kein Antisemit gewesen. Und er ist garantiert kein Nazi gewesen. Auf gar keinen Fall! Er hat sowas von abfällig über Nazis gesprochen. Das kann gar nicht sein.“ ( Caspar Harlan)

„Er hatte lauter jüdische Freunde. Die haben ihn geliebt und waren immer mit ihm zusammen. Und unser Arzt war jüdisch und ringsum waren lauter jüdische Leute.“ (Maria Körber)

„Film wird ja immer missbraucht als Propaganda. Heute, die ganzen Kriegsspiele und die Kriegsfilme, die werden gesponsort vom amerikanischen Militär. Die finanzieren und produzieren Kriegsfilme und so requirieren sie sich die Leute. Hat sich nicht viel geändert.“ (Kristian Harlan)

Die kleine Auswahl von Zitaten, die Felix Moeller in seinem Familienportrait „Harlan – Im Schatten von Jud Süß“ von Nachkommen des wohl erfolgreichsten NS-Regisseurs einfängt, steht beispielhaft für den Umgang der Deutschen mit ihrem nationalsozialistischen Familienerbe. Schlechtestenfalls naiv, karrieristisch oder verantwortungslos soll der „Künstler“ Veit Harlan ( nebst seiner Ehefrau Kristina Söderbaum) dem familiären Gesamturteil folgend gewesen sein. Gerichtsverfahren und öffentliche Kontroversen hatte er schon in der Nachkriegszeit relativ schadlos überstanden. Selbst Veit Harlans „enfant terrible“ Thomas Harlan, der „Jud Süß“ immerhin als „Mordinstrument“ bezeichnete, konnte sich seinen Vater nur als „Nicht-Antisemiten“ denken. Und bis in die 3. Generation spürt man die Aversion gegen das Offenbare und Naheliegende: Dass der Schauspielführer Veit Harlan mit seinen von nationalsozialistischer Ideologie tief durchdrungenen Filmen eben doch – und bis der Vorhang fiel – ein fanatischer Überzeugungstäter im Dienste der deutschen Volksgemeinschaft gewesen sein könnte.

Die Mörder sind unter uns

Spielfilm – 91 min., DEFA 1946
Buch/Regie: Wolfgang Staudte

Der erste und bis heute populärste deutsche Nachkriegsfilm. Geschildert wird die Begegnung und Abrechnung des traumatisierten Ex-Landsers Mertens mit seinem ehemaligen Befehlshaber und Verantwortlichen einer Massenerschießung. Der hier vorgeführte Vergeltungswunsch könnte nicht nur im Fall von Mertens (Burschenschafter, Arztkarriere im NS, Wehrmachtssoldat) als Schuldabwehr verstanden werden. Auch der Regisseur Wolfgang Staudte, der an zahlreichen NS-Propagandafilmen (u.a. als Nebendarsteller in „Jud Süß“) mitwirkte, scheint sich mit diesem Film einen Persilschein ausgestellt zu haben. Obendrein wirkt somit auch die Liebesbeziehung zwischen Mertens und einer KZ-Überlebenden (gespielt von Hildegard Knef) wie eine dreiste Nötigung zur Versöhnung. Es ist zudem Staudtes Verdienst, den Mythos vom völlig zerstörten Deutschland als auch der Trümmerfrauen mitbegründet zu haben. Ein wahrhaft deutscher Film.

Ja, wenn nur der Krieg nicht gewesen wär: Vormalige Volksge-
nossen vor deutscher Kulissenlandschaft | © DEFA-Stiftung