Tag-Archiv für 'claude-lanzmann'

Der Letzte der Ungerechten

Dokumentation – 218 min., F 2013
Ein Film von Claude Lanzmann

Im Rahmen seines Filmes „Shoah“ (1985) führte Claude Lanzmann 1975 ein langes Interview mit Benjamin Murmelstein, dem überlebenden, letzten sog. „Judenältesten“ des Ghetto Theresienstadt. Letztendlich entschied er sich aber dagegen, das Material in „Shoah“ zu verwenden, denn, so Lanzmann in einem Interview, „Shoah“ sei „ein Film in Erzählform, der allgemeine Ton ist von einer schrecklichen Tragik. Wenn man Benjamin Murmelstein zuhört, merkt man, dass das nicht zu ihm passt. Er ist von einem anderen Schlag.“ In ihrem „Bericht von der Banalität des Bösen“ über den Eichmann-Prozess bezeichnete Hannah Arendt Leute wie Murmelstein als „Verräter“, einem Urteil, dem Gershom Scholem entschieden widersprach. In einem Punkt war er jedoch mit Arendt einig: „Gewiss, […] Murmelstein in Theresienstadt hätte […] verdient, von den Juden gehängt zu werden.“ Hätte man Murmelstein vor Gericht in Jerusalem als Zeugen geladen, so hätte dieser davon berichten können, dass Eichmann, den Arendt als „Hanswurst“ bezeichnete, während des Novemberpogroms selbst zur Tat geschritten ist. Lanzmanns Film ist so wichtig, weil er diesem und anderen Fehlurteilen widerspricht. Gleichwohl ist es von einer besonderen Tragik, dass Murmelstein, der 120.000 österreichischen Juden zur Ausreise verholfen hat, seine Rehabilitation nicht mehr erleben durfte. Er starb 1989 ohne je einen Fuß nach Israel gesetzt zu haben, obwohl das seinem Wunsch entsprochen hätte. Lanzmanns Film ist eine späte, aber würdige Rehabilitation dieser beeindruckenden Person.

+ Der Film ist noch bis 22.03.2018 auf der arte-Mediathek abrufbar. +

© Synecdoche, Le Pacte, DOR Film, Les Films Alephe, France 3
Cinéma

Shoah

Dokumentation – 566 min., F 1985 (dt.UT)
Ein Film von Claude Lanzmann

Die wohl eindrücklichste Dokumentation über die Vernichtung des europäischen Judentums durch die Deutschen. Lanzmann und sein Team suchen die Orte der Vernichtung auf und interviewen vor allem die Überlebenden, aber auch Zeugen und Täter. Dabei wird auf hastige Schnittfolgen, Off-Kommentare und Musik ebenso verzichtet wie auf den Einsatz von historischem Bildmaterial. Sowohl die „Überlänge“ als auch der Inhalt sorgten nicht nur in deutschen Sendeanstalten für programmpolitische Diskussionen: wegen des kompromittierenden Dokumentierens des polnischen Antisemitismus setzte die damalige polnische Regierung harte Verbots- und Zensurmaßnahmen durch. Die Rolle des Einleitenden übernimmt an dieser Stelle Christoph Hesse mit seinem kurzen Vortrag »Einen ewigen Namen will ich ihnen geben…« Claude Lanzmanns Film ‚Shoah‘.

The Karski-Report

Dokumentation – 49 min., F 1978/2010
Ein Film von Claude Lanzmann

Darstellung der vergeblichen Bemühungen Jan Karskis, die Welt über die Geschehnisse im Warschauer Ghetto und die systematische Vernichtung der europäischen Juden aufzuklären. Der Film widmet sich auch der Frage nach der Fassbarkeit des Holocaust im menschlichen Denken.

Tsahal

Dokumentation – 316 min., F/D 1994
Ein Film von Claude Lanzmann

Dokumentation über die israelische Armee und den Willen zur Selbstbehauptung.