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L‘humour à mort – Je suis Charlie

Dokumentation – 90 min., F 2015
Ein Film von Emmanuel und Daniel Leconte

Zum Jahrestag der Anschläge vom Januar 2015 in Paris kam in Deutschland der Dokumentarfilm „Je suis Charlie“ in die Kinos. Mit seiner einfühlsamen Hommage an Charlie Hebdo und seine Mitarbeiter bleibt Regisseur Daniel Leconte sehr nah bei den Opfern und Hinterbliebenen des Massakers und verzichtet deshalb weitgehend auf Geschichte und politische Analysen des islamistischen Terrors. Da wir hier nicht gern wiederholen, was andere besser beschrieben haben, verlinken wir gern eine umfassendere Filmbesprechung der Wochenzeitung Jungle World. Verweisen möchten wir aber trotzdem auch auf den ARTE-Dokumentarfilm „2015 – Paris est une cible“, da hier der antisemitischen Motivation des Terrors der letzten Jahre mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, so wie wir es schon mit unseren Beitrag zu „Satanische Verse. Die Affäre Rushdie“ oder dem Kommentar zu „Bataclan. Ein antisemitischer Anschlag.“ versucht hatten.

Es ist hart, von Idioten verehrt zu werden

Dokumentation – 100 min., F 2008
Ein Film von Daniel Leconte

Zum Kinostart des Dokumentarfilms „L‘humour à mort. Je suis Charlie“ 2016 wurde in den Filmbesprechungen öfter darauf hingewiesen, dass Regisseur Daniel Leconte schon während des Prozesses gegen Charlie Hebdo im Jahr 2006 wohlwollend mit der Kamera zugegen war, während die meisten Medien dem Blatt und seinem blasphemischen Programm bis zuletzt ihre Solidarität verweigerten. Die Satirezeitschrift hatte sich damals mit dem Abdruck der Mohammed-Karikaturen der dänischen Jyllands-Posten, sowie eigener Karikaturen, nicht der Selbstzensur unterworfen und sah sich in der Folge mit einer Klage des Rates der Muslime Frankreichs – nicht wegen Blasphemie, was in Frankreich keinen Straftatbestand darstellt – jedoch wegen Beleidigung konfrontiert. Aus heutiger Perspektive zeigt der Dokumentarfilm zu jenem Prozess die Vorgeschichte der Terroranschläge in Paris vom Januar 2015 und ist hier deshalb mit Hinweis auf die Opfer in einer aktualisierten Fassung zu sehen.

Die beanstandete Ausgabe vom 08.02.2006 | © Charlie Hebdo

Vous avez dit antisémite? – Befremdet im eigenen Land

Dokumentation – F 2003
Ein Film von Daniel Leconte und Barbara Necek

Facettenreiche Dokumentation über den erstarkenden Antisemitismus in Frankreich nach 9/11, der Antirassismus-Konferenz in Durban und dem Irakkrieg. Insbesondere Finkielkraut’s Bemerkungen zum „notorischen Verbrechen der Kapitalisten“ und zur strukturell antisemitischen Kritik linker Globalisierungsgegner sind doch recht erfrischend. In der Haltung zu Israel bleibt der Film jedoch sehr ambivalent. Seit Fertigstellung 2003 haben sich die Verhältnisse bis zum Jahr 2015 weiter verschärft.