Tag-Archiv für 'defa'

Das zweite Gleis

Spielfilm – 80 min., DEFA 1962
Regie/ Drehbuch: Hans-Joachim Kunert/ Günter Kunert

Welches Bild könnte den Holocaust als perfekt abgestimmtes Gemeinschaftsprojekt der Deutschen symbolisch treffender fassen als ein Güterbahnhof der Deutschen Reichsbahn? Wo liegt die Schuld besser begraben als unter den Trümmern einer deutschen Stadt? Was liegt näher als die unzähligen Leichen in den Kellern der eigenen Familien zu suchen? Ebenso einzigartig, aber noch viel direkter als „Der Verlorene“ von Peter Lorre greift auch Hans-Joachim Kunert die Frage nach der Beteiligung der deutschen Bevölkerung am Holocaust und ihre Verdrängung in der deutschen Nachkriegsgesellschaft auf – wohlgemerkt in der Nachkriegsgesellschaft der DDR. Das Filmmuseum Potsdam beschreibt den Film gar als den einzigen DEFA-Film, „der die ehemaligen Nazis nicht im Westen Deutschlands ausfindig macht, von Kollektivschuld spricht und von den DDR-Bürgern wissen will: Was hast Du vor 1945 getan?“. Kein Wunder also, dass der Film von der zeitgenössischen Kritik verschmäht und erst durch die DEFA-Retrospektive des New Yorker Museum of Modern Art und anschließender DVD-Veröffentlichung im Jahr 2005 wieder einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wurde.

Nach 1945 in der DDR: Fahrdienstleiter Walter Brock marschiert
über die Anlagen der Deutschen Reichsbahn | © DEFA-Stifung

Die Mörder sind unter uns

Spielfilm – 91 min., DEFA 1946
Buch/Regie: Wolfgang Staudte

Der erste und bis heute populärste deutsche Nachkriegsfilm. Geschildert wird die Begegnung und Abrechnung des traumatisierten Ex-Landsers Mertens mit seinem ehemaligen Befehlshaber und Verantwortlichen einer Massenerschießung. Der hier vorgeführte Vergeltungswunsch könnte nicht nur im Fall von Mertens (Burschenschafter, Arztkarriere im NS, Wehrmachtssoldat) als Schuldabwehr verstanden werden. Auch der Regisseur Wolfgang Staudte, der an zahlreichen NS-Propagandafilmen (u.a. als Nebendarsteller in „Jud Süß“) mitwirkte, scheint sich mit diesem Film einen Persilschein ausgestellt zu haben. Obendrein wirkt somit auch die Liebesbeziehung zwischen Mertens und einer KZ-Überlebenden (gespielt von Hildegard Knef) wie eine dreiste Nötigung zur Versöhnung. Es ist zudem Staudtes Verdienst, den Mythos vom völlig zerstörten Deutschland als auch der Trümmerfrauen mitbegründet zu haben. Ein wahrhaft deutscher Film.

Ja, wenn nur der Krieg nicht gewesen wär: Vormalige Volksge-
nossen vor deutscher Kulissenlandschaft | © DEFA-Stiftung