Tag-Archiv für 'faschismus'

300 Juden gegen Franco (Madrid before Hanita)

Dokumentation – 58 Min., ISR 2006
Ein Film von Eran Torbiner

Dokumentation über jüdische Freiwillige bei den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Durch die zum Teil sehr bewegenden Schilderungen der (zum Zeitpunkt des Filmdrehs letzten noch lebenden) jüdischen ‚SpanienkämpferInnen‘ aus dem Jischuw/Palästina und von Familienangehörigen einstiger Freiwilliger werden insbesondere ihre politischen Motivationen, nach Spanien zu gehen, herausgearbeitet. Der englische Titel deutet darauf bereits hin: Madrid before Hanita. Der Regisseur Eran Torbiner:

„Zu den Aktionen der zionistischen Bewegung in dieser Zeit gehörte die Gründung der Siedlungen unter dem Motto ‚Mauer und Turm‘ mitten in arabischen Regionen – mit dem Ziel, Fakten im Blick auf eine mögliche Teilung des Landes zu schaffen. Chanita im Norden Palästinas … war das Symbol für diese Aktion. Als Ja‘akov Chasan, einer der Führer der linken Zionisten in Palästina 1938 sah, dass sich einige Zionisten im Lande an den Brigaden in Spanien beteiligten oder beteiligen wollten, anstatt immer mehr Siedlungen aus einer Mauer und einem Turm zu errichten, prägte er das Codewort ‚Chanita vor Madrid‘.“

Torbiner hat mit seinem Film den jüdischen Freiwilligen aus dem Jischuw ein Denkmal gesetzt, das daran erinnert, dass es eben nicht nur KommunistInnen und undogmatische Linke aus Deutschland, Großbritannien usw. waren, die zur Waffe gegriffen haben, um die Spanische Republik gegen den Putsch des Generals Franco zu verteidigen.
Das Zitat zeigt jedoch auch den Antizionismus Torbiners, der sich durch seinen ganzen Film zieht und vor allem dadurch deutlich wird, was der Film nicht erwähnt: Zum Beispiel, dass 1938 in Palästina der Arabische Aufstand unter der Führung des Großmuftis von Jerusalem Amin Al-Husseini, einem Bündnispartner der Nazis, tobte und dem von 1936-1939 Hunderte Jüdinnen und Juden sowie AraberInnen (den Teilungsplan unterstützende „unislamische AbweichlerInnen“) zum Opfer fielen. Chanita before Madrid war also nicht einfach nur eine kolonialistische Parole! Kein Wort auch zur Palästinensischen Kommunistischen Partei, der viele jüdische Freiwillige angehörten und die den Aufstand ganz im Sinne der Komintern-Linie unterstützte und KritikerInnen ihres Kurses aus der Partei ausschloss – alles nachzuhören in diesem Vortrag von Stephan Grigat oder bezüglich des Muftis nachzulesen bei Matthias Küntzel. Schließlich erfährt man auch nichts über die stalinistischen Säuberungen in Spanien, auf die Torbiner vor kurzem auf einer Konferenz in Warschau nur ausweichend antwortete, es wäre eben Krieg gewesen.

Ein Großteil der jüdischen Freiwilligen aus Palästina kämpfte in der
rein jüdischen Botwin-Brigade – benannt nach Naftali Botwin, einem
zum Tode verurteilten jüdischen Kommunisten aus Polen, der hier
abgebildet ist | © WDR

Gott is‘n Meenzer

Dokumentation – 11 min., D 2013
Ein Film von Mikko Linnemann

Ein kurzweiliger Film aus der Reihe „Little Germany“ zum nazistischen Spektakel des Faschings. Auch wenn sich deutsche Befindlichkeiten immer wieder direkter (1 2 3) Bahn brechen, dem übergeordneten Adorno-Zitat folgend stellt allein schon der Vollzug solcher Veranstaltungen einen „Schlüssel zur Hitlerei“ dar…


© Gegenfeuer Produktionen

Der gewöhnliche Faschismus

Dokumentarfilm – 123 min., SU 1965
Ein Film von Michail Romm

Das war die Bedingung, unter der ich diesen Film machen durfte… Dass das Wort „Jude“ in diesem Film nicht fällt.“ (Michail Romm)

So soll sich der Regisseur nach einer Filmvorführung 1966 in West-Berlin privat geäußert haben, nachdem ein Zuschauer in der anschließenden Diskussion darauf hinwies, dass der tragende Kommentar im Film die Darstellung der Shoah fast vollkommen übergangen und entstellt hätte. Bilder von den Massenexekutionen in Liepaja und L‘vov, den Deportationen und den Vernichtungslagern Majdanek und Auschwitz hatte Romm zwar ausführlich gezeigt, die Hauptopfer und Motivation dieser nationalsozialistischen Verbrechen jedoch nahezu vollständig verschwiegen. Teilweise könnte man aber auch von vorsätzlicher Bildmanipulation sprechen. Mit der Darstellung faschistischer Alltagskultur, den Massenveranstaltungen, sowie der Kunst und Kultur des „Dritten Reichs“ dem Äußerlichen verhaftet, bot der Film zugleich auch eine antitotalitäre Tendenz. So wurde der Film nach seinem einmaligen internationalen Erfolg auch mit einem de facto-Verbot belegt und schon 1967 wieder aus dem Verleih genommen. Der Film könne, so eine Aktennotiz des Leiters der Hauptverwaltung Film im DDR-Ministerium für Kultur aus dem Jahr 1977, aufgrund der „subjektiven Betrachtung und nicht genügend tiefen Darstellung der gesellschaftlichen Ursachen des Faschismus … vom Zuschauer fehlinterpretiert werden (vor allem in Hinblick auf äußerlich ähnliche Veranstaltungen auch unter sozialistischen Verhältnissen).“ In einer Kritik an der fehlenden Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus lag diese Verfahrensweise wohl nicht begründet.
Diese kurze Einführung wurde angeregt durch einen Text von Lilia Antipow aus „Glückssuchende? Conditio Judaica im sowjetischen Film“.

Zum gewöhnlichen Faschisten degradiert: Deutscher Wehrmachts-
offizier ohne Hakenkreuz | © Mosfilm

Ich war neunzehn

Spielfilm – 90 min., DDR 1968
Buch/ Regie: Wolfgang Kohlhaase, Konrad Wolf

Die Geschichte dieses Films spielt in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 und ist eng an die Biographie des Regisseurs Konrad Wolf angelehnt. Geschildert werden vor allem die persönlichen Kriegserlebnisse Wolfs, der als junger Angehöriger der 1. Weissrussischen Front den Vormarsch auf Berlin mitbegleitet hatte. Sonderlich in die Tiefe geht die Auseinandersetzung mit den vom Nationalsozialismus fanatisierten Deutschen nicht – so gleitet der Film denn auch in die eine oder andere abstruse Faschismustheorie ab. Auch von einer Identitätskonfusion des Regisseurs (JungleWorld 43/15), die angeblich das Jüdische miteinbezieht, ist zumindest in diesem Film nichts mitzubekommen.

Die Grauen Wölfe – Türkische Faschisten in Deutschland

Zusammenschnitt vom 02.06.2015

Kultur-Diktatur in Ungarn

ttt 27.01.2013

Die Neonazis der Partei „Goldene Morgenröte“

weltbilder 05.11.2013

Mussolinis Enkel – Die „Casa Pound“-Jugendzentren

kulturzeit 03.07.2011