Tag-Archiv für 'ns-euthanasie'

„Unwertes Leben“ on tour

Dokumentation – 30 Min., D 2014
Ein Film des Berliner Vereins Kellerkinder e.V.

Was passiert, wenn Menschen mit seelischen „Hindernissen“ an den Orten der ehemaligen Tötungsanstalten der sog. „Euthanasie“ an die Opfer des hunderttausendfachen Mordes als „lebensunwert“ bezeichneter Menschen im Nationalsozialismus erinnern und sich dabei nicht auf die Zeit bis 1945 beschränken wollen? Wenn sie an die Opfer erinnern und gleichzeitig den Umgang mit diesen Menschen heute skandalisieren wollen? Dann bekommen sie Mails wie diese:

„Wie Sie wissen befindet sich die Gedenkstätte Hadamar auf dem Gelände der Vitos-Kliniken Hadamar. Meine Nachfrage bei der dortigen Geschäftsführung ergab, dass es nicht möglich ist auf dem Klinikgelände die von Ihnen geplanten Aktionen durchzuführen […]. Es handelt sich, wie Sie verstehen werden um ein Klinikgelände mit den entsprechenden Begrenzungen. Aus diesem Grund müssen wir Ihnen leider absagen.“

Die deutsche Erinnerungskultur der 2010er Jahre hat eben auch ihre entsprechenden Begrenzungen. Sich dem Wesen des sog. NS-Krankenmordes zu stellen, würde auch bedeuten, darüber zu sprechen, ob es nicht ganz schön absurd ist, Gedenkstätten zu errichten und nebenan, wie in Grafeneck beispielsweise, Menschen mit „Hindernissen“ in Wohngruppen unterzubringen – kilometerweit entfernt von der nächsten Stadt. Das Unvermögen der Gesellschaft diesen Menschen entsprechend ihrer Bedürfnisse zu begegnen, auch und gerade in den Gedenkstätten, zeigt der Film an einer Stelle besonders krass, wenn einem Mitglied der Gruppe mit eingeschränkter Mobilität gesagt wird, es solle doch durch die ehemalige Garage der grauen Busse hindurch die Gedenkstätte befahren.
Die Perspektive von „potentiell betroffenen“ Menschen auf dieses Thema ist leider nach wie vor eine Seltenheit, weshalb dieser Film so wichtig ist!

Hier kamen die Busse mit den Menschen an, die kurz darauf
in Gaskammern erstickt wurden – heute der Zugang zur Ge-
denkstätte Hadamar für Rollstuhlfahrer | © Maria der Bär
Produktion

Ein ganz normaler Arzt

Dokumentation – 45 min., A 2006
Film von Andreas Nowak

Wie viele Mörder an Kranken und behinderten Menschen während des Nationalsozialismus hatte der vormalige Stationsarzt der Wiener Klinik „Am Spiegelgrund“ Heinrich Gross ein langes Leben und eine ungebrochene Karriere. Erst spät und widerwillig kam es zu juristischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit einigen unmittelbaren Tätern der sogenannten Euthanasie. Zwar gab es kaum Verurteilungen, dafür waren Entsetzen und Empörung die langanhaltende Folge. Soweit folgt der Film dem allgemein gültigen Narrativ vom moralisch degenerierten Einzeltäter, der unter größter Geheimhaltung mit einer Clique gleichgesinnter Nazi-Ärzte tödliche Wissenschaft betrieb. Gleichzeitig bleibt das Thema bis heute weiterhin vernebelt und mit einem Tabu behaftet: Dass der hunderttausendfache Mord einen breiten gesellschaftlichen Konsens voraussetzte, bei dem nicht nur die Partei, Wissenschaftler, Mediziner, Pflegekräfte und Kirchen mitwirkten, sondern auch oft auf die Bedürfnisse der Angehörigen der Opfer eingegangen worden ist.

Das Lebenswerk des Heinrich Gross: Sorgfältig präparierte
Organe von Euthanasieopfern | © ORF

Der Pannwitzblick

Dokumentation – 90 min., D 1991
Ein Film der Medienwerkstatt Freiburg

Analytischer Montagefilm zum vernichtenden Blick auf Menschen mit Behinderungen. Vor dem Hintergrund der NS-Vernichtungspolitik wird, insbesondere in der Debatte um Sterbehilfe, das Fortwirken sozialdarwinistischen Denkens beschrieben. Zur aktuellen Auseinandersetzung mit Peter Singer siehe hier.

Die Belasteten – >Euthanasie< 1939 bis 1945

ZDF aspekte aus 2014