Tag-Archiv für 'sport'

„That one’s for Hitler!“ – Baer vs. Schmeling

Aufzeichnung – 24 min., USA 1933

Aufzeichnung des Kampfes „Max Baer vs. Max Schmeling“ in New York 1933. Während in Deutschland bereits der Ausschluss jüdischer Sportler aus den Verbänden betrieben wurde, zeigte Max Baer mit dem Davidstern auf der Hose eine einmalige solidarische Geste. In einem eindrucksvollen Kampf siegte Baer nach technischem KO in der 10. Runde und verpasste damit dem deutschen Sportwesen auf symbolischer Ebene eine verdiente Abreibung.
Max Baer, der einen jüdischen Großvater hatte, als US-amerikanischer Staatsbürger jedoch noch nicht unmittelbar von den Deutschen bedroht war, musste allerdings auf einem anderen Feld einen Tiefschlag hinnehmen. Denn neben dem Boxsport versuchte Baer auch im Filmbusiness zu punkten. Seinen ersten großen Auftritt als Hauptdarsteller hatte er 1933 in der US-amerikanischen Filmkomödie „The Prizefighter and the Lady“. Der Film sollte auch in Deutschland unter dem Titel „Männer um eine Frau“ im Kino gezeigt werden, wurde jedoch verboten. Den deutschen Sportsfreunden dürfte Max Baer als Sieger über Max Schmeling noch in schlechter Erinnerung geblieben sein, als sie dann bald jene Nachricht lasen, die der Völkische Beobachter am 29.4.1934 veröffentlichte. Unter der Überschrift „Bestätigtes Filmverbot“ stand dort zu lesen:

Berlin, 28.4. Gegen die Entscheidung der Prüfstelle, die dem Film „Männer um eine Frau“ wegen der Mitwirkung des amerikanischen Boxers Max Baer als Hauptdarsteller die Zulassung versagte, hatte die Metro Goldwyn Mayer-Film AG Beschwerde eingelegt. Die Oberprüfstelle hat in ihrer heutigen Sitzung diese Beschwerde zurückgewiesen und das Verbot aufrechterhalten. In Übereinstimmung mit der Prüfstelle und dem von dieser Stelle vernommenen Sachverständigen des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda hält die Oberprüfstelle daran fest, dass die Zensur nicht einfach an der Tatsache vorbeigehen könne, dass das deutsche Volk die Vorführung von Filmen mit jüdischen Hauptdarstellern als Provokation empfinde. An diese Art Filme müsse daher ein besonders strenger Maßstab gelegt werden. Vorwiegend sei es das Verhältnis des jüdischen Darstellers, der nach Ansicht der Oberprüfstelle obendrein ein durchaus negroider Typ sei, zu den in dem Film mitspielenden nichtjüdischen Frauen, das eine Verletzung des nationalsozialistischen Empfindens im Sinne des neuen Lichtspielgesetzes vom 16. Februar 1934 enthalte. Aus diesem gesetzlichen Verbotsgrunde sei die fernere Vorführung des Films, und zwar sowohl in der Originalfassung wie in der deutschen Fassung nicht mehr angängig.“

(aus Joseph Wulf: „Kultur im Dritten Reich“)

Max Baer ist heute nahezu vergessen. Max Schmeling dagegen avancierte trotz seiner Funktion als NS-Werbe-Ikone zu einer Art „Oskar Schindler des deutschen Boxsports“. Bestärkte er 1936 im WM-Ausscheidungskampf mit seinem Sieg über den afro-amerikanischen Boxer Joe Louis den deutschen Rassenwahn, so wurde sein Leben mit „Max Schmeling – Eine deutsche Legende“ posthum als nationales Feel-good-Movie verhunzt. Da war er also wieder: Der gute Deutsche! Die Ehre jedoch, der deutschen Volksseele frühzeitig nicht nur aufs Maul zu schauen, sondern auch zu geben, die gebührt ganz unzweifelhaft Max Baer.

„Hail Hitler!“: Baer siegt nach technischem KO in der 10. Runde
| © ACME Newspictures. Quelle: Archiv Buschbom.

Munich ’72 and Beyond

Dokumentation – USA 2016
Ein Film von Steve Ungerleider, u.a.

Seinen Namen trägt ein Putsch,
eine Räterepublik,
ein Blutbad und ein Schandvertrag
der Weltpolitik.“ (Munich – Die Goldenen Zitronen)

Mit dem Olympia-Attentat von 1972 haben sich in der Vergangenheit schon einige Filme beschäftigt, wobei die oscargekrönte Dokumentation „One Day in September“ sowie Steven Spielbergs kontroverser Politthriller „München“ am bekanntesten sein dürften. Wie den Vorankündigungen zum 2016 anlaufenden Film zu entnehmen ist, wird in „Munich ’72 and Beyond“ auf das Massaker und den Tatverlauf eine neue Perspektive eröffnet: die der Opfer und Hinterbliebenden, ihr Kampf um Erinnerung sowie die Brutalität der Geiselnehmer. Der durchaus wichtige Kampf um Erinnerung, der letztendlich auch in die Errichtung einer Gedenkstätte münden wird, trifft sich dabei aber leider zu gut mit der deutschen Manie, die liebgewonnenen toten Juden aus- oder ihnen gar noch nachzustellen. Dem lebenden Juden, oder was man in München wie anderswo dafür hält, begegnet man dagegen weiterhin mit erhobenem Zeigefinger fast einhellig feindlich. Und das am Gedenk-Projekt beteiligte IOC, welches 1995 bedenkenlos „Palästina“ als Mitglied aufnahm, hält gegenüber Israel seit Jahrzehnten an ihrem Credo „The Games must go on!“ fest: Eine offizielle Gedenkminute zur Eröffnungsfeier, wie von Israel und den Hinterbliebenden gefordert, wird es auch in Rio 2016 nicht geben. Das wäre ja auch ein Affront gegen arabische und muslimische Mitgliedsstaaten. Für den Präsidenten des Palästinensischen Olympischen Komitees Jibril Rajoub, der sich weniger der olympischen Idee als vielmehr dem „Volkssport Judenmord“ verpflichtet fühlt, wäre die Schweigeminute schlicht „rassistisch“. In der Logik eines Antisemiten ist das verständlich. Aber dass auch das im Film zur Sprache kommen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Nachtrag: Ob die gern in der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“ weilende „Goldene Zitrone“ Schorsch Kamerun ihre geistige Blockade aufgegeben oder sich auch der Bewertung Jibril Rajoubs angeschlossen hat, ist uns nicht bekannt… Aber für den Kauf einer Eintrittskarte wirds ja wohl noch reichen!

Soon again: Innerer Reichsparteitag

Das kann doch nicht wahr sein. Hat’s so etwas wirklich gegeben, Trainer?“ (Mario Basler in Yad Vashem)

So unwissend wie damals Nationalspieler Mario Basler tat, als er dies 1997 nach dem Besuch der Nationalmannschaft in Yad Vashem seinen Trainer Bertie Voigts fragte, sind die Deutschen natürlich nie gewesen. Im Gegenteil erinnern sie sich bis heute sehr gern an historische Begegnungen ihrer Auswahl, wissen erlösende Tore als „inneren Reichsparteitag“ zu feiern ( oder lassen sich feiern!) und lernen recht bald nach Titelgewinn wieder ihren aufrechten Gang ergo die rassistische Sau rauszulassen. Gegenüber regelmäßigen „Sieg“-Rufen sowie deutsch-nationalem Hirnschiss kann man nicht mal mehr mit passenden Gesten kontern – zumal die legendäre Attacke Rijkaards gegen das Schwarz-Rot-Goldlöckchen Rudi Völler im Jahr 1990 auch anders intendiert war als man es sich gewünscht hätte. Nein, gegen tiefbraunen Dreck helfen weder Spucke noch Klopapier! Und auch kein Vorrundenaus! Einzig Aufklärung hilft, vielleicht mit etwas mehr Abstand, wenn nötig gern auch „ultra violent“! Wie auch immer…

Un vie de lutte – Der Kampf geht weiter

Dokumentation – 31 min., D 2015
Ein Film der North-East Antifa

+++ Da hier über den „alternativen“ Anzeigenteil von blogsport.de gerade eine Spendenkampagne der NEA für ein weiteres Filmprojekt läuft, setzen wir gern unseren, nun etwas überarbeiteten Beitrag wieder nach oben – und ergänzen um einen Artikel von Alex Feuerherdt, der einen aktuellen Vorfall während der ‚Nuit debout‘-Demonstration am 17.04.2016 aufgreift. +++

Kurze Dokumentation zum Mord an dem Antifaschisten Clément Méric, zum Rechtsruck in Frankreich, der seine Manifestation vor allem in der Bewegung gegen die ‚marriage pour tous‘ und dem Erstarken des Front National erfahren hat sowie zu aktuellen antifaschistischen Kämpfen und Projekten in Paris. Der Film beschreibt in einem kurzen Überblick die politische Entwicklung der letzten Jahre und den Zustand der antifaschistischen Bewegung aus Sicht von AFA Paris-Banlieue, des Quartiers Libres, des Journalisten Bernhard Schmid und anderen. Interviewpartner wie Filmemacher legen hier allerdings selbst ungewollt einige ihrer Widersprüche offen, wobei die Ästhetisierung männlicher Domänen (Fussball, Demonstrationen, HipHop) anscheinend mit dem Gendern der Untertitel ebenso gut zusammengeht wie eine pauschale und ausschließliche „Kritik“ des Antisemitismus der Rechten mit den eigenen Solidaritätsbekundungen für das antisemitische Projekt „Palästinensischer Befreiungskampf“. Worin sich das konkrete Engagement gegen Antisemitismus ausdrückt, verrät der Film nicht. Dabei ist dies gerade im Fall von Quartiers Libres doch sehr offensichtlich. Aber auch auf der Internetseite der North-East Antifa wird, bei aller Rhetorik, klar, wer und was für sie im Nahost-Konflikt das eigentliche Problem darstellt.

Wollen keine U-Bahn bauen: Antifa-Hooligans und palästinasolida-
rische `Recht auf Heimat`-Bewegte feiern ihren Verein MFC 1871
| © NEA

Iran vs. Deutschland (2004) – Ein Freundschaftsspiel

In der Eröffnungszeremonie beim Länderspiel Iran -Deutschland zeigt sich, worin bei vielen Iranern die innige Verbundenheit zum deutschen Volk begründet liegt.

© ZDF | Deutschland zu Gast bei Freunden