Tag-Archiv für 'ungarn'

Ungarns Ultrarechte – Der Traum von der Volksgemeinschaft

ZDF auslandsjournal vom 28.06.2017

Der Prozess von Budapest

Dokumentation – 94 min., HU 2013
Ein Film von Eszter Hajdú

Ganz ehrlich? Er hasste die Zigeuner nicht mehr als jeder andere auch.“ ( anonyme Zeugin)

Bereits im Jahr 2012 erweckte Bence Fliegaufs Spielfilm „Just the Wind“ auf beeindruckende Weise internationale Aufmerksamkeit für die 2008 bis 2009 verübte Mordserie an ungarischen Roma sowie deren prekäre Lebenssituation. Der hier vorliegende Dokumentarfilm zum über 2-jährigen Prozess gegen ungarische Neonazis, die diese Morde verübt haben, steht dem nicht nach. Das Beeindruckende dieses Films liegt nicht nur darin, dass es hier im nüchternen Stil des Dokumentarischen gelingt, nur anhand der Aussagen der Prozessbeteiligten und ohne Konsultation kritischer Beobachter der Situation in Ungarn, die erschreckende Dimension des Antiziganismus der Mehrheitsgesellschaft deutlich herauszuarbeiten. In der klaustrophobischen Szenerie des Gerichtsaals verdichtet sich die Bedrohung der Roma auf das Äußerste. Weiterführendes ist dem Mitschnitt der Veranstaltung „Inside NSU“ zu entnehmen, wo nach der Filmvorführung auch die Regisseurin Eszter Hajdú sowie die Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky ausführlicher zu Wort gekommen sind. Die darin angekündigte Veröffentlichung von Magdalena Marsovszky mit dem Titel „Verfolger und Verfolgte – Antiziganismus in Ungarn“ sei an dieser Stelle als Überblicksdarstellung ausdrücklich empfohlen.

© Miradouro Media, rbb, Perfekt Shot Films

Somehow in Between – The Life of the Journalist Karl Pfeifer

Dokumentation – 87 min., A 2011
Ein Film von Daniel Binder u.a.

Ich glaube auch bis heute nicht, dass ein Jude in Österreich leben kann und seine Menschenwürde wahren kann. Das ist ein Widerspruch.“ (Karl Pfeifer)

Dennoch lebt und arbeitet Karl Pfeifer, der als Journalist erst spät zu seinem Metier fand, seit den 1950er Jahren wieder in Österreich. Als „Jude“ 1938 zunächst nach Ungarn, dann 1943 wie durch ein Wunder mit einem der letzten Kindertransporte nach Palästina entkommen, verteidigte er die Staatsgründung Israels als Mitglied des Palmach, um dann über Umwege wieder in das Land zurückzukehren, dessen Vernichtungswahn er eben gerade noch entgangen war. Als bissiger und unnachgiebiger Kritiker, insbesondere des Antisemitismus, hatte Karl Pfeifer in der postnazisitischen Gesellschaft Österreichs keinen leichten Stand. Er ist auch in hohem Alter noch Autor, u.a. bei hagalil.com und Jungle World und Korrespondent des israelischen Radios. Seine Autobiographie „Einmal Palästina und zurück. Ein jüdischer Lebensweg.“ erschien im Jahr 2013. Wir wünschen Karl Pfeifer von ganzem Herzen ein langes, glückliches Leben und beim Lesen der Kronenzeitung einen festen Magen. Zur besseren Einordnung der Erfahrungen Karl Pfeifers in Österreich bietet sich ein Vortrag von Florian Markl und Stephan Grigat zu „Austrofaschismus, Nationalsozialismus und Postnazismus“ an.

Karl Pfeifer präsentiert die abgrundtiefe Niedertracht der Kronen-
zeitung | © Gesellschaft für kritische Antisemitismusforschung

Stalin hat uns das Herz gebrochen

Dokumentation – 53 min., D 2000
Ein Film von Eduard Erne und Minka Pradelski

Deutschland 1945: Das Land zerstört, befreit. Im Exil verstreut in der ganzen Welt von Mexiko bis Palästina warten Sozialdemokraten und Kommunisten, die vor Hitler geflohen waren, auf die Rückkehr – um einen Traum zu verwirklichen: ein besseres, ein friedliches, ein demokratisches, ein sozialistisches Deutschland.“

Nun, dieser Prolog ist geeignet, einem, noch bevor der Film richtig begonnen hat, die Laune zu verderben. Andererseits steht er symptomatisch für das geistige Unvermögen vieler Linker, auf das Wesen des Staates zu reflektieren – damals wie heute. Der Prolog ist also insofern wahr, als dass er dem Selbstverständnis der im Film Porträtierten entspricht. Das Misstrauen, was den Kommunisten, die die Nazibarbarei in der westlichen Emigration überlebt hatten und nach dem Krieg nach Deutschland zurückgekehrt sind, entgegenschlug, war für viele ein Schock; aus heutiger Perspektive gleichwohl nur ein Vorzeichen noch Schlimmerem: einer antisemitischen Säuberungswelle in den Kommunistischen Parteien Osteuropas. Im Film geht es zuvorderst um den nach dem bewährten Muster der Moskauer Prozesse in Ungarn abgehaltenen Rajk-Prozess und in der Folge um die Säuberung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) von zumeist missliebigen Exilanten, die auch schon mal als „Feinde des Deutschen Volkes“ bezeichnet wurden – nun zum zweiten Mal nach dem NS. Während des Slańsky-Prozesses in der Tschechoslowakei wurde der Antisemitismus noch deutlicher. Seine semantische Verschleierung als „Antizionismus“ ist von ungebrochener Aktualität. In der Folge stieg der Druck auf jüdische Parteimitglieder auch in der SED. Stalins Tod kam einem Schauprozess in der DDR jedoch zuvor; eine vollständige Rehabilitierung der von den stalinistischen Verfolgungen Betroffenen gab es dennoch bis zum Ende der DDR nicht, wofür sicherlich auch der nunmehr latente Antisemitismus verantwortlich war.
Wir danken dem AK „Stalin hat uns das Herz gebrochen“ der NFJ Berlin für den Vortrag zum Film, erinnern mit Bini Adamczak an das Schicksal der in die Sowjetunion emigrierten Kommunisten und schließen mit einem ohne jeden Zweifel berechtigten: Nie wieder Deutschland!

© NDR

Ungarn – Antisemitismus wieder salonfähig

weltbilder 07.05.2013

Rechtsextremismus in Ungarn

euronews reporter 26.04.2013

Kultur-Diktatur in Ungarn

ttt 27.01.2013